Feuerwehr Bietigheim-Bissingen
: Positiver Trend bei den Neuzugängen

Bei der Jahreshauptversammlung blickte man sowohl zurück als auch auf zukünftige Themen. 
Von
Jonathan Lung
Bietigheim-Bissingen
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Ehrungen bei der Feuerwehr-Hauptversammlung in Bissingen (von links): Bürgermeister Michael Hanus, Kommandant Frank Wallesch, Bernd Merk, Manuel Haas, Andreas Ölschläger, Markus Köder, Udo Geiger, Martin Oexle, Bernd Schelling und Sascha Stangl.

/Martin Kalb

Dass am vergangenen Freitag zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge vor dem Vereinsheim des Musikvereins Bissingen standen, war kein Grund zur Sorge: Statt eine Gefahrenlage zu bekämpfen, saßen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen drinnen an den Tischen: Es war Jahreshauptversammlung. Kommandant Frank Wallesch blickte zurück auf ein volles Jahr und auch in die Zukunft.

2023 hatte die Feuerwehr insgesamt 445 Anforderungen, 11 929 Einsatzstunden. Ein Einsatz davon war der tödliche Verkehrsunfall am 26. Mai, bei dem eine Frau nur noch tot aus ihrem völlig demolierten Fahrzeug geborgen werden konnte und man wegen eingebauter Kindersitze noch die Umgebung mit der Drohne absuchte – zum Glück ohne fündig zu werden.

Hilfe in Hochwassergebieten

Ausgedehnte Flächenbrände im Bereich der Eselshütte wurden ebenso bekämpft wie einem Gefahrgut-Lkw geholfen, der, stur dem Navi folgend, im Wald entlang der Enz feststeckte und drohte, eine sechs Meter hohe Böschung zur Enz hinabzustürzen. Ein Konvoi der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen brach im November auch zur Unterstützung der Hochwassergebiete in Niedersachsen auf. Für den damaligen Einsatz zur Hilfe nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 erhielten die beteiligten Einsatzkräfte im vergangenen Jahr auch die Fluthelfermedaille des Landes Rheinland-Pfalz.

Insgesamt 10 890 Übungsstunden hatte die Freiwillige Feuerwehr im vergangenen Jahr. Dazu gehörte die Übung mit der Wasserrettung der DLRG, in der im Sommer die Kooperation trainiert wurde und unter anderem ein Sonar zum Einsatz kam. Im Sommer fand auch die Landkreis-Großübung „Incendium“ statt, in der die Waldbrandbekämpfung geübt wurde und eine vier Kilometer lange Schlauchleitung verlegt wurde – 13 Feuerwehren mit 73 Fahrzeugen und 400 Feuerwehrangehörigen nahmen teil.

Fahrzeug für Jugendwehr

Nach zwei Jahren intensiver Suche konnte sich die Jugendfeuerwehr im vergangenen Jahr über Ersatz für ihr Fahrzeug freuen: Ein gebrauchtes LF 10 wurde beschafft und wird aktuell an die Übungszwecke angepasst. Der Besitz eines modernen Übungsfahrzeugs ist nicht selbstverständlich – aber sicher eine größere Motivation als mit „Ledereimer und Feuerpatsche“ zu Werke gehen zu müssen, so der Kommandant.

Gegenwärtig ist der Kommandant zufrieden mit seiner Feuerwehr. Sie zählt 33 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr, 146 in den aktiven Abteilungen und 39 in der Altersabteilung. Nach insgesamt zehn Abgängen im vergangenen Jahr – keiner davon im Streit – freut er sich über neun Neuzugänge, davon fünf Übernahmen aus der Jugendfeuerwehr. Der positive Trend der letzten Jahre bei den Neuzugängen setze sich damit fort.

Feuerwache wird renoviert

In den kommenden Monaten und Jahren steht der Umbau und die Renovierung der Feuerwache als Kernthema der Abteilung Bietigheim an. Im Moment laufen die Planungen für eine Interimswache, sollte ein Umzug während des Baus notwendig sein. Das in die Jahre gekommene Gebäude mit unzureichender sanitärer Ausstattung (keine Dusche) und einer kaum möglichen Trennung von kontaminierter Einsatz- und Privatkleidung sind die Gründe.

Viel Applaus für Roland Schrenk

Im fünfjährigen Turnus fanden bei der Jahreshauptversammlung auch die Wahlen zu den Feuerwehrausschüssen statt – einmal musste sogar wegen Stimmgleichstand das Los entscheiden. Für die Mitglieder, die an diesem Abend im Einsatz waren, waren extra Boten für den Stimmtransport unterwegs. Die Ausschüsse beraten den Kommandanten, theoretisch könnte er sie ignorieren – aber in den 13 Jahren seiner Amtszeit gab es noch nie grundsätzliche Unterschiede oder Entscheidungen im Streit, erklärte Kommandant Wallesch.

Unter fast schon frenetischem Applaus fanden an dem Abend die Ehrungen statt. Lange stehende Ovationen erhielt bei den Verabschiedungen schließlich Roland Schrenk: „Fast ein halbes Jahrhundert“, so der Kommandant, 48 Jahre, war er in der Feuerwehr aktiv, als Gerätewart immer im Feuerwehrhaus präsent, ein fester Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen.

Kritik an Besteuerung

Ein echtes Problem sei die Besteuerung von Kameradschaftskassen, die auch schon vor einem Jahr auf der Agenda stand, hieß es auf der Hauptversammlung der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen. „Tun Sie alles, damit die Feuerwehr ihr Engagement weiterhin mit Freude ausüben kann“, wandte sich Bernd Merk, erster stellvertretender Vorsitzender der Kreisfeuerwehr, an die anwesenden Gemeinderäte.

Das Gesetz gilt seit 2021, die Kameradschaftskassen der Feuerwehren unterliegen damit als Sondervermögen gemäß Paragraf 18 des Feuerwehrgesetzes den gleichen Besteuerungsgrundsätzen wie sie für die Gemeinde selbst gelten. Auch Kommandant Frank Wallesch liegt „das Thema im Magen“: Die Besteuerung treffe auch das Wasser, das er nach dem Einsatz trinke, erklärte er – und könne langfristig dazu führen, dass das erfolgreiche dreitägige Feuerwehrfest vom letzten Jahr in der Form nicht mehr stattfinden könne.