DRK-Kreisversammlung in Sersheim: Tausende neue Förderer fürs DRK

Steffen Schassberger (links) und Till Fröscher (rechts), hier mit Präsident Gerd Maisch, sind die neuen Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands.
Claudia Rieger- Doppelspitze bestätigt: Fröscher und Schassberger führen den DRK-Kreisverband gleichberechtigt.
- Finanzen: kleines Plus und Nachzahlungen ergeben Überschuss, Altdefizit wird weiter abgebaut.
- Sorge um Notfallrettung – rund 900.000 Euro fehlen durch gesetzliche Finanzierungslücken.
- Fördermitglieder wachsen stark: insgesamt 26.000 bringen etwa 1,8 Millionen Euro pro Jahr.
- 2027 richtet der Kreisverband den DRK-Bundeswettbewerb in Ludwigsburg aus, zentrale Stationen in der Innenstadt.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Ein reichliches Jahr ist es her, da haben Steffen Schassberger und Till Fröscher gemeinsam die Leitung des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Ludwigsburg übernommen. Erst einmal auf Probe und als stellvertretende Geschäftsführer, denn eine Doppelspitze sah die Satzung des Vereins bis dahin nicht vor. Doch jetzt ist es offiziell: Bei der DRK-Kreisversammlung in Sersheim am Freitagabend haben die Delegierten für die Änderung der Satzung gestimmt. Damit könne der Kreisverband nun mehrere Geschäftsführer haben, sagt Präsident Gerd Maisch im Gespräch vor der Versammlung.
Zwei gleichberechtigte Geschäftsführer
Fröscher und Schassberger werden die Geschäfte des Kreisverbands mit gut 3000 aktiven Ehrenamtlichen in 38 Ortsvereinen und 380 hauptamtlichen Mitarbeitern künftig gleichberechtigt führen. Schassberger, der auch stellvertretender Bereitschaftsleiter des Vaihinger Ortsvereins ist, ist zuständig für die allgemeine Rotkreuzarbeit und die Sozialarbeit. Fröscher verantwortet den Rettungsdienst, die Mobilen Sozialen Dienste und die Verwaltung.
Übernehmen können die beiden das Amt, mit dem sie künftig auch eine gemeinsame Stimme im Präsidium und im Vorstand haben werden, voraussichtlich noch in diesem Jahr. Zuvor muss laut Maisch nur eine Formalie erledigt sein – der Eintrag der Satzungsänderung ins Vereinsregister.
Defizit muss weiter abgebaut werden
Wirtschaftlich blickt der Kreisverband auf ein gutes Jahr 2025 zurück, berichtet der Präsident. Man habe mit 177.000 Euro ein kleines Plus erwirtschaften können. Zusammen mit Nachzahlungen für den Rettungsdienst aus den Jahren 2024 und 2025 kommt der Verein auf einen Überschuss von 1,68 Millionen Euro.
Das klingt komfortabel. Allerdings muss weiterhin schrittweise das Defizit ausgeglichen werden, das laut Maisch aus den schwierigen 2010er Jahren stammt. Noch immer hat der Kreisverband aus dieser Zeit Verlustvorträge von 5,13 Millionen Euro. „Das sind Altlasten, die wir mit dem Geld weiter abbauen.“ Der Blick auf das aktuelle und das kommende Jahr sei aber „eher schwierig“, fügt Maisch an. Vor allem die Folgen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes machten dem Verein Sorgen.
Verband sieht Gesetzgeber in der Pflicht
Durch verschiedene Regelungen entstehen den Rettungsdiensten Finanzierungslücken. Beim DRK-Kreisverband Ludwigsburg fehlen im Bereich Notfallrettung aktuell rund 900.000 Euro. Unter anderem werden Tariferhöhungen von Beschäftigten nicht mehr vollständig durch die Krankenkassen bezahlt, ebenso wenig die Mehrausgaben, die durch das Vorhalten zusätzlichen Personals und zusätzlicher Fahrzeuge entstehen – obwohl damit gesetzliche Vorgaben erfüllt werden müssen. „Die Kostenträger können nichts dafür“, sagt Fröscher mit Blick auf die Krankenkassen. Man sehe hier den Gesetzgeber in der Pflicht. Im Zweifel müssen der Landesgesetzgeber, der den Auftrag zur Notfallrettung erteilt, dafür sorgen, „dass wir nicht in Schwierigkeiten kommen“, so Maisch.
Die Finanzierungsfrage spielt für den Kreisverband auch beim Bau der neuen Integrierten Leitstelle (ILS) mit Katastrophenschutzzentrum eine entscheidende Rolle. Die anteilige Investition in die ILS, deren Gesellschafter jeweils zur Hälfte der Landkreis und das DRK sind, müsse von den Krankenkassen refinanziert werden, konstatiert Maisch. „Der Kreisverband kann und wird da kein Geld reinbuttern.“ Das sei auch aus vereinsrechtlichen Gründen nicht möglich.
