Fest im Saschenheimer Schlosspark: Jungwinzer machen „Weindörfle“ zu „Wein am Schloss“

Das war 2007 auf dem Sachsenheimer „Weindörfle: Wengerter eröffnen das Fest mit den früher zur Vogelabwehr in den Weinbergen dienenden Rätschen. Auch bei der Neuauflage des Festes am Freitag kommen die Lärminstrumente zur Begrüßung zum Einsatz.
Helmut PangerlSachsenheim mit seinen Kirbachtalorten ist reich an Weingütern. Zu Beginn der Lese ist es für die Wengerter seit über 20 Jahren Tradition, jährlich den Menschen ihre eigens hergestellten Tropfen zu präsentieren, neue Sorten vorzustellen und sich in Gesprächen mit den Besuchern auszutauschen.
An diesem Freitag und Samstag, 8. und 9. September, ist es wieder soweit: Von 18 bis 24 Uhr heißen lokale Weingärtner im Großsachsenheimer Schlossgarten an neun Ständen mit Weinausschank Besucher aus nah und fern willkommen. Ein Bereich im Park ist auch mit Biertischgarnituren bestuhlt. Dazu gibt es drei Essensstände, etwa mit Wildspezialitäten vom Weingut Notz und Ofenflammkuchen von der Schneesportabteilung des TV Großsachsenheim. Am Freitag eröffnen Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich, die Württemberger Weinprinzessin Lisa-Marie Blatt und der Sprecher der Sachsenheimer Wengerter Josua Baumgärtner das Fest. Zu Beginn dürfen auch nicht die lauten Rätschen der Wengerter fehlen, die einst zur Vogelabwehr in den Weinbergen eingesetzt wurden, heute aber nur noch auf Festen zum Einsatz kommen.
Feiern vor Beginn der Traubenlese
Die Jungwinzer haben dieses Jahr die Organisation des losen Zusammenschlusses der Sachsenheimer Wengerter – Vertreter der Weingenossenschaft Stromberg-Zabergäu und neun private Weingüter – übernommen und das Fest, das bis 2022 „Weindörfle“ hieß, in „Wein am Schloss“ umbenannt. „Dafür haben wir ein neues Logo und neue Werbetafeln gestaltet“, berichtet Josua Baumgärtner, neuer Sprecher der Sachsenheimer Wengerter. Geändert wurde auch der Zeitpunkt des Festes, das sonst in die dritte Septemberwoche fiel, mitten in die Traubenernte. „Die meisten Weinbauern bei uns beginnen kommende Woche mit der Weinlese,“ erzählt der 26-jährige Jungwinzer.
„Angefangen haben wir als Sachsenheimer Wengerter 1995 mit den damaligen Weintagen in der Hohenhaslacher Kelter“, erzählt Reinhard Baumgärtner, der zusammen mit seinem Sohn Josua das Panoramaweingut Baumgärtner in Hohenhaslach betreibt und jahrelang Mitorganisator des Weindörfles war. Da aber nicht so viele Großsachsenheimer ins rund sieben Kilometer entfernte Hohenhaslach kamen, stand schnell der Schlosshof als Lokalität für ein Weinfest im Raum.
Auf Initiative der Unternehmerin Gisela Zimmermann, der Sachsenheimer Wengerter mit dem damaligem Sprecher Werner Kurz und der Wirtschaftsförderung der Stadt entstand einst die Idee eines gemeinsamen Stadtfestes. Seit 2000 fand das „Summer Special“ jährlich mit dem Kunst- und Handwerkermarkt, dem Weindörfle und dem verkaufsoffenen Sonntag vom Bund der Selbstständigen rund ums Wasserschloss statt und zählte neben dem Heimatfest zu einem der zwei Großveranstaltungen in Sachsenheim.
2019 zog sich Veranstalterin Gisela Zimmermann nach 20 Jahren vom Festbetrieb zurück und damit war auch das „Summer Special“ mit dem Kunst- und Handwerkermarkt im Schlosspark, zumindest in seiner bisherigen Form, Geschichte.
Das Weindörfle blieb aber nach der zweijährigen durch die Corona-Pandemie bedingten Pause bestehen, auch dank des „tollen Zusammenhalts und regelmäßigen, fruchtbaren Austauschs der Wengerter untereinander“, wie Reinhard Baumgärtner erzählt, und konnte in den weitläufigen Schlossgarten ziehen. Über den Standortwechsel sind die Winzer froh: „Oft war das Weindörfle im Schlosshof so voll, dass man kaum vom Fleck kam“, erinnert sich Baumgärtner. Und sein Sohn schwärmt von dem „wunderschönen Ambiente im Schlossgarten mit seinen alten, schattenspendenden Bäumen“. Die Besucherzahl sei natürlich stets wetterabhängig. „2022 war es ziemlich verregnet, was sich in den Besucherzahlen zeigte“, so Josua Baumgärtner. Dieses Jahr, für das „Wein am Schloss“, rechnen die Veranstalter bei dem angekündigten Traumwetter mit bis zu 1000 Besuchern.
Kostenloser Sammelbus
Das Auto kann übrigens zu Hause gelassen werden: An den Veranstaltungstagen fährt um 24 Uhr ein kostenloser Sammelbus Besucher in alle Stadtteile Sachsenheims. Für späte Nachtschwärmer gibt es noch den offiziellen Nachtbus N52 nach Hohenhaslach, Kleinsachsenheim und Bietigheim, der um 2.13 Uhr in der Kleinsachsenheimer Straße in Großsachsenheim startet.