DRK-Kreisverband Ludwigsburg
: Ruf nach besserer Finanzausstattung

Der Kreisverband sieht sich auf einem guten Weg und hat 2021 mit einem Plus abgeschlossen. Altschulden, steigende Kosten und mangelnde Finanzierung machen aber weiter Sorgen.
Von
Uwe Mollenkopf
Ludwigsburg
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Die Führungsspitze des DRK-Kreisverbands Ludwigsburg: Präsident Walter Adler (links) und Geschäftsführer Wolfgang Breidbach.

/Oliver Bürkle

Seit 2019 leitet Wolfgang Breidbach (63) als Geschäftsführer die Geschicke des DRK-Kreisverbands Ludwigsburg. Er hatte den Posten übernommen, nachdem der als Sanierer geholte Manfred Hormann nach internen Querelen und Streit mit dem Betriebsrat und Beschäftigten gegangenen war. Seither ist der Verband in ruhigeres Fahrwasser gelangt. „Der Geschäftsführer ist der Ruhepol“, lobt Präsident Walter Adler (82), man habe eine „sehr homogene Mannschaft“.

Auch 2021 ging der Konsolidierungskurs weiter, die Bilanz, die die Verantwortlichen jüngst auf der Mitgliederversammlung präsentierten, weist einen Überschuss von rund 743 000 Euro auf, eine Steigerung gegenüber 2020 (Plus von 253 000 Euro).

Breidbach dämpft aber zugleich: Zu dem Ergebnis habe maßgeblich ein Einmaleffekt beigetragen, nämlich die Mitwirkung des Kreisverbands gemeinsam mit den Ortsvereinen am Kreisimpfzentrum und den mobilen Impfteams in der Pandemie. Und: Aus früheren Zeiten schleppt das DRK noch Alt-Schulden mit sich herum. Die seien durch das Jahresergebnis zwar weiter abgebaut worden, so der Geschäftsführer, belaufen sich aber immer noch auf 6,9 Millionen Euro. Die Sanierung des Kreisverbands bleibe daher eine Herausforderung.

Alarmiert ist Breidbach zudem, wenn er auf die aktuelle Situation und das nächste Jahr blickt. Die Sozialarbeit des DRK mit Flüchtlingshilfe, ambulant betreutem Wohnen, Schulsozialarbeit und mehr wies insgesamt kein ausgeglichenes Ergebnis auf. Insbesondere ärgert ihn, dass die Bundesregierung bei der Migrationsberatung zu wenig Geld zur Verfügung stelle. Gerade diese sei aber wichtig, wie überhaupt die Sozialarbeit beim DRK gestärkt werden soll.

Investition in Fotovoltaik

Investitionen stünden an, beispielsweise die Installation einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Standorts in der Reuteallee mit Kosten von rund 400 000 Euro, die man auch brauche, um für einen Stromausfall gerüstet zu sein. Doch vom Land werde man dabei finanziell alleine gelassen. Gleichzeitig sei mit Tarifsteigerungen, höheren Sachkosten und vor allem höheren Energiekosten zu rechnen. Wie solle man durch die Krise kommen, wenn einen die öffentlichen Geldgeber „an der langen Leine verdursten lassen“?, fragt sich Breidbach vor diesem Hintergrund.

Ringen ums Budget

Auch mit der Finanzierung des Rettungsdienstes, dem „Kernelement“ des Roten Kreuzes, ist er nicht zufrieden. Während es in Norddeutschland dazu ein Gebührensystem gibt, muss hierzulande jedes Jahr das Budget mit den Krankenkassen neu verhandelt werden. Das ausgehandelte Budget für die Notfallrettung habe zwar mit einer Steigerung von circa 12,5 Prozent Verbesserungen im Jahr 2021 mit sich gebracht und nähere sich im laufenden Jahr der Kostendeckung, stellt Breidbach in seinem Jahresbericht fest. Ein auskömmliches Budget sei aber im aktuellen Finanzierungssystem sehr schwierig. Immerhin: Bei den Personalproblemen – keine ausreichende Zahl von Notfallsanitätern – gibt es Licht am Ende des Tunnels. Die Ausbildungsbemühungen des DRK zeigen Wirkung, es sei zu erwarten, dass alle Stellen bis Ende des Jahres 2022 besetzt werden können. Dazu trägt auch das Jugendrotkreuz bei, das, wie Breidbach betont, aber nicht nur Nachwuchsreservoir ist. Es gelte beispielsweise auch, in der Jugendarbeit die Werte des Roten Kreuzes zu vermitteln.

Als ebenfalls positiv wird beim DRK die Zusammenarbeit mit dem Landkreis eingestuft, die es etwa in der Pandemie gab. „Das ist hervorragend“, stellt Walter Adler fest. Auch beim Bevölkerungsschutz gebe es „ein gutes Miteinander“, ergänzt Steffen Schassberger, der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter.

Herausforderung Telenotarzt

Was die weitere Entwicklung angeht, sieht Präsident Adler noch etliche Baustellen. Beispielsweise gilt die Etablierung eines Telenotarztes in der Integrierten Leitstelle, in der das DRK gleichberechtigt mit dem Landkreis Gesellschafter ist, als große Herausforderung. Der Standort Ludwigsburg ist hier einer von zwei Modellstandorten in Baden-Württemberg. Geschäftsführer Breidbach beklagt schleppende Informationen seitens des Landes. Nicht ganz verständlich sei auch, warum man bei der Technik nicht auf Bewährtes, wie etwa in den Standorten Aachen und Greifswald, zurückgreifen, sondern das Rad neu erfinden wolle. Der Telenotarzt sollte eigentlich nächstes Jahr an den Start gehen, Schassberger geht jedoch davon aus, dass es bis Ende nächsten Jahres dauert, bis die Ausschreibung über die Bühne gegangen ist.

Weitere Baustelle ist der Digitalfunk, der Anfang 2023 starten soll. Beim Rettungsdienst sei dieser „leidlich gegenfinanziert“, so der DRK-Kreisgeschäftsführer, beim Krankentransport und bei den Ortsvereinen hingegen nicht. Die Kosten von circa 4000 Euro pro Fahrzeug müssten hier selbst getragen werden. Froh sind die Verantwortlichen aber, dabei auf ihre zahlreichen Fördermitglieder zurückgreifen zu können. Mit mehr als 24 000 Fördermitgliedern stehe das DRK auf einer breiten Basis.