Frachtschifffahrt in der Region
: Güter auf dem Neckar: Baustoffe und Erden dominieren

Die BZ beleuchtet den Stand der Frachtschifffahrt auf dem Neckar. Die Auswirkungen der Dürre lassen sich gegenwärtig noch nicht abschätzen.
Von
Uwe Mollenkopf
Ludwigsburg
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Frachtschiffe an der Neckarschleuse in Pleidelsheim.

Werner Kuhnle

Um die Bevölkerung auf die Schifffahrt als Leistungsträger im Rahmen der Weltwirtschaft aufmerksam zu machen, hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) den Weltschifffahrtstag ins Leben gerufen. Es handelt sich um einen anerkannten Tag der Vereinten Nationen, der seit dem 17. März 1978 jedes Jahr am letzten Donnerstag im September im Kalender steht. Gestern war es wieder soweit. Was die Binnenschifffahrt in der Region Stuttgart betrifft, braucht es derzeit indes keinen Schifffahrtstag, um ihre Bedeutung zu unterstreichen. Letzteres geschieht immer wieder in der Debatte um den Schleusenausbau am Neckar (die BZ berichtete). Erst dieser Tage hat die IHK-Region Stuttgart kritisiert, dass der weitere Aufschub des geforderten Wasserstraßenausbaus die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährde.

IHK kritisiert Verzögerungbeim Schleusenausbau

Das Rekordniedrigwasser im Sommer 2022 hat nach Meinung der IHK gezeigt, wie stark die europäische Industrie- und Energiewirtschaft auf die Versorgung über die Wasserstraße angewiesen sind: „Binnenschiffe konnten nur noch mit einem Viertel ihrer üblichen Fracht beladen werden; Straße und Schiene leiden aber unter Engpässen und können nicht alle Gütermengen bewältigen“, so die Kammer. Trotz des Bekenntnisses der Politik zur stärkeren Nutzung der klimafreundlichen Binnenschifffahrt und trotz „ihrer großen, grenzüberschreitenden Bedeutung“ werde viel zu wenig zu deren Unterstützung getan, heißt es. Die Mittelausstattung im Bundeshaushalt sei rückläufig, die Ausbauprojekte an Rhein, Neckar, Donau und Mosel kämen nicht voran. Seit Jahren werde um den Ausbau und die Sanierung der Neckarschleusen gerungen. Die IHK fühlt sich in ihrer Kritik bestätigt, nachdem ein für den 26. September angesetztes Fachgespräch „Neckarschleusen zukunftsfähig sanieren und verlängern“, zu dem die Regierungsfraktionen im Landtag eingeladen hatten, abgesagt wurde.

Überwiegend Massengüter werden befördert

Beim Versuch, die Bedeutung der Binnenschifffahrt auf dem Neckar zahlenmäßig zu erfassen, wird seitens des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Neckar mit Sitz in Heidelberg allerdings darauf verwiesen, dass man keine statistischen Daten für einzelne Bereiche am Neckar erhebe. Immerhin: Zahlen gibt es durch eine freiwillige Befragung der Binnenschiffer an der Schleuse Mannheim-Feudenheim.

Demnach wurden dort in den Jahren 2020 und 2021 jeweils 5,1 Millionen Tonnen Güter auf dem Neckar transportiert. In der Vergangenheit lag die Zahl höher: So waren es 2014 insgesamt 6,5 Millionen Tonnen. Einen Einbruch gab es 2018 (4,7 Millionen Tonnen), wie 2022 ein ausgesprochenes Dürrejahr mit niedrigen Wasserständen, welche die Schifffahrt behinderten.

„Auf den Schiffen werden überwiegend Massengüter, wie Baustoffe/Erden, Salz, Metalle/Schrott, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Futtermittel und Kohle transportiert“, beschreibt Johanna Reek, Sprecherin des WSA Neckar, was alles über den Fluss geschippert wird, wiederum erhoben an der Schleuse Feudenheim. Den größten Anteil machen dabei die Baustoffe und Erden mit 41 Prozent aus (Daten von 2021), gefolgt von Salz mit 18 Prozent. Jeweils 10 Prozent nehmen Metalle/Schrott und landwirtschaftliche Erzeugnisse/Futtermittel ein. Kohle und Koks machen 8 Prozent aus, kleinere Anteile unter 5 Prozent haben chemische Erzeugnisse, Mineralölerzeugnisse, Düngemittel und andere Güter.

Mehrere Umschlagsstellenim Kreisgebiet

Wichtigste Häfen sind laut Johanna Reek Heilbronn, Stuttgart und Plochingen. Im Kreis Ludwigsburg gibt es keinen Hafen. Hier existieren nur private Umschlagsstellen in Remseck (Baustoffe), Ludwigsburg, Benningen, Marbach (Kraftwerk) und Walheim (Kraftwerk). Die Güterschiffe auf dem Neckar sind bis zu 105 Meter lang, 11,45 Meter breit und bis zu 2,80 Meter tief abgeladen. Der geforderte Schleusenausbau soll bewirken, dass der Fluss auch von größeren Güterschiffen mit einer Länge von bis zu 135 Metern befahren werden kann.

Welche Auswirkungen in diesem Jahr die sommerliche Dürre hatte, kann laut WSA erst nach dem Ende der Periode belastbar dargestellt werden. Klar ist, dass Schiffe auf dem Rhein, die aufgrund des dortigen Niedrigwassers weniger tief abgeladen werden, auch mit weniger Güter in den Neckar einfahren. Und zehn Zentimeter weniger Tiefgang bedeute für ein Schiff auf dem Neckar rund 100 Tonnen weniger Ladung, beschreibt Reek die Lage.