Den Bereich Sozialarbeit will der Kreisverband weiter ausbauen, unter anderem die Betreuung an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Eine Ludwigsburger Schule kommt dazu; eine weitere habe angefragt, sagt Schassberger. „Wir werden außerdem in die Schulbegleitung für Kinder, die die Schule nicht ohne Unterstützung besuchen können, einsteigen.“
Mehr als 4000 neue Fördermitglieder
Ebenfalls positiv für die Finanzierung der DRK-Arbeit: Die Zahl der Fördermitglieder steigt. 2025 konnte der Verein laut Maisch rund 1400 neue Unterstützerinnen und Unterstützer werben. 2026 waren es sogar 3000. Durch die Mitgliedsbeiträge der insgesamt 26.000 Fördermitglieder im Landkreis kommen jährlich etwa 1,8 Millionen Euro zusammen. Die Ortsvereine bekommen einen Anteil. Mit dem Rest finanziert der Kreisverband unter anderem Ausbildungen, einen Teil der Ausstattung, die Motorradstaffel und Kreis-Vorhaltungen für den Bevölkerungsschutz.
„Schwieriger haben es die Rotkreuzler nach wie vor beim Gewinnen aktiver Ehrenamtlicher. „Wir schaffen es aber, Leute für uns zu begeistern“, sagt Schassberger. Zahlen zur Mitgliedergewinnung in dem Bereich lägen nicht vor. Spürbar sei, dass die Engagierten nicht mehr so lange dabei blieben wie früher. Und die punktuelle Mitarbeit sei gefragter als ein kontinuierliches Engagement. Funktionen zu besetzen sei noch einmal schwieriger. „Die Work-Life-Balance zieht auch ins Ehrenamt ein.“
Zahl der Delegierten reduziert
Das macht offenbar auch vor der einmal im Jahr stattfindenden Kreisversammlung nicht Halt. Von den insgesamt 400 Delegierten der Ortsvereine sind nur rund die Hälfte zu der Veranstaltung in Sersheim angemeldet. „Es kommen nie alle“, sagt Präsident Maisch. Weil die Organisation des Abends außerdem aufwendig und personalintensiv und die Miete der Hallen kostspielig sei, hat der Kreisverband eine weitere Satzungsänderung beschlossen. Die Zahl der Delegierten und damit auch die maximale Größe der Kreisversammlung wird auf circa die Hälfte reduziert.
Besondere Ehrungen vergeben
Am Freitagabend sind zudem mehrere besondere Auszeichnungen vergeben worden. Gleich zweimal wurde bei der Kreisversammlung die Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes überreicht: zum einen an den Juristen Dr. Achim Lacher, der seit mehr als 50 Jahren Mitglied im Kreisverband und seit vielen Jahren als Justiziar für diesen tätig ist; zum anderen an den neuen Geschäftsführer Steffen Schassberger, seit 1992 beim DRK und seit 25 Jahren im Hauptamt dort tätig. Außerdem bekommt eine DRK-Gruppe aus Sachsenheim, die beim Landeswettbewerb der Bereitschaften dabei war, das goldene Leistungsabzeichen des Landesverbands.
Bundeswettbewerb kommt 2027 in den Kreis
Einmal im Jahr treffen sich Ehrenamtliche aus ganz Deutschland zum Bundeswettbewerb der Bereitschaften des DRK, der auch als „Deutsche Meisterschaft im Bevölkerungsschutz“ bezeichnet wird. Gesucht werden dabei Deutschlands beste Lebensretter, so beschreibt es das DRK. Mit dabei sind Bereitschaften, Mannschaften von Bergwacht, Wasserwacht, der Wohlfahrts- und Sozialarbeit sowie des Jugendrotkreuzes. Jedes Team muss an diversen Stationen sein Können beweisen, zum Beispiel Erste Hilfe leisten in einem nachgestellten Verkehrsunfall-Szenario. Der Wettbewerb ist öffentlich, um damit auch Einblicke in die DRK-Arbeit zu geben.
Im vergangenen Jahr hat eine Rotkreuz-Gruppe aus Münchingen den Bundeswettbewerb mit insgesamt 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewonnen. Deshalb wird der Kreisverband Ludwigsburg 2027 die Meisterschaft ausrichten.
Vom 17. bis 19. September 2027 wird der Bundeswettbewerb der Bereitschaften des DRK mitten in Ludwigsburg stattfinden. Am 18. September treten in der Innenstadt 16 Gruppen an 16 Stationen gegeneinander an.
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