Erligheim
: „Viel Zeit ist Beobachtung“

Siegfried Bähr ist seit 1980 Jagdpächter der Gemeinde Erligheim.
Von
Corinna Müller
Bönnigheim
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Siegfried Bähr hat eine Jagd gepachtet, die sich über 517 Hektar Fläche erstreckt.

/Corinna Müller

Den Blick aufmerksam in die Ferne gerichtet, lehnt Siegfried Bähr an der Erligheimer Weinkanzel und deutet ins Tal. „Ich kenne hier jede Markungsgrenze und jeden Strauch“, schmunzelt der Jäger, der seit 1980 Jagdpächter der Gemeinde Erligheim ist. Im Frühjahr wurde der Vertrag für die Erligheimer Jagdgemeinschaft, zu der auch Bernd Bothner zählt, von der Gemeinde um neun Jahre verlängert. „Schon mein Vater, der aus Mecklenburg stammte, hatte immer von der Jagd geschwärmt“, erinnert sich Bähr, „das hatte mich seit jeher fasziniert.“

Nun berichtet Siegfried Bähr von den individuellen Gewannen der Weinberge und Wiesen, von Feldrehen, die hier im Sommer Schutz finden und vom „schönsten Biotop, dem Unteren Vogelsang, in dem im Sommer alles bunt und üppig blüht“. Die Naturverbundenheit ist dem Jäger anzumerken, der bereits 1985 mit der Jägerschaft das ein Hektar umfassende Feuchtgebiet für Biotopmaßnahmen im Riedtal angelegt hat. „Dort gibt es jetzt eine große Vielfalt an Flora und Fauna“, freut er sich.

Jagdrevier umfasst 517 Hektar

Acht Monate lang hatte er einst auf seine Jägerprüfung hingearbeitet und wie jeder Jungjäger drei volle Jahre warten müssen, bis er eine Jagd pachten konnte. Nun umfasst die bejagbare Fläche in Erligheim 517 Hektar, rings um den Ortskern, begrenzt durch die Gemarkungen Bönnigheim, Hofen, Löchgau und Freudental.

„Mit diesen Nachbarorten plus Walheim haben wir die Hegeringgemeinschaft Schalkstein zu revierübergreifenden Maßnahmen“, schildert Bähr. Dabei zählt das Anlegen von Wildäckern im Wald mit verschiedenen Wildkräutern, um das Rehwild von den Jungbäumen abzulenken. In Absprache mit den Landwirten werden außerdem Blühstreifen am Ackerrand eingesät, um Rehen und Feldhasen „Äsung und Deckung“ sowie Schutz vor Marder, Wiesel und Dachs zu bieten.

Doch inzwischen sind auch die Waschbären als invasive Art problematisch. Sie räubern die Bodenbrüter und klettern auf Bäume, um die Nester zu plündern. „Sie reduzieren unsere heimischen Singvögel“, sorgt sich Bähr. Trotzdem haben die vielschichtigen Hegemaßnahmen Erfolg. „Die Hasenpopulation hat zugenommen und wir haben mehrere Rebhühner gesichtet.“ Besonders freut Bähr jedoch, dass in diesem Jahr das erste Fasanenpaar entdeckt wurde. Gejagt wird in Erligheim als Wildbret ausschließlich Reh und Schwarzwild. „Beides ist notwendig“, erklärt Bähr. Bei zehn Ricken gäbe es hochgerechnet in drei Jahren achtzig Rehe, die vornehmlich die jungen Bäumchen, ihre Triebe und Knospen abfressen. Die Rehböcke würden außerdem an den Bäumen „fegen“, wie es in der Jägersprache heißt. „Sie reiben die abgestorbene Basthaut ihrer Geweihe an den jungen Bäumen ab oder markieren daran, sodass zahlreiche Bäume und Sträucher absterben“. Natürliche Feinde gibt es in Deutschland nicht mehr, und selbst ein einzelner Wolf wäre nicht in der Lage, das biologische Gleichgewicht herzustellen.

200 Mal pro Jahr im Revier

Die temporär vorkommenden Wildschweine machen sich insbesondere in den Mais- und Getreidefeldern zu schaffen. Sie wühlen, drücken den Mais großflächig um und fressen die Kolben. Manche der Tiere werden daher erlegt, um die oft gewaltigen Schäden zu dezimieren. „Da sie nachtaktiv sind, ist ein Nachtansitz erforderlich“, sagt Bähr und meint damit das Warten in der Dunkelheit. Der Jäger hält sich rund zweihundertmal pro Jahr in seinem Revier auf; nur etwa 15 Prozent davon ist er wirklich zur Jagd unterwegs. „Viel Zeit ist einfach Beobachtung“, lacht der Naturfreund und zeigt sein Fernglas, das er, genauso wie sein Gewehr, im Revier immer mit sich trägt. „Man weiß nie, ob man es wegen eines verletzten Tieres benötigt.“

Wildkrankheiten gibt es in Erligheim jedoch keine. „Diese Landschaft hier ist mit ihrer gesamten Vielfalt, ihrem Wald, den Feldern, Weinbergen und brachliegenden Flächen ein tolles und vielseitiges Revier“, begeistert sich der Jäger. Und am Hochsitz im Riedtal ist er sich sicher: „Würde man hier durch die Wiese gehen, würde garantiert irgendwo ein Hase aufspringen.“