Ein Sohn der Stadt Marbach
: Der Marbacher Mayer und der Mond

Tobias Mayers 300. Geburtstag feiert die Stadt Marbach an diesem Freitag. Er ist der zweite große Sohn der Stadt, doch nur wenige wissen von seinen Verdiensten.
Von
Gabriele Szczegulski
Ludwigsburg
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Für Rainer Abbenseth (links) und Armin Hüttermann hat sich der Marbacher Sohn Tobias Mayer

/Oliver Bürkle

Wäre Tobias Mayer nicht schon mit 39 Jahren an Typhus gestorben, dann müsste unser Museum sicher viel größer sein aufgrund seiner großen Bedeutung“, sagt Armin Hüttermann, der das Tobias-Mayer-Museum und den -Verein 30 Jahre lang leitete. Am 17. Februar 1723 wurde Mayer in Marbach in der Torgasse 13 geboren – das Haus steht noch immer und darin war jahrelang das Museum untergebracht, bis 2018 in einem neuen Anbau die Ausstellungsfläche vergrößert werden konnte.

Tobias Mayer – über Marbach hinaus ist er wenig bekannt. Was sind seine Verdienste? „Der Mann, der nie studiert hat, aber Professor in Göttingen wurde, hat sich vor allem um die Positionsbestimmung, beispielsweise für die Schifffahrt, und die detaillierte Vermessung des Mondes verdient gemacht“, sagt der heutige Vorsitzende des Tobias-Mayer-Vereins, Rainer Abbenseth. „Man mag sich nicht ausdenken, was er noch alles gemacht hätte, da er schon so jung so viel Neues entdeckte“, so Hüttermann.

Von der Neugier getrieben

Mayer war ein Perfektionist. Ihn trieb die Neugier, die Wissenschaft war ihm nicht präzise genug. Er war ein Tausendsassa, denn er untersuchte viele mathematisch-naturwissenschaftliche Fragen: in der Kartografie, dem Festungsbau, der Farbenlehre, dem Magnetismus. Er entdeckte 998 Sterne, erstellte einen Fixsternkatalog und entwickelte viele Winkelmessinstrumente. „Ich glaube, er wollte einfach vieles für die Menschen einfacher machen, das war sein Antrieb“, so Abbenseth. „Er war Praktiker, er sah ein Problem und wollte die Lösung“, so Armin Hüttermann.

Nach Esslingen gezogen

Tobias Mayer stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Die Familie zog bald nach Esslingen. 1731 starb sein Vater, Tobias zog in ein Waisenhaus. Sechs Jahre später starb seine Mutter. Seine Lehrer bemerkten seine Begabung, er wurde vom Bürgermeister gefördert, und kam in die Lateinschule. Nur studieren konnte er nicht, das konnte sich der Magistrat nicht leisten.

Und so machte Mayer es, wie er es immer machte: Als Kind von fünf Jahren hatte er sich Lesen und Schreiben selbst beigebracht, also bildete er sich mit eigener Kraft weiter. Er zeichnete den ersten Stadtplan von Esslingen, das Vermessen wurde ihm zur Leidenschaft. „Er war, heute würde man sagen, hochbegabt“, so Mayer-Kenner Hüttermann. Sein erstes Buch, über die Geometrie, veröffentlichte er mit 18. Mit 22 Jahren zog er nach Augsburg zu seinem Bruder, dort schrieb er ein Buch zum Festungsbau und zur Mathematik. Dann produzierte er fünf Jahre lang Karten für einen Nürnberger Verlag. Er begann, den Mond zu beobachten und eine Mondkarte sowie einen Mondglobus zu erstellen.

Sein Ruf als Mathematiker verschaffte ihm eine Professur an der Universität Göttingen. Noch in Nürnberg heiratete er Maria Victoria Gnüge. Die Reise nach Göttingen war die Hochzeitsreise. Unterwegs, wie konnte es anders sein, kartografierte Mayer die Route und die Landschaft.

