Erster Integrationsbericht im Landkreis Ludwigsburg: Die Hälfte der Zuwanderer kommt aus EU-Staaten

Ein Deutschkurs für Ausländer mit Kursleiterin Katrin Held im Jahr 2015.
Martin KalbAls „strategische Orientierungshilfe“ versteht Dr. Alexandra Diener, die Integrationsbeauftragte des Landkreises, ihren vor Kurzem vorgelegten Integrationsbericht. Er analisiert den Stand der Integration und gibt Handlungsempfehlungen. Dazu hat Diener intensiv Statistiken herangezogen, um den Umfang der Zuwanderung in den letzten Jahren darzustellen.
Durch die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 war der Blick vor allem auf das Thema Asyl gerichtet. „Seit 2014 wurden dem Landkreis Ludwigsburg insgesamt 11 549 Asylbewerber vom Regierungspräsidium Karlsruhe zur Unterbringung zugewiesen“, stellt die Integrationsbeauftragte fest. „Die meisten Zuweisungen kamen im Jahr 2015 mit 3781 Personen, gefolgt von 3136 Personen im Jahr 2016. Seitdem sind sie stark zurückgegangen.“ Im Jahr 2019, bis zu dem die Statistik im Integrationsbericht zumeist reicht, wurden dem Landkreis Ludwigsburg 683 Asylbewerber zugewiesen. Insgesamt lebten im Jahr 2019 5750 Flüchtlinge im Kreis.
Die Haupt-Herkunftsländer der Asylbewerber (von Anfang 2015 bis Ende 2019) waren (in dieser Reihenfolge) Syrien, Afghanistan und der Irak, gefolgt von Nigeria, Gambia, der Türkei, dem Iran, Pakistan, Eritrea, Kosovo und Somalia. Ein Teil von ihnen wurde auch wieder zurückgeführt – in den Jahren 2015 bis 2019 zusammen 750 Menschen. Ein kleiner Teil ging freiwillig, so im Jahr 2019 insgesamt 59 Personen. Die freiwilligen Rückkehrer erhielten eine finanzielle Förderung.
Viele Zuwanderer aus Rumänien
In der Migrationsstatistik bilden die via Asyl Eingereisten mit 5,6 Prozent allerdings nur einen kleinen Teil der ausländischen Bevölkerung, deren Gesamtzahl im Kreis sich 2019 auf 102 705 Personen belief (18,2 Prozent). „Die vier am häufigsten gezählten Staatsangehörigkeiten können als Länder identifiziert werden, aus denen mehrheitlich sogenannte ehemalige Gastarbeiter stammen“, so Alexandra Diener. Die Statistik dieser Länder wird von der Türkei angeführt, gefolgt von Italien, Kroatien und Griechenland.
Betrachtet man nur die Neuzugewanderten in den Jahren 2015 bis 2019, so ist folgender Trend auszumachen: An der Spitze liegen Rumänen, gefolgt von Kroaten, Italienern, Polen und Bulgaren. Auch wenn diese Zuwanderung aus dem EU-Ausland zuletzt nachgelassen hat, so macht sie doch inzwischen mehr als die Hälfte der hier lebenden Ausländer aus: Von 102 705 Ausländern im Jahr 2019 genossen 54 040 Freizügigkeit nach EU-Recht. Erklärbar sei das mit der Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für osteuropäische EU-Staaten im Jahre 2011, so Alexandra Diener.
Sie folgert daraus, dass der Fokus der integrativen Arbeit im Landkreis angesichts der hohen Zahlen von Neuzugewanderten aus EU-Staaten zukünftig auf diese Gruppe zu erweitern sei. „Dazu gehört, bereits bestehende Angebote für Geflüchtete dieser Gruppe zu öffnen, Angebote an Bedarfe der Gruppe anzupassen und neue Angebote speziell für EU-Neuzugewanderte zu konzeptualisieren und durchzuführen.“
40-Prozent-Anteil in Kitas
Zur Erleichterung der Intergration finden unter anderem Integrationskurse statt, bei denen die Teilnehmerzahl im Jahr 2016 mit 2317 am höchsten war. Darauf aufbauend gibt es Sprachkurse. Wie aus dem Integrationsbericht hervorgeht, ist hier die Erfolgsquote durchaus unterschiedlich: Sie reicht von 9 bis 91 Prozent.
Herausforderungen ergeben sich unter anderem für den Kindergarten- und Schulbereich. So hat sich laut Diener im Kita-Bereich seit Jahren ein Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, ermittelt durch die ausländische Herkunft mindestens eines Elternteils, von etwas über 40 Prozent eingependelt. Auch an den Schulen hat der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund zugenommen. Betrug ihr Anteil im Schuljahr 2014/15 noch 23,3 Prozent, waren es 2018/19 29,3 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil an den Haupt- und Werkrealschulen: Hier beträgt er 63 Prozent. An den Gymnasien sind es hingegen 14,7 Prozent. Insgesamt sei in allen Schularten ein Anstieg von Schülern mit Migrationshintergrund zu erwarten, so die Integrationsbeauftragte.