Deutsche Handballnationalmannschaft
: Vorne Samba, hinten Wachter

Die Deutsche Handball Nationalmannschaft gewinnt gegen Brasilien mit 27:20 (14:8). Die Keeperin von Borussia Dortmund bringt die Gäste aus Südamerika zur Verzweiflung.
Von
Niklas Braiger
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Sarah Wachter überzeugt in der Generalprobe auf ganzer Linie. In der ersten Halbzeit hält sie zehn Würfe der Brasilianerinnen

Marco Wolf

Zum Halbzeitpfiff steht Sarah Wachter bereits bei zehn gehaltene Bälle. In der Partie der deutschen Frauen-Handballnationalmannschaft gegen Brasilien. 55 Prozent Paraden-Quote stehen ihr zu dem Zeitpunkt zu Buche beim 27:20 (14:8)-Sieg im abschließenden Testspiel in der Stuttgarter Porsche-Arena vor den olympischen Spielen.

Bis zur siebten Minute müssen die Brasilianerinnen auf ein Tor aus dem Spiel heraus warten – davor haben sie bereits einen Siebenmeter verwandelt. Von Außen kriegt Jessica Quintino erstmals den Ball vorbei an der gebürtigen Schorndorferin, die nicht alle Lorbeeren ernten: „Meine Abwehr lief richtig, da haben wir ein richtiges Bollwerk zusammengestellt. Es ist ein Traum für jeden Torwart, so eine Abwehr da vor sich zu haben.“ Das Quartett aus Xenia Smits und Julia Maidhof auf den Halbpositionen, sowie Emily Bölk und Julia Behnke im Mittelblock sorgt für verzweifelte Blicke bei den Gästen, denen die harte Gangart nicht zu schmecken scheint. „Wir haben genau die deutsche Abwehr gezeigt, die wir eigentlich haben wollen“ lobt Smits den kompakten Defensiv-Verbund.

Vorne mit viel Spielwitz

Ein Gewaltwurf von Champions-League-Siegerin Bruna de Paula ist das dritte Tor, das allerdings erst in Minute 18 fällt. Zu diesem Zeitpunkt steht es bereits 3:9. Doch nicht nur hinten läuft es gut, auch offensiv spielen die Deutschen das, was man eigentlich von den Gästen gewohnt ist: Schnellpass und Tiki-Taka mit einer Prise Samba. Die Frauen in blau schauen meist nur zu, sind zu passiv und wenn die Rückraumachse um Bölk, Maidhof und Lott (die in der zweiten Welle immer wieder durch Abwehrspezialistin Smits ersetzt wird) in Bewegung kommt, permanent zu einen Schritt zu langsam. So ergeben sich große Lücken, die die Gaugisch-Sieben konsequent ausnutzt.

Als der Nationaltrainer dann anfängt durch zu rotieren und Kapitänin Alina Grijseels, Ludwigsburgs Neuzugang Viola Leuchter und Kreisläuferin Lisa Antl bringt, ist ein erster kleiner Bruch im deutschen Spiel. Der Mittelblock und die Halbdeckung, die zuvor noch kaum Lücken hatte, bröckelt nun etwas. Mitgrund dafür ist aber auch die Hereinnahme der siebten Feldspielerin von Coach Cristiano Silva. Auch vorne fehlt die vorherige Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Gabriela Moreschi, die inzwischen im Kasten der Brasilianerinnen steht, kriegt immer wieder ihren Hand an den Ball. Nachdem die Mannschaft der Ex-SG-Keeperin aber auf 6:10 herankommt und das 7:10 liegen lässt, fangen sich die Gastgeberinnen wieder und ziehen davon. Bis zur Pause setzt sich das deutsche Team auf 14:8 ab.

Kurzer Schockmoment

Wachters letzte Parade der Partie verzeichnet sie zu Beginn des zweiten Durchgangs, als sie in Unterzahl von der Bank zurück ins Feld sprintet, den Ball noch von der Linie kratzt und anschließend schmerzhaft in den Pfosten knallt. „Dem Rücken geht es gut, das war nur etwas muskulöses jetzt und wird wahrscheinlich morgen blau sein. Aber ich habe ja noch ein paar Tage, bis es losgeht“, gibt sie aber Entwarnung. Katharina Filter kann zunächst nicht an die Leistung ihrer Keeper-Kollegin anknüpfen, was auch ursächlich dafür ist, dass sich der südamerikanische Meister von 2023 heranarbeitet und es verhindert, den Abstand weiter anwachsen zu lassen.

Beim 15:18 ist Brasilien erstmals seit dem 2:5 wieder auf drei Tore an den deutschen dran, doch eine Auszeit von Bundestrainer Markus Gaugisch nordet seine Schützlinge wieder ein – mit Erfolg. Ein 7:1-Lauf stellt den gewohnten komfortablen Abstand wieder her, auch weil Filter besser ins Spiel findet, das 25:16 durch Lott ist die Entscheidung (55.). Lott ist es auch, die am Ende den 27:20-Endstand erzielt und mit sechs Treffern die meisten Tore der DHB-Auswahl stellt.

Gute Tests geben Rückenwind

„Die Bilanz des ganzen Wochenendes fällt positiv aus“, zeigt sich Markus Gaugisch nach der Partie zufrieden, sagt aber auch klar: „Es ist noch Luft nach oben und die werden wir auch brauchen, wenn wir die Großen schlagen wollen.“ Doch die abschließenden Testspiele, in denen sich sein Team stetig gesteigert hat, machen ihm Mut.