Die Corona-Lage im Landkreis Ludwigsburg: Alle Intensivbetten in Bietigheim sind belegt

Auf der Intensivstation des RKH Klinikums Ludwigsburg sind 14 der insgesamt 58 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Insgesamt sind 52 Intensivbetten belegt. ⇥
dpa/Sebastian GollnowIst eine Ausgangssperre notwendig? Wie steht’s um die Impfzahlen? Wie voll sind die Krankenhäuser? Um diese und andere Fragen zu klären, lud Landrat Dietmar Allgaier die Pressevertreter ins Kreishaus ein.
Ausgangssperre nötig?
„Ja ist sie“, so Allgaier. Die Ausgangssperre gilt wie berichtet ab heute zwischen 21 und 5 Uhr. „Wir befinden uns im exponentiellen Wachstum und das Infektionsgeschehen ist diffus.“ Bereits Ende März sei die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 geklettert, inzwischen liegt sie im Kreis deutlich über 150. „Ich bin froh und dankbar, dass wir die Maßnahme im Verbund getroffen haben“, so Allgaier. Auch die Landkreise Esslingen, Göppingen, der Ostalbkreis und der Rems-Murr-Kreis ziehen gleich. Nicht nur die Akzeptanz sei dadurch größer, auch die Wirksamkeit. Natürlich seien Schulen und Kindergärten Infektionsherde, aber auch private Zusammenkünfte „und die finden eben am Wochenende und in den Abendstunden statt“, so der Landrat.
Ende der Ausgangssperre
Die Ausgangssperre endet, wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 liegt – vorausgesetzt eine bundesweite Regelung setzt das nicht außer Kraft, erklärte Alexandra Brenner-Binder vom Ordnungsamt.
„Im März, als die Zahlen am Fallen waren, hätte ich mir einen harten Lockdown gewünscht“, sagte Professor Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionalen Kliniken Holding (RKH). Und doch sei er froh über die Ausgangssperre. „Unser Laden ist so langsam voll.“
Kliniken, Betten, Auslastung
2020 wurden 1871 Covid-Patienten in der RKH behandelt. 22 Prozent davon mussten auf die Intensivstation. 2020 liegt die Zahl der Covid-Patienten bei 736 (Stand: 12. April). 196 Personen, also 27 Prozent, mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Aktuell liegt der Intensivanteil bei 19 Prozent, berichtete Professor Götz Geldner, unter anderem Direktor der Klinik für Intensivmedizin im Klinikum Ludwigsburg.
Die hohe Auslastung der Intensivstationen sei schon vor der Corona-Pandemie problematisch gewesen, betonte Geldner. Auf den Normalstationen haben die RKH Kliniken 145 Betten für Covid-Erkrankte, 99 davon sind belegt. In Bietigheim-Bissingen sind 22 der 40 und in Ludwigsburg 34 von 53 Betten belegt (Stand: 13. April).
Auf der Intensivstation hat die RKH 111 verfügbare Betten, davon sind aktuell 101 belegt; 26 von Corona-Infizierten. In Bietigheim-Bissingen sind alle zwölf Intensivbetten belegt, vier davon mit Covid-Erkrankten; in Ludwigsburg sind 52 der 58 Betten belegt, 14 mit Corona-Patienten. „Der Unterschied zur ersten Welle ist das Alter“, fasst Geldner zusammen. Aktuell lägen vor allem die 45- bis 65-Jährigen auf den Intensivstationen.
Impfzahlen, Kreisimpfzentrum
„Wir sind zu Beginn des Kreisimpfzentrums (KIZ) mit 70 Impfungen täglich gestartet, inzwischen liegen wir bei fast 1000“, berichtete Andy Dorroch, Kreisbrandmeister und Fachbereichsleiter Bevölkerungsschutz beim Landratsamt. 60 Prozent Biontech und 40 Prozent AstraZeneca werde verimpft, wobei Zweiteres einen extrem hohen Beratungsaufwand bedeute. „Im KIZ in Ludwigsburg sind bei keinem Geimpften Nebenwirkungen aufgetreten“, versicherte Dorroch. Die Impfquote liege im Kreis bei rund neun Prozent, so der Landrat. 11 448 Personen haben bereits ihre Zweitimpfung erhalten, ausschließlich Biontech bislang, ergänzte Dorroch. „Wir hoffen Anfang Mai im KIZ mit Volllast fahren zu können“, so Dorroch. Aktuell liegt die KIZ-Auslastung bei 40 Prozent.
Wer soll impfen - KIZ oder Ärzte?
Ein Thema lag dem Landrat noch besonders am Herzen: Die Petition der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die die Impfungen ausschließlich auf die Ärzte verlagern möchte. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt blanker Unsinn“, so Allgaier sichtlich verärgert. Die Ärzteschaft solle auch eingebunden werden, das KIZ bleibe jedoch bis Ende September bestehen. „Ziel sollte sein, so schnell wie möglich so viele wie möglich zu impfen – egal, wer die Nadel setzt.“ Konkurrenzdenken sei da völlig unangebracht, wetterte der Landrat.