Erster Stockschützenverein Sachsenheim
: „Sigi“ geht noch lange nicht am Stock

In Hohenhaslach ist Siegfried Mocker auch mit fast 90 Jahren noch beim Ersten Stockschützenverein Sachsenheim aktiv – und will es auch weiterhin bleiben.
Von
Walter Christ
Sachsenheim
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Der fast 90-jährige Stockschütze Siegfried Mocker bekommt von seinen Vereinskollegen und -kolleginnen Applaus für seine Treffsicherheit.

/Martin Kalb

Graue Tristesse am Himmel. Es nieselt und es ist nasskalt. Schmuddelwetter hin oder her: Ein Dutzend Stockschützen, elf Männer und eine Frau, denkt nicht im Traum daran, dem geliebten Sport nicht zu frönen. Stock um Stock flitzt gute zwei Stunden lang an der Bühlgasse über die zwei Bahnen. Auf dem Täfelchen wird akribisch addiert. Die Stimmung an diesem März-Nachmittag ist wieder einmal richtig gut.

Und das trifft ganz besonders auf den Senior des Stockschützenvereins Sachsenheim, Siegfried Mocker, zu. Am 18. März hat er 90 Jahre auf dem Buckel. „Sigi“ ist fit wie ein Turnschuh – er geht vermutlich noch lange nicht am Stock.

Vier-Kilogramm-Stöcke

Allerdings hat der waschechte Kleinsachsenheimer mit Vier-Kilogramm-Stöcken, die man inzwischen auch auf Asphalt „schleudern“ kann, jede Menge am Hut. Er gehört seit dem 28. April 1997 zu den Vereinsmitgliedern, ist seit dem 1. Januar 2016 Ehrenmitglied und somit seit 27 Jahren ununterbrochen bei der heute 64 Mitglieder und davon 36 Aktive zählenden kleinen, aber ausgesprochen harmonischen Sportler-Gemeinschaft voll dabei. Er war maßgeblich am Bau des Clubheimes beteiligt, und, und, und.

Die Affinität des bescheidenen Oldies und ehemaligen Mechanikers bei Kienle und Spiess für die Stockschießerei hat auch er dem aus Österreich stammenden Experten Bernhard Wycisk zu verdanken. Er hatte den Fußballern des TSV Kleinsachsenheim, für den Mocker zusammen mit Assen wie Helmut Xander aktiv als Verteidiger gekickt hatte, diesen hierzulande eher exotischen, inzwischen aber von Australien bis in den Kongo zunehmend beliebteren Sport schmackhaft gemacht und dazu 1974 auch zehn Eisstöcke aus Holz mitgebracht.

„Jeweils im Winter, wenn der Hohenhaslacher See zugefroren war, organisierte Wycisk mit Freunden und Bekannten ein Schießen auf dem idyllisch gelegenen See. Spaziergänger wurden spontan eingeladen, sich am Treiben zu beteiligen“, erinnert Vereinschef Volker Wissing an die Anfänge. Bei einem Kindergarten-Festle war die Idee dann bereits so weit gediehen, dass am 6. April 1997 in der Vereinsgaststätte des TSV Kleinsachsenheim tatsächlich auch offiziell ein Verein gegründet wurde.

Mit viel Eifer dabei

Mit Eifer mittendrin auch Siegfried Mocker, der alsbald die Balltreterei samt ein wenig Tennis an den Nagel hängte und fortan dafür auf andere Weise zu schießen beliebte. Zunächst war das also auf dem Hohenhaslacher See, dann auf einem Parkplatz am ehemaligen Militärflugplatz-Gelände am Eichwald und ist schließlich bis dato auf der Anlage vis-à-vis des SC-Hohenhaslach-Sportplatzes unterhalb von Weinbergen der Fall. Ein wenig ist Stolz bei dem verheirateten Vater eines Sohnes vernehmbar, als er erzählt, dass er einmal gar Vereinsmeister wurde und bis heute aktiv an vereinsinternen Meisterschaften teilnimmt. „Immer wieder bin ich auch an den Trainingstagen Mittwoch, Samstag und Sonntag dabei“, freut sich der Altersjubilar über seine Fitness, die er sich übrigens nach wie vor zweimal die Woche auch im Großsachsenheimer Sportpark holt.

Schon ein bisschen breiter grinst er dann, als er sich daran erinnert, wie ihn ein SSV-Sportkamerad einmal erstaunt fragte, wie er denn bloß diesen und jenen Schuss „schon wieder so meisterlich hingekriegt“ habe.

Geburtstag wird groß gefeiert

Der 89-Jährige ist im Klub geachtet. „Sigi kann man fragen, was und wann man will: Er würde nie eine Bitte abschlagen. Und er kann auch noch erstklassig Bäume schneiden“, freut sich ganz besonders SSV-Vorsitzender Volker Wissing über das wichtige Vorzeige-Mitglied und dessen vielfältige Verdienste. Den 90. Ehrentag feiert der Sportsmann „groß“, sagt er, mit seiner Familie und Freunden; die Schützen-Kameraden sind ihm dann ein Extra-Fest wert.

Beim 1. SSV fühlt er sich offensichtlich pudelwohl, schätzt die Kameradschaft, „des Schwätza“ und insbesondere die Bewegung in frischer Luft gegenüber manch rauchigen Kegelstuben. Ans Aufhören denkt er überhaupt nicht. „Ich mache hier und im Sportpark so lange, wie es gesundheitlich geht, einfach weiter“, blickt der sympathische alte Mann bereits auf die nächsten Vereinsmeisterschaften, bei denen er „ganz klar“ dabei sein werde.

Und da ist er, wie sein mit Applaus honorierter Demonstrationsschuss während des Besuchs der BZ demonstrierte, sehr wohl noch mit Schwung in der Lage, die Stöcke der Jungspunde vom Dauben-Platz weg zu rammen.

Info

Am 27. April findet an der Bühlgasse ab 10 Uhr ein Frühlings-Jedermann-Turnier statt. Teilnehmer sind herzlich willkommen.