Freiberg stürzt Tabellenführer FC Homburg
: Barini schießt SGV zum ersten Sieg

Der eingewechselte Torjäger erzielt beide Treffer zum Freiberger 2:0-Überraschungserfolg über den bisherigen Regionalliga-Spitzenreiter FC Homburg. Trainer Gehrmann kritisiert die hohe Erwartungshaltung im Umfeld.
Von
Andreas Eberle
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Ruben Reisig (links) gab am Samstag gegen den FC Homburg sein Regionalliga-Debüt im Freiberger Trikot. Hier bekommt es der 26-jährige Defensivmann mit David Hummel zu tun..

/Oliver Bürkle

Ausgerechnet gegen den bisherigen Spitzenreiter FC 08 Homburg ist beim SGV Freiberg der Knoten geplatzt: Das 2:0 am Samstag war der historische erste Dreier des Neulings in der Regionalliga. Der Matchwinner kam von der Bank: Der in der 70. Minute eingewechselte Ouadie Barini schoss die Wasen-Elf in der Schlussphase mit einem Doppelpack zum Sieg und führt nun mit vier Treffern sogar die Torschützenliste an – gemeinsam mit Homburgs Fabian Eisele. In der Tabelle sprang der bisher punktlose SGV vom vorletzten Platz auf Rang zwölf.

„Der Fokus diese Woche war, unser Tor sauber zu halten. Denn Fußball spielen können wir – und ich meine auch besser als viele andere Mannschaften in der Liga, ohne jetzt überheblich klingen zu wollen. Wir haben das Zeug, in dieser Saison zu einer Überraschungsmannschaft zu werden“, sagte Barini und verwies auf die „riesengroße Qualität“ im Kader.

Sein Trainer Ramon Gehrmann gab bei der Pressekonferenz gar ein Versprechen ab: „Wir werden unsere Punkte holen, und wir werden in der Liga bleiben.“ Im gleichen Atemzug knöpfte sich der Fußball-Lehrer die Kritiker im Umfeld vor, die nach dem frühen Aus im WFV-Pokal und den beiden unglücklichen Auftaktniederlagen in der Runde über einen Fehlstart lamentiert hatten: „Wir müssen mal die Kirche im Dorf lassen. Wir sind ein kleiner Verein, haben 15 neue Spieler geholt, die man erst mal einbauen muss. Manche von ihnen sind erst seit drei Wochen hier. Die Erwartungshaltung, dass wir hier die Liga aufmischen und nach zwei Spieltagen Tabellenführer sind, kann ich nicht nachvollziehen.“

Gehrmann hatte seine Startelf gegenüber dem 2:3 in Balingen aus taktischen Erwägungen umgebaut. Überraschend verzichtete er zunächst auf seinen bisher besten Torschützen Barini. „Eine Enttäuschung war schon da nach meinen zwei Toren in den ersten zwei Spielen“, kommentierte der 31-jährige Stürmer seine Nichtberücksichtigung. „Ich habe das aber sportlich genommen. Aus taktischen Gründen kann man das verkraften. Hauptsache, die Mannschaft ist erfolgreich.“

Reisig feiert Regionalliga-Debüt

Standardspezialist Marcel Hofrath saß diesmal ebenfalls auf der Bank, und Christian Mauersberger weilte wegen muskulärer Probleme nur in Zivil im Wasen-stadion. Als zusätzliche Absicherung im zentralen Mittelfeld gab der zweikampfstarke Ruben Reisig sein Regionalliga-Debüt. Auch Angelo Rinaldi und der von seinem Kosovo-Trip zurückgekehrte Amar Cekic liefen von Beginn an auf. Als einzige Spitze fungierte Marcel Sökler, der von Kapitän Marco Kehl-Gomez, David Tomic und Cekic aus dem Mittelfeld sporadisch unterstützt wurde.

Der SGV konnte sich vorne zwar kaum durchsetzen, kaufte dem Favoriten aus Homburg aber mit viel Laufbereitschaft, Kampfgeist und Aggressivität den Schneid ab. Die Saarländer, die mit einem 7:0 gegen den FSV Frankfurt im Rücken angereist waren, spielten dagegen pomadig und ideenlos auf. Ganz offensichtlich hatte die Mannschaft des ehemaligen VfB-Verteidigers Timo Wenzel den Aufsteiger auf die leichte Schulter genommen.

