Einzigartige Einrichtung im Landkreis Ludwigsburg
: Bärenfamilie kümmert sich um schwerkranke Kinder

Die Einrichtung Bärenfamilie in Kornwestheim ist die einzige ihrer Art im Landkreis Ludwigsburg und kümmert sich seit 2020 um schwerkranke Kinder, die intensivmedizinisch betreut werden müssen.    
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Einrichtungsleiter Gianluca Minucci behandelt gerade Taim.⇥

Oliver Bürkle

Wenn Kinder aufgrund einer schweren Krankheit daheim nicht versorgt werden können, finden sie bei der Bärenfamilie GmbH in Kornwestheim ein neues Zuhause. Die einzige Einrichtung im Kreis, die sich um die Intensivpflege von Kindern und Jugendlichen kümmert, kann 15 Bewohner aufnehmen – in der Kurzzeitpflege oder bis sie 18 Jahre alt sind. Die Einrichtung wurde 2020 eröffnet, inzwischen leben dort sieben Kinder.

„Wir haben viel Action hier“, sagt Tamara Diel, die als Projektleiterin für die Einrichtungen der Bärenfamilie in Ulm und Kornwestheim zuständig ist. Backen, Ausflüge und Spaziergänge stehen regelmäßig auf dem Programm. „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr in die Wilhelma nach Stuttgart können“, sagt sie. Und in der Einrichtung? „Bei uns geht es knallbunt zu“, beschreibt Diel die Gestaltung der Räume.

Um die medizinische Versorgung der kleinen Patienten kümmern sich examinierte Pflegerinnen und Pfleger im Dreischichtbetrieb, wobei es für Eltern und Kinder immer eine feste Bezugsperson gibt. Mit einem Betreuungsschlüssel von einer Fachkraft für drei Kinder sei die Situation im Vergleich etwa zu einem Altenheim „deutlich entspannter“, sagt Diel.

Das Angebot der stationären Kinderpflege, das es bereits an acht Standorten in Deutschland gibt, wird bei der  Bärenfamilie durch ein Konzept der frühkindlichen Entwicklungsförderung ergänzt. Pädagogische Mitarbeiter organisieren Einzel- und Gruppenangebote, auch externe Therapeuten wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden kommen in die Einrichtung.

Bewegung und Entspannung

„Bei uns bleibt kein Kind bleibt im Bett“, sagt Tamara Diel und erzählt von einem Mädchen, das zwar nicht laufen könne, sich aber begeistert auf einem Bobby-Car fortbewege. Auch mit Rollstuhl, Buggy oder Sitzschale werden die jungen Bewohner mobil gemacht. Eine Bewegungslandschaft lädt die Kinder mit Lichteffekten und Musik zur Bewegung und Entspannung ein.

Manche der Kinder bleiben nur vorübergehend in der Einrichtung, etwa, wenn das Kind bei einem Unfall verletzt wurde und die Familie sich nun erst einmal auf die neue Situation einstellen muss. „Wir begleiten die Eltern von Anfang an“, sagt Projektleiterin Diel. Auch wenn die Erfahrungen mit Unfällen und Krankheiten nicht schön seien, eines ist ihr wichtig: „Die Kinder haben genauso einen Anspruch auf Leben wie wir.“ Und das möchte sie auch nach außen zeigen. Wenn die Eltern etwa beim Laternenlauf durch die Stadt mitgehen, schenke das auch ihnen ein Stück Normalität.  „Uns ist es wichtig, dass die Eltern regelmäßig zu Besuch kommen“, sagt Diel.

Gemeinsame Rituale

Sie ist immer wieder erstaunt darüber, wie viel offener und freier die Kinder miteinander umgehen. „Es ist schön zu sehen, mit welcher Leichtigkeit das passiert.“ Die Gruppe in Kornwestheim ist dabei zu wachsen, dort habe es bisher keine Wechsel gegeben – noch sei kein Kind ausgezogen oder verstorben. Tamara Diel, die diese Erlebnisse aber aus anderen Gruppen kennt, erklärt, dass es für die anderen Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsame Rituale mit Stofftieren und einer Trauerfeier gebe.

„Im Arbeitsalltag ist es schön die Entwicklung der Kinder zu sehen“, sagt Diel, wie sie wachsen, lernen sich auf den Bauch zu drehen oder Brei zu essen. Eines der Kinder in Kornwestheim lerne gerade ein Tablet zu bedienen, ein anderes werde demnächst eine Schule besuchen.

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