Die Narren sind los in Sachsenheim
: Kinder staunen über die wilden Urzeln

Große Augen gab es bei den Ein- bis Sechsjährigen: Vier Gruppen der lärmenden Narren mit den Franzen besuchen elf Kitas in Groß- und in Kleinsachsenheim.
Von
Bigna Fink
Sachsenheim
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Semir (Zweiter von links) und rund 50 weitere Kinder im Klopferle sind vom Besuch der Urzeln begeistert. Sie wissen schon einiges über die Fantasiefiguren, wie Sandra Gärtner (rechts) staunt.

/Martin Kalb

Erwartungsvoll sitzen sie am Mittwochmorgen auf ihren bunten Sitzkissen im Kreis: Etwa 50 Kinder zwischen drei und sechs Jahren und sieben Erzieherinnen und Erzieher im Sachsenheimer Kindergarten Klopferle sind gespannt auf den Besuch, der da gleich kommen soll.

Dann ist es soweit: Mit großem Lärm aus Ratschen, Kuhglocken und mit lautem Rufen stürmen, mit dem zweijährigen Urzel Lian voran, sieben erwachsene Urzeln und zwei weitere Kinder-Urzeln in das Gebäude. Sie tragen Peitschen in den Händen und mit Fell umrandete Masken, ihre weißen Hemden und Hosen sind mit schwarzen Franzen bestückt. Die Kinder machen großen Augen, halten sich ein wenig die Ohren zu, lachen.

Aktion gibt es seit fast 15 Jahren

„Seit fast 15 Jahren binden wir die Kinder am Schmotzer-Donnerstag in unsere Fasnet ein“, erzählt Kerstin Haible vom Vorstand des zweitgrößten Vereins der Stadt, der Sachsenheimer Urzelnzunft. In der Corona-Zeit sei die Aktion zu Beginn der schwäbisch-allemannischen Fasnet-Hochzeit nur eingeschränkt möglich gewesen. Um so größer war die Vorfreude bei den Beteiligten über die Besuche in elf Kindertagesstätten in Groß- und Kleinsachsenheim. „Da unser Kindergarten im Januar 2022 eröffnet wurde, ist der Besuch der Urzeln der erste bei uns und für die meisten unserer Kinder etwas komplett Neues“, sagt Angeliki Cannaó, die Leiterin des Kindergartens Klopferle.

Mit drei kräftigen „Hirräi“ begrüßen die Gestalten aus dem siebenbürgischen Brauchtum die Kinderschar. Die Urzeln nehmen die Masken ab und ihre freundlichen Gesichter kommen zum Vorschein. „Wir freuen uns riesig, dass wir euch besuchen dürfen“, ruft Sandra Gärtner von der Urzelnzunft, die selbst Erzieherin im Kinderhaus Mobile ist und die Besuche seit einigen Jahren organisiert. Sie schwärmt: „Ich bin total begeistert, wie schön ihr euch vorbereitet habt.“ In der Mitte des Sitzkreises haben die Kindergartengruppen Utensilien der Urzeln ausgebreitet, die sie im Vorfeld von dem Verein in einem Koffer erhalten haben, wie so ein Häs, den typische Urzel-Anzug. Auch bewundern die Urzeln die von den Kindern ausgemalten Bilder an der Wand mit Motiven aus der Urzelwelt wie einem Bär und einem Schneiderrösschen.

Von der einfallsreichen Ursula

Urzel Willi erzählt den aufmerksam lauschenden Kindern die Geschichte, wie es in der weit entfernten Stadt Agnetheln zu den Urzeln kam. Eine Frau namens Ursula hatte die Idee, sich so zu verkleiden, als die Stadt von bösen Soldaten eingenommen wurde. Durch die furchteinflößende Verkleidung und den Lärm vertrieb sie die Feinde, so etwa in Kurzform die Sage. Auch gelten die Urzeln als Beschützer der dortigen Handwerkszünfte.

Neugierig lassen sich die Kinder von den Urzeln die Kostüme und Werkzeuge zeigen. Der sechsjährige Semir ist vom Urzel-Besuch begeistert: „Das war richtig witzig.“ Auch der vierjährige Levi ist angetan: „Ich habe die Urzeln schon einmal auf einem Umzug gesehen.“