In der ersten Hälfte bekamen die 712 Zuschauer Regionalliga-Magerkost serviert. Die einzige wirkliche Chance war ein Kopfball von Eisele, der das Tornetz streifte. Erst nach der Pause wachten die Gäste auf und übernahmen die Initiative. Ihr alleiniges Mittel waren allerdings hohe Bälle in den Strafraum, wo Eisele und der eingewechselte Thomas Gösweiner bei ihren Kopfbällen aber kein Fortune hatten. Kurz nach Wiederanpfiff rettete Freibergs Schlussmann Niclas Heimann mit einer Glanztat gegen Eisele.

Dann kam Barini – und mit ihm neuer Schwung ins erlahmte Freiberger Offensivspiel. Nach einem weiten Pass von Tomic entwischte Sökler der Homburger Innenverteidigung zum ersten und einzigen Mal. Seinen Schuss wehrte Keeper David Salfeld noch ab, Barinis Nachschuss aber saß – 1:0 (73.). Sechs Minuten später jagte der SGV-Rückkehrer die Kugel vom Sechzehner zum 2:0 unter die Latte und brachte so den bis dahin lautstarken FCH-Fanblock zum Verstummen. Die Vorarbeit hatte der ebenfalls in der 70. Minute eingewechselte Nicola Jürgens geliefert.

Trainer-Lob für den Edeljoker

Bei zwei Kontern hatte der wie entfesselt aufspielende Barini sogar noch zwei weitere Male die Gelegenheit, sein Torkonto in die Höhe zu schrauben. „Egal ob er von der Bank kommt oder von Beginn auf dem Feld steht – er ist immer torgefährlich. Er hat das gemacht, was er kann. Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagte Coach Gehrmann über seinen formstarken Edeljoker.

Stimmen zum Spiel

Ramon Gehrmann, Trainer des SGV Freiberg: Es sind  zwei offensivstarke Mannschaften aufeinandergetroffen. In der ersten Halbzeit haben wir uns neutralisiert. Nach der Pause hätte Homburg in Führung gehen können oder sogar  müssen. Wir haben gekämpft und das Zentrum gut zugestellt  –  und dann haben wir auch die richtigen Spieler eingewechselt und sind am Ende  zum Glück als Sieger  vom Platz gegangen. Die Mannschaft hatte es schon  gegen Aalen und in Balingen verdient, etwas mitzunehmen. Auch da hat sie gut gespielt. Nur hat  vor dem Tor   die Effektivität gefehlt. Wir gehen unseren Weg weiter. Ich glaube an die Mannschaft.
Timo Wenzel, Coach des FC 08 Homburg: Wenn du eine Woche davor 7:0 gewinnst, ist das Gift – für die Mannschaft, für den Verein, für alle. Jeder sagt dann, das wird schon irgendwie funktionieren und ihr gewinnt hier 3:0 oder 4:0 – weil jeder nur die Ergebnisse sieht. Freiberg hat zweimal unglücklich verloren. Wir wussten, dass es ein ganz anderes Spiel werden würde als gegen Frankfurt. Jeder Spieler muss in den Kopf bekommen, dass wir jede Woche 100 Prozent geben müssen – und nicht nur 75 oder 80 Prozent. Sonst gewinnen wir hier in dieser Liga gar nichts. Wir sind wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen. Das ist auch gut so.
Ouadie Barini, Freiberger Matchwinner: Wir sind froh, dass wir jetzt die ersten drei Punkte eingefahren haben. Ich habe gewusst: Wenn ich reinkomme, werde ich brandgefährlich sein – und das habe ich auch bewiesen. Wenn ich fünf Minuten bekomme, versuche ich in fünf Minuten meine Tore zu machen. Wenn ich 90 Minuten bekomme, versuche ich das in 90 Minuten. Ich habe mir für diese Saison vorgenommen, alles rauszuhauen, was ich habe. Nach meiner Karriere – wann immer das auch sein mag – will ich mir nicht vorwerfen lassen, nicht alles dafür getan zu haben, um erfolgreich zu sein. So gehe ich in jedes Spiel und jedes Training.