Frauenfußball-WM
: Halbfinale als realistisches Ziel für DFB-Elf

An diesem Montag startet die deutsche Frauennationalmannschaft in die Fußball-Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland. Wir haben dazu mit drei Spielerinnen aus der Region gesprochen.
Von
Daniel Haug
Stuttgart
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Fans der DFB-Auswahl haben sich mit einem Banner beim Testspiel Deutschlands gegen Brasilien auf die WM in Australien und Neuseeland eingestimmt.

Imago/Action-Pictures

Die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen war und ist groß – vermutlich nicht nur bei den Fußballerinnen in und um Bietigheim-Bissingen. Bereits seit vergangenem Donnerstag läuft das Turnier in Australien und Neuseeland. Das deutsche Team startet an diesem Montag (10.30 Uhr MESZ live im ZDF) in Melbourne mit dem ersten Gruppenspiel gegen Marokko in die WM. „Das ist ein großes Turnier, auf das man sich als Fußballfan einfach freut“, sagt Maya Vahsen vom FV Löchgau.

Von dort ist Emily Evels einst ausgezogen, um Fußball auf höchstem Niveau zu spielen. Aktuell führt sie den SC Sand in der Zweiten Bundesliga als Kapitänin an. „Ich bin sehr gespannt. Das Niveau ist bemerkenswert gestiegen, deshalb wird es eine spannungs- und ereignisreiche WM“, prognostiziert die 26-Jährige.

Wahrnehmung positiv verändert

Vor allem durch die Europameisterschaft in England im vergangenen Jahr hat der Frauenfußball einen ordentlichen Schub bekommen. Das Finale verlor die DFB-Elf zwar knapp mit 1:2 nach Verlängerung gegen die Gastgeberinnen, war aber mit fast 18 Millionen Zuschauern (64,5 Prozent Marktanteil) die meistgesehene TV-Sendung in Deutschland 2022. Daran soll jetzt bei der WM angeknüpft werden. „Ich denke schon, dass sich die Wahrnehmung zum Positiven verändert hat. Das Wegkommen der Männervergleiche wird aber noch eine Weile dauern. Ich kann mir gut vorstellen, dass mehr Leute die WM verfolgen werden“, sagt Lisa Pötzsch – Neuzugang beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen.

Dass in Deutschland überhaupt Live-Bilder vom Turnier zu sehen sind, war lange unsicher. Der Fußball-Weltverband Fifa lieferte sich einen monatelangen Streit um die Übertragungsrechte mit den TV-Sendern. Weil deren Preisangebote der Fifa nicht hoch genug waren, drohte sogar ein Blackout. Am Ende einigte man sich doch – ARD sowie ZDF übertragen alle Spiele live in der Mediathek, den Großteil auch im TV. „Ich fand die Diskussion relativ affig. Klar will man das Turnier nicht unter Wert verkaufen, aber am Ende geht es doch darum, dass es viele schauen können“, meint Vahsen. Die 15-jährige Schülerin verfolgt möglichst viele Spiele. „Aufgrund der Zeitverschiebung sind die Spiele jetzt noch während der Schulzeit. Ich muss ehrlich zugeben, dass da auch mal Fußball auf dem I-Pad läuft. Aber ich denke am Schuljahresende ist das auch vertretbar. Bald sind ja Sommerferien“, sagt die FVL-Torhüterin.

Auch Evels und Pötzsch versuchen, viele Spiele zu schauen, nicht nur die der deutschen Mannschaft. Die Aufmerksamkeit in der breiten Bevölkerung hängt wohl eng mit dem Auftreten des DFB-Teams zusammen. Die letzten Vorbereitungsspiele waren mit einem knappen 2:1-Sieg gegen Vietnam und einer 2:3-Niederlage gegen Sambia nicht komplett überzeugend. „Die Testspiele haben gezeigt, dass Fußball kein Selbstläufer ist. Mit der nötigen Konsequenz im letzten Drittel und im defensiven Umschaltspiel kann Deutschland aber sehr weit kommen“, vermutet Pötzsch.

Zunächst gilt es aber, gut ins Turnier zu starten. Dafür sollte das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg trotz der verletzungsbedingten Ausfälle von Giulia Gwinn und Carolin Simon (beide Kreuzbandriss) gut aufgestellt sein. „Wenn wichtige Spielerinnen verletzt sind, dann ist das nie ein gutes Zeichen. Dennoch ist die Kaderbreite mit vielen ambitionierten, talentierten und kreativen Spielerinnen groß“, sagt Mittelfeldspielerin Evels, die 2012 in zwei U16-Länderspielen selbst das DFB-Trikot trug.

Zum Aufgebot gehört auch Lena Oberdorf, die bei der EM 2022 als beste Nachwuchsspielerin ausgezeichnet wurde. Ihr Einsatz gegen Marokko ist nach einer Oberschenkelverletzung aber fraglich. „Ich werde bis zuletzt die Daumen drücken, dass Oberdorf fit wird. Aus meiner Sicht ist sie im defensiven Mittelfeld super wichtig und gesetzt“, sagt Pötzsch. Ähnliches gilt für Abwehrchefin Marina Hegering, die zuletzt mit einer Fersenprellung angeschlagen war und von Vahsen als weitere deutsche Schlüsselspielerin genannt wird.

Gruppe sollte machbar sein

Die Gruppe mit Marokko, Kolumbien (30. Juli) und Südkorea (3. August) sollte für das DFB-Team auf jeden Fall machbar sein, auch wenn Vahsen warnt: „Bei einer WM darf man kein Team unterschätzen. Aber ich glaube Deutschland hat gute Chancen, weit zu kommen.“ Evels und Pötzsch werden da etwas konkreter und nennen das Halbfinale als realistisches Ziel. „Aber ich hoffe natürlich auf mehr“, schiebt die 26-jährige Offensivspielerin Pötzsch nach. Und Evels ergänzt: „Am Ende wird es auf die mentale Stärke ankommen, ob die Deutschen es ins Finale packen.“ Als Topfavoritinnen sehen die drei Spielerinnen aus der Region vor allem die USA um die Topstars Alex Morgan und Megan Rapinoe sowie Europameister England und Spanien mit Weltfußballerin Alexia Putellas.