DLRG Bietigheim-Bissingen: Dem Wasserretter sei Dank: Mit Ruhe aus der Gefahrenzone

Mogens Meißner aus Bissingen wurde vor Kurzem von der DLRG mit einem Preis geehrt. Anlass dafür war die Rettung eines elfjährigen Jungen an der Ostseeküste.
/DLRG Bietigheim-BissingenDen Neoprenanzug hat er bereits an. Als die Meldung reinkommt, schnappt er sich das Rettungsbrett und macht sich auf den Weg zu einem elfjährigen Jungen, der sehr weit in die Ostsee hinaus geschwommen ist. Der Junge befindet sich hinter Wellenbrechern, das sind aufgeschüttete Steine, die die Seebrücke vor der starken Strömung schützen sollen. Rund um die Wellenbrecher gibt es allerdings sehr starke Strömungen, die gefährlich werden können. Und so macht sich der Retter auf den Weg, um den Jungen aus dieser gefährlichen Situation sicher herauszuholen.
Für Rettungseinsatz geehrt
Der Retter mit dem Brett ist der Bissinger Mogens Meißner. Vor Kurzem wurde er in Stuttgart für seinen Rettungseinsatz im Ostseebad Wustrow auf Fischland mit einem Preis geehrt. Zum ersten Mal hat der Württembergische Landesverband der DLRG gemeinsam mit der Stiftung Wasserrettung den Preis „Mutiges Verhalten“ vergeben. Dabei sollen „außergewöhnliche Einsätze von aktiven Rettungsschwimmern der DLRG im Land Baden-Württemberg, die womöglich unter Gefährdung des eigenen Lebens durchgeführt wurden, gewürdigt und ausgezeichnet werden“, heißt es in einer Mitteilung der DLRG Württemberg.
Mogens Meißner hat mit seinem Einsatz alle Kriterien für die Ehrung erfüllt. Denn gefährlich war die Situation definitiv. „Wir sind durch unsere Übungen eigentlich sehr gut vorbereitet, aber als die starken Wellen direkt an den Steinen brachen, musste ich improvisieren“, erinnert sich der 19-Jährige. Zum Glück sei sich der Junge der Gefahr gar nicht bewusst gewesen. „Ich konnte ihm ganz ruhig erklären, was er machen muss und wo am Rettungsbrett er sich festhalten soll“, so Meißner, der Informatik studiert.
Obwohl Meißner an diesem Tag für das Rettungsboot eingeteilt ist, reagierte er schnell. Mit dem Boot wäre man nicht so schnell und leicht an die Stelle herangekommen, an der sich der Junge befand. Daher machte sich der damals 18-jährige Meißner direkt mit dem Rettungsbrett auf den kürzesten Weg zu dem Jungen. Die sich brechenden Wellen haben ihn immer wieder vom Brett geworfen, doch er hatte dem Jungen klar gemacht, dass er das Brett unter keinen Umständen loslassen solle und so saßen die beiden dann auf dem Rettungsbrett. „Ich habe noch versucht, gegen die Strömung anzupaddeln, weil das eigentlich der kürzeste Weg zurück zum Strand war, aber dann haben wir uns weiter aufs Meer treiben lassen“, erinnert sich Meißner. Seine DLRG-Kollegen kamen dann mit dem Motorboot dazu und brachten den Jungen sicher zurück an den Strand.
Erste Rettung an der Küste
Diese Rettung im August 2021 auf Fischland war Meißners erste Rettung an der Küste. Bei der DLRG Bietigheim-Bissingen ist er bereits seit er zwölf ist. „Ich bin schon immer gerne geschwommen und habe im Schwimmverein Leistungssport gemacht. Aber dann musste ich wegen gesundheitlicher Probleme pausieren“, so der Lebensretter. Also schnupperte er bei der DLRG rein. Dort machte er eine Sanitätsausbildung und danach kam die Fachausbildung Wasserrettung. Dann verbrachte er drei Jahre lang fünf Wochen im Sommer an der Küste. Mit 16, 17, und 18 Jahren bestanden Meißners Sommerferien hauptsächlich aus der ehrenamtlichen Arbeit als Wasserretter. Bei der DLRG kümmert er sich um die Homepage, hilft bei der Öffentlichkeitsarbeit mit. Über die Ehrung habe er sich sehr gefreut und war auch ein wenig überrascht, denn das was er da gemacht habe, gehöre einfach dazu.
Derzeit absolviert der Wasserretter ein Duales Studium in Friedrichshafen. Wenn er dazwischen Zeit findet, schaut er immer wieder bei seiner DLRG vorbei und hilft dort unter anderem auch als Trainer bei den Erwachsenenschwimmkursen mit. Mit Blick auf seine ehrenamtliche Arbeit sagt er und lacht: „Ich wüsste nicht, was mich von der DLRG wegtreiben soll.“