Evangelische und Katholische Kirche im Kreis: „An Ostern durchstarten“

Die Cyriakuskirche in Bönnigheim.
Helmut PangerlWir sind froh, dass wir wieder durchstarten können – mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen“, sagt der evangelische Dekan Eberhard Feucht mit Blick auf Ostern und die gelockerten Corona-Vorgaben. „An der Maske und dem Abstand halten wir fest, zum Schutz der vulnerablen Gruppen“, sagt er. Familien könnten in den Gottesdiensten jedoch zusammensitzen. Auch der katholische Dekan Alexander König ist erleichtert: „In den Gottesdiensten müssen wir künftig keine Mindestabstände mehr einhalten. Das erleichtert die Planung im Vorfeld, in vielen Gemeinden fällt nun die Anmeldung zu den Gottesdiensten weg.“ In einzelnen Gemeinden im Dekanat würden die Mindestabstände über die Feiertage noch beibehalten, um dem Infektionsgeschehen Einhalt zu gebieten. König: „Jedenfalls bleibt in den katholischen Gottesdiensten die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen.“
„Wir freuen uns vor allem darüber, dass in den Gottesdiensten wieder gesungen werden kann“, sagte Feucht. Beim größten christlichen Fest des Jahres könne die Musik in diesem Jahr „der Klage wie der Hoffnung Raum geben“, sagt der Dekan. Das gemeinsame Singen verbinde und stärke, eine Wirkung, die das stellvertretende Singen der jüngsten Corona-Zeit nicht habe erzeugen können, so die Rückmeldungen aus den Gemeinden. An Ostern werde in Gemeinden des evangelischen Dekanats in diesem Jahr zwar keine große Passion aufgeführt werden, aber die Kantorei werde gemeinsam mit Instrumentalisten am Ostermontag Kantaten vortragen.
Auch König freut sich darüber, dass die Gläubigen wieder selbst singen dürfen: „Vor zwei Jahren durften wir in den Kirchen keine Gottesdienste feiern, vor einem Jahr konnten nur kleine Chöre die Osterlieder vortragen. In diesem Jahr dürfen alle wieder in das Halleluja einstimmen.“
Frisches Weihwasser
Das „katholische i-Tüpfelchen“ ist für König: „In der Osternacht werden die Becken an den Eingängen mit frisch geweihtem Weihwasser befüllt, nachdem wir seit Aschermittwoch 2020 kein Weihwasser mehr zum offenen Gebrauch anbieten konnten“, sagte König: „Ich denke, in der Osternacht werden viele Tränen aus Rührung fließen, der Verzicht dauerte nun sehr lange, die Fastenzeit von 2020 hielt bis heute an. Es wäre ein unfassbar fröhliches Osterfest, wenn wir nicht den furchtbaren Krieg in der Ukraine hätten und so viel Leid im Umfeld und den anderen Kriegs- und Krisengebieten.“
In Besigheim werden die evangelischen Gottesdienste künftig nicht mehr im Internet übertragen, im gesamten Kirchenbezirk werde es aber weiter beide Formate – in Präsenz und digital – geben. „Wir brauchen beides“, ist Eberhard Feucht überzeugt. Den Predigtbriefkasten mit der aktuellen Predigt werde es weiterhin sowohl digital auf der Homepage als auch vor Ort an der Besigheimer Stadtkirche geben.
Auch viele katholische Kirchen hätten nun eine Anlage installiert, um die Gottesdienste online übertragen zu können. „Ich merke aber bei vielen Kollegen, dass sie die Übertragungen den Profis in der Domkirche und im Fernsehen überlassen“, sagt König. Er ist davon überzeugt: „Die Freude, zusammen mit der Kirchengemeinde am Ort die Osterliturgie zu feiern, kann durch eine Übertragung lange nicht so emotional und bewegend ersetzt werden.“ Einzelne Gläubige hätten in den zurückliegenden Jahren den Vorteil der Fernsehgottesdienste entdeckt und herausgefunden, wie sie in verschiedenen Sendern nacheinander mehrere Gottesdienste anschauen können, um sich dann jene Predigt auszusuchen, die ihnen am besten zusagt.
„Kein ferner Gott“
In seiner Predigt will der evangelische Dekan darauf eingehen, dass Krisen wie die Pandemie, der Klimawandel und der Ukraine-Krieg „sensibler für die Verwundbarkeit des Lebens“, sagte Feucht. Diese Fragilität spiegele sich in der Leidensgeschichte der Bibel. Die Kreuzesbotschaft des Karfreitags sei erschreckend aktuell, sie zeige aber auch: „Gott ist kein ferner Gott“, sagte Feucht. Am Leiden könne man nicht apathisch vorbeigehen, sondern könne mit Spenden, Seelsorge und nachhaltigen Projekten wie Brot für die Welt helfen.
Dekan Alexander König will in der Predigt der Ölbotenmesse des Dekanats überlegen, was im Leben wichtig ist. Ausgehend von den enorm gestiegenen Ölpreisen bei Sonnenblumenöl und anderen Ölen will er die Frage stellen, warum Dinge erst dann kostbar werden, wenn es sie nicht mehr gibt. In der Osternacht sehen die katholischen Gläubigen das Misereor-Hungertuch mit dem Röntgenbild eines gebrochenen Fußes, der bei einer Demonstration für Menschenrechte zu Schaden kam. Seither steht die Frage im Raum: Wofür stehe ich auf und erhebe meine Stimme? Als Antwort will König ein Paar Socken aus dem Caritas-Shop mitbringen, auf dessen Bündchen steht: Ich stehe auf. Das findet König passend zum Ostergeheimnis der Auferstehung. Auf der Fußsohle ist zu lesen: Auf Vielfalt.