Energie im Landkreis Ludwigsburg: „Platz ist die neue Währung“

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Südwest PresseWenn heute über erneuerbare Energien nachgedacht wird, spielen Wärmespeicher eine große Rolle, sagte der Projektleiter Wärmewende bei der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA), Raphael Gruseck auf BZ-Anfrage.
Um Wärme zu speichern, kann man Wasser von einem niedrigen Temperaturniveau auf ein höheres erhitzen. Je mehr, desto mehr Wärme kann gespeichert werden. Und je größer das Volumen, desto geringer sind auch die Wärmeverluste.
Das Ziel: Große Speicher
Mittlerweile ist es das Ziel, so große Speicher zu verwenden, dass zum Beispiel Blockheizkraftwerke oder Solarthermie-Anlagen wie die der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim effizient arbeiten können: Sind Wärme- und Strombedarf hoch, wird das Netz direkt beliefert. Wird aber nur wenig Wärme benötigt, speist die Anlage den Strom ins Netz und die Wärme in den Speicher.
„Man spricht von Multifunktionsspeichern“, sagt Gruseck: Denn sie sorgen für eine größere Flexibilität und einen höheren Wirkungsgrad bei der Energieerzeugung, indem sie Spitzen abfedern. Der große Speicher der Solarthermie-Anlage in Ludwigsburg umfasst 2400 Kubikmeter, rund 2,4 Millionen Liter Wasser. Damit lasse sich die solar erzeugte Wärmeenergie für eine spätere Nutzung puffern und auch das angeschlossene Holzheizkraftwerk kann effizienter betrieben werden. Der Pufferspeicher, der für die Solarthermie-Anlage in Freudental entsteht, hilft, die Solarenergie nachts und an trüben Tagen zur Verfügung zu haben.
Bei den Wärmespeichern unterscheidet man oberirdische Stahlbehälter, die die Wärme nur für kurze Zeit speichern können. Unterirdische saisonale Speicher speichern die solare Wärme des Sommers über mehrere Monate für den Winter. „Perspektivisch wird es in Zukunft immer mehr saisonale Wärmespeicher mit einem hohen Wirkungsgrad geben“, ist Gruseck überzeugt. In Tamm werde bereits über einen solchen Speicher nachgedacht.
Wie in einer riesigen Thermoskanne wird zum Beispiel bei einem Erdbeckenspeicher Wasser in großen Becken auf 90 Grad Celsius erhitzt. Ein halbes Jahr später betrage die Temperatur dann immer noch 85 Grad Celsius. „Das muss man groß denken, das kann man aufgrund der Physik nicht effizient im Kleinen machen“, ist Gruseck überzeugt. In Dänemark wird die Technik, die für Wärmenetze eine große Flexibilität mit sich bringe, im großen Stil bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Derzeit werde der erste große Erdbeckenspeicher in Deutschland in Meldorf in Schleswig-Holstein gebaut. Saisonale Speicher gibt es in Baden-Württemberg bereits in Crailsheim, Neckarsulm und Eggenstein bei Karlsruhe.
Aber brauchen Solarthermie-Anlagen nicht viel Platz? „Flächen sind die neue Währung im Energiesektor“, sagt Gruseck. Dennoch hält er den Bedarf für vergleichsweise klein. „Würden wir 50 Prozent des Wärmebedarfs im Landkreis mit Solarthermie decken wollen, bräuchten wir für die Kollektoren und den Speicher, der etwa ein Zehntel der Fläche ausmacht, insgesamt ein Prozent der Fläche des Kreises“, sagt Gruseck. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 seien 22,5 Prozent der Fläche mit Siedlungen bedeckt, 2020 waren es bereits 25 Prozent. „Wenn wir ein Prozent für nachhaltige Wärmeflächen verwenden, sind wir weitgehend unabhängig von fossilen Energieimporten und haben eine dauerhaft günstige und preisstabile Wärmeversorgung.“
Flächen sinnvoll nutzen
Neben dem Klimaschutz zeige die aktuelle Energiekrise, „wie groß die Vorteile einer solchen Wärmeversorgung sind“, sagt Gruseck. Zumal die Flächen für Solarthermie-Anlagen nicht versiegelt werden müssten, sondern ökologisch hochwertig Blühwiesen genutzt werden könnten.
„Viele Kommunen beschäftigen sich mit dem Thema und sehen den Flächenbedarf als Herausforderung“, sagt der LEA-Projektleiter. Auch die Regionalplanung sei dabei gefragt. Denn während diese im Kreis Heilbronn-Franken den Kommunen in Bezug auf Solarthermie-Anlagen nichts vorschreibe, sei die Lage in der Region Stuttgart „maximal reglementiert“, sagt Gruseck.
Im Gegenzug profitiere der Kreis davon, dass es bereits in jedem zweiten Ort schon ein Wärmenetz gebe. „Das gibt einen Vorsprung, weil Wärmenetze heute schon erlebbar ist“, sagt Raphael Gruseck.