Einwohnerversammlung Freudental: Gemeinde muss „Tafelsilber“ verkaufen

Nur wenige Fragen hatten die Freudentaler bei der recht harmonischen Einwohnerversammlung am Dienstagabend, mit den Themen Unterbringung von Flüchtlingen und Starkregengefahrenkarte für die Gemeinde.
/Martin KalbAktuell sind in Freudental 60 Asylsuchende aus verschiedenen Ländern und 20 ukrainische Flüchtlinge untergebracht, dezentral in der Gemeinde verteilt, erklärte Bürgermeister Alexander Fleig in der gut besuchten Einwohnerversammlung am Dienstagabend in der Schönenberghalle. Die Aufnahmeverpflichtung gehe weiter, elf weitere Asylsuchende muss die Gemeinde in diesem Jahr aufnehmen. Bei den ukrainischen Flüchtlingen habe Freudental sein Soll übererfüllt, so Fleig.
„Die elf zusätzlichen Flüchtlinge 2024 werden wir hinbekommen“, versicherte der Bürgermeister, dann aber sei der Bedarf an Wohnungen in Freudental ausgereizt. Es gebe zwar noch die Schönenberghalle als Notunterkunft, diese Nutzung sei allerdings nur noch für ein Jahr geduldet. Fleig: „Wir brauchen hier im Ort mittelfristig einen Containerstandort.“
Doch die Flächen, die der Gemeinde gehören, seien sehr begrenzt. Zwei Standorte seien untersucht worden: Auf dem Parkplatz Birkenwald sind zwei Varianten möglich mit zehn beziehungsweise 14 Containern, in denen zwischen 18 und 28 Personen, bei einem doppelstockigem Ausbau bis zu 56 Personen, untergebracht werden können.
Eine weitere Möglichkeit für zwölf Container – einer für die Technik, und elf für 22 Personen – sei der Grävenitz-Spielplatz, der „sicherlich Priorität haben wird“, wie Fleig anmerkte. In der Sitzung am 20. März werde der Gemeinderat darüber diskutieren, dazu gehören die Kostenermittlung, die baurechtlichen Abwägungen sowie die „Beeinträchtigung der Angrenzer“.
„Wir werden es sauber abarbeiten“, versicherte der Bürgermeister in der Einwohnerversammlung. Er hofft, dass in diesem Jahr die Planungen und die Erschließung fertig gestellt werden können. Idealerweise stünden dann 2025 die notwendigen Plätze zur Verfügung. „Es ist mir wichtig, dass wir dies als gemeinschaftliche Aufgabe in Freudental hinbekommen“, appellierte er an die Freudentaler Bevölkerung.
Auf den Hinweis aus der Einwohnerversammlung auf die hohe Verschuldung der Gemeinde und auf die Frage, wie diese Containeranlage finanziert werden solle, wurde der Bürgermeister deutlich. Zum einen komme die hohe Verschuldung durch den vorangetriebenen Ausbau der Nahwärmeversorgung. Bei dieser sei es ihm aber nicht bange, so Fleig, schließlich stünde den Schulden ein hoher materieller Gegenwert dagegen. Anderes sehe es bei der Verschuldung des Haushalts der Gemeinde aus. Ein Großteil dieser Verschuldung in den vergangenen fünf Jahren komme durch die Anschlussunterbringung, sagte er, und er verwies auf den Kauf von Wohnungen und Gebäuden für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Die notwendigen Finanzmittel für die Containeranlage müssten durch den Verkauf von zwei gemeindeeigenen Grundstücken aufgebracht werden, wissend, dass es sich dabei „um das Tafelsilber der Gemeinde“ handle, so Fleig.