Leiter der Sternwarte

In Göttingen wurde er Leiter der Sternwarte. Er kam mit Wissenschaftlern wie Leonhard Euler, Schweizer Mathematiker, Physiker, Astronom und Geograf oder Johann Carl Friedrich Gauß, Mathematiker und Physiker, zusammen.

Er war Lehrer des Kartografen und Mathematikers Carsten Niebuhr, der nach Arabien reiste und die Mayerschen Positionsberechnungen bewies. Diesen Erfolg aber erlebte Tobias Mayer nicht mehr. Er starb mit nur 39 Jahren.

Tobias Mayer und seine Verdienste, Biografie, Veranstaltungen

Tobias Mayer fuhr nie zur See, aber er wollte das Problem der Ortsbestimmung lösen. Er entwarf ein Vollkreisinstrument, mit dem Winkel gemessen werden konnten. Mayer ging davon aus, dass mit guten Instrumenten die Genauigkeit der Messungen einhergeht. Mit seinem Astrolabium führte er ein neues Instrument und eine neue Methode der Repetitionsmessung ein. Anhand der Stellung des Mondes und der Fixsterne konnten Seefahrer ihre genaue Position errechnen.

Mayer berechnete die Umlaufbahn des Mondes und erstellte Mondtabellen, mit denen man den Längengrad bestimmen kann. Die von ihm zur Perfektion verfeinerte Methode der Monddistanzen beruht darauf, dass die unterschiedlichen Bewegungen von Mond, Sonne und Planeten dazu führen, dass eine bestimmte Konstellation am Himmel nur für einen bestimmten Zeitpunkt zustande kommt. Wenn man diese vorausberechnet, kann man aus den Tabellen die Zeit ablesen, die für London berechnet war. Und wenn man diese Zeit mit der eigenen verglich, konnte man aus dem Zeitunterschied den Längengradunterschied zu London berechnen. Mayers Genauigkeit lag bei 0,5 Prozent.

Dafür bekam Mayer – posthum – 1765, drei Jahre nach seinem Tod, den britischen Längenpreis zugesprochen. Seine Witwe bekam 3000 Pfund, was einer Million Euro entspräche.

  • Im 2018 erbauten Tobias-Mayer-Museum in Marbach, in der Torstraße, erfährt der Besucher alles zum Leben und Wirken von Tobias Mayer.

    Oliver Bürkle
  • Das Gemälde wurde eigens vom Financier des Neubaus in Auftrag gegeben.

    Oliver Bürkle
  • Tobias Mayer hat in Göttingen den ersten Mondglobus geschaffen.

    Oliver Bürkle
  • Tobias Mayer war ein geselliger Mensch, in gemütlichen Runden spielte er gerne Flöte.

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  • Im Untergeschoss des Museums befindet sich derzeit die Sonderausstellung zum 300. Geburtstag mit Briefen aus der Familie Mayer.

    Oliver Bürkle
  • Mayer hat viele Messgeräte perfektioniert und neu bauen lassen.

    Oliver Bürkle
  • Mayer erstellte die erste präzise Mondkarte.

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  • Mayers erstes Buch, das er mit 16 Jahren schreib, über die Mathematik.

    Oliver Bürkle
  • Mayers Messinstrumente.

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  • Eine Zeichnung von Mayer aus dem Waisenhaus in Esslingen, in dem er lebte.

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  • Mayer zeichnete mit sechs Jahren den ersten Stadtplan von Esslingen, seiner eigentlichen Heimatstadt, in die seine Familie von Marbach aus zog, als Mayer ein paar Monate alt war.

    Oliver Bürkle
  • Der Mondglobus.

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  • Messgeräte von Mayer.

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  • Mayer konnte mit der Position des Mondes auch genaue Standortbestimmungen machen.

    Oliver Bürkle
  • Diese Messgeräte hat Mayer erfunden.

    Oliver Bürkle
  • Hier die Zeichnungen dazu.

    Oliver Bürkle
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