Eishockey: Dezimiertes Team punktlos in Kassel

Cole MacDonald (links) geen Yannik Valenti.
/IMAGO/Peter HartenfelserFür ihr Gastspiel in Kassel kehrten die Steelers am Sonntag dorthin zurück, wo sie vor rund zweieinhalb Jahren ausgelassen gejubelt hatten: In Herzschlag-Playoffs drehten sie damals die Finalserie gegen die Huskies zu ihren Gunsten und schnappten sich die Meisterschaft mitsamt erstem sportlich geregeltem Aufstieg seit 2006.
„Das tut immer noch weh. So knapp am Aufstieg zu scheitern, ist bitter. Die Huskies haben mit den Steelers noch eine Rechnung offen. Ich denke, es wird ein hart umkämpftes Spiel“, meinte der verletzte Kasseler Stürmer Lois Spitzner vor dem Anpfiff.
Ausgangslage unterschiedlich
Die Ausgangslage hätte unterschiedlicher kaum sein können: Nach zwei Jahren Oberhaus haben die Steelers nach der Niederlage gegen die Eisbären Regensburg am Freitagabend die rote Laterne in der zweiten Liga übernommen. Der überlegene Klassenprimus der vergangenen DEL2-Hauptrunde aus Kassel war zwar auch nicht so dominant gestartet wie erwartet, hatte durch den jüngsten 4:1-Erfolg gegen die Selber Wölfe jedoch ordentlich Selbstvertrauen getankt und grüßte vom dritten Tabellenplatz.
Zwei Jahre nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte wandelte sich die Nordhessen Arena für den SCB in einen Ort der Lehrstunde. 8:3 hieß es am Ende und das, obwohl die Steelers zwischenzeitlich geführt hatten. Doch nach einer turbulenten Anfangsphase verloren die Gäste aus dem Ellental den Faden.
Der Ausfall von u.a. Ryon Moser, Lewis Zerter-Gossage und Brett Welychka schmerzte sie besonders. Im Angriff begannen Jack Doremus, Ryan Gropp sowie Jackson Cressey als Center. Die in ungewohnten hellblau-weißen Trikots auflaufenden Steelers waren noch nicht sortiert, da klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Olafr Schmidt, der den Vorzug vor Leon Doubrawa erhalten hatte. Auf Zuspiel von Joel Lowry war Carson McMillan zur Stelle und versenkte nach nur 27 Sekunden zum 1:0 für die Huskies. Die Kasseler machten ordentlich Druck als sich Cressey die Scheibe schnappte und nach einem Sololauf kaltschnäuzig an Goalie Philipp Maurer vorbeischob. In Unterzahl hatten die Steelers ihre erste Chance zum Tor genutzt. Dann dauerte es gerade mal gut zwei Minuten, bis Jack Doremus die Partie gedreht hatte: Fast wie eine Kopie des Ausgleichstreffers flitzte der Neuzugang mit dem Puck von der eigenen Hälfte schnurstracks über das Feld und schoss ihn ins Kasseler Gehäuse. Die Freude darüber währte aber nicht mal eine Minute, ehe Tristan Keck mit seinem zweiten Saisontor wieder einen Gleichstand herstellte.
In den ersten zehn Minuten wirkte es, als könnten die Steelers ein ebenbürtiger Gegner sein, beraubten sich dieses Status durch zu viele Zeitstrafen aber selbst. 17 Minuten werden sie am Ende in Unterzahl gespielt haben – eine Einladung, die Kassel nicht ausschlagen konnte. „Das Spiel ist sehr wild. Wir haben unglaublich viele Strafen bekommen und Kassel hat genügend Qualität, das auszunutzen. Wir müssen hinten besser stehen, vorn Chancen kreieren und wollen auf jeden Fall Punkte mitnehmen“, sagte Kapitän Pascal Zerressen in der Pause nach dem ersten Drittel beim Stand von 5:2 für die Heimmannschaft. Da hatten die Steelers sogar noch Glück, dass die Huskies bei ihrem Chancen-Plus nicht noch häufiger zugebissen hatten.
Sekunden nach Wiederanpfiff 6:2
Aus den guten Vorsätzen der Steelers wurde jedoch nichts. Per Direktabnahme erzielte Yannik Valenti nur Sekunden nach Wiederanpfiff das 6:2 für die Hessen. Statt Heranpirschen verschob sich die Bietigheimer Mission in Richtung Schadensbegrenzung.
Das muntere Schützenfest ging weiter: Während der fünfminütigen Unterzahl aufgrund eines Ellenbogen-Checks von Arkadiusz Dziambor traf Valenti zum 7:2. Die Steelers liefen nun Brandgefahr, zweistellig unter die Räder zu kommen. Sie sendeten ein Lebenszeichen, als Youngster Alex Samusev auf 3:7 verkürzte. Den Schlusspunkt der unerwartet torreichen Partie setzten die Hausherren, die mit ihrem strukturierten Spiel und selbstbewussten Auftritt ihre Ansprüche auf die Meisterschaft untermauerten.
Dean Fedorchuk, Trainer der Bietigheim Steelers
„Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Wir haben ohne sieben unserer besten Spieler gespielt. Unsere jüngeren Spieler konnten Erfahrung mit ihrer Rolle im Team sammeln. Die Mannschaft ist positiv geblieben und hat sich untereinander unterstützt. Für die kommenden Partien hoffe ich, dass sie gesund sind.“