DEL2: Steelers erkämpfen sich den Heimsieg

Goldhelm Cole Fonstad trifft auch gegen Bad Nauheim zwei Mal. Jack Dugan (links) ist ebenfalls in den Schlussminuten erfolgreich. Die Stürmer sorgen für den Heimsieg.
/EibnerFast 40 Minuten lang wirkt die Partie zwischen den Bietigheim Steelers und dem EC Bad Nauheim am Freitagabend wie ein Testspiel. Beide Seiten scheinen mit Valium eingeschläfert zu sein, wirkliche Offensivbemühungen sind selten. Doch nach der zweiten Drittelpause wacht das Spielgeschehen endlich auf und bietet den 3571 Zuschauern in der Ege-Trans-Arena noch einmal ansehnliches Eishockey. „Ich würde gerne sagen, es war brillantes Coaching“, sagt der Trainer schmunzelnd nach der Partie, gesteht aber: „Bad Nauheim verdient großen Respekt für ihren Start. Ich glaube nicht, dass wir schlecht gespielt haben, aber es hat gedauert, bis wir im Flow waren.“ Das kann ihm aber am Ende egal sein, denn sein Team gewinnt am Ende mit 4:2.
Früher Nackenschlag
Und das, obwohl der SCB schon früh kalt erwischt. In der 4. Minute pennen die Steelers nach einem Bully vor dem eigenen Tor, durch einen eigenen Fehler kommt die Scheibe zu Leon Bußmann, der einen schnellen Doppelpass mit Julian Kornelli spielt und dann direkt ins kurze Eck abzieht. Felix Noack, der erneut im Bietigheimer Netz steht, kann die Seite nicht schnell genug zumachen und muss das 0:1 passieren lassen. Es ist der zweite Torschuss der Gäste, die Hausherren fangen sich mal wieder einen frühen Gegentreffer und es bedarf mal wieder nicht vielen Versuchen des Gegners.
In der Folge ist Bietigheim dann aber auch in der Partie angekommen. Jack Dugans erster Abschluss landet in der Fanghand von ECN-Keeper Gerald Kuhn, der Kanadier hat dann aber beim Ausgleich wenig später seinen Schläger im Spiel. Einen guten Diagonalpass bringt er auf David Cerny, der auf der linken Außenbahn drei Nauheimer stehenlässt, die Scheibe ins Zentrum bringt und damit den einlaufenden Cole Fonstad bedient. Der Goldhelm ist vor dem Netz eiskalt und lässt Kuhn keine Chance (9.).
Möglichkeiten bleiben ungenutzt
Bietigheim ist nun am Drücker und versucht direkt nachzulegen. Tim Schüle und Bastian Eckl scheitern in kurzer Zeit am Goalie der Gäste. Da der SCB das Momentum nicht nutzen kann, ebbt die Action etwas ab. Das Spiel auf beiden Seiten wird fahrig, es wirkt phasenweise wie eine Partie aus der Vorbereitung. Die Pässe kommen zu unsauber, Checks werden nicht immer voll zu Ende gefahren und die Scheibe wechselt gefühlt im Sekunden Takt den Besitzer.
Auch durch solch einen Scheibenverlust stechen die Männer von der Wetterau dann drei Minuten vor der Drittelpause zu: Einen Rückpass kann Arne Uplegger nicht erreichen, stattdessen ist es Stephen Harper, der sich auf den Weg macht. Der am Donnerstag erst nachverpflichtete Kanadier bekommt keinen Druck, fasst sich ein Herz und nagelt den Puck ansatzlos ins lange obere Eck. Der SCB hat aber beinahe noch unmittelbar vor der Pause die Chance auf die schnelle Antwort, nachdem Marek Racuk von einem Wechsel kommt, von allen aus den Augen gelassen wird und dann aber zu nah vor Kuhn die Hereingabe serviert bekommt und so den Schlussmann nicht überwinden kann.
Nichts für Eishockey-Romantiker
Trotz der Pausenführung wirken die Hessen nicht unbedingt sattelfest, erlauben sich immer wieder leichte Fehlpässe, die allerdings von den Gastgebern unbestraft bleiben. So zeigt sich weiterhin das gleiche Bild. Schwache Zuspiele, unabgestimmte Laufwege und eine zähe Partie. Auch die ersten beiden Powerplays der Ellentäler versanden, wie schon in der Vorwoche gegen Kassel, als man acht Chancen mit einem Mann mehr liegen ließ.
Wenn die spielerische Klasse am Freitagabend zu wünschen übrig lässt, dann muss eben die Glücksgöttin ihr Händchen im Spiel haben. 77 Sekunden vor der zweiten Drittelpause haut Uplegger zum wiederholten Male das Spielgerät in Richtung ECN-Tor, davor steht Nolan Ritchie und fälscht die Scheibe noch entscheidend zwischen Kuhn und Pfosten hindurch zum 2:2 ab.
Anders als die Roten Teufel können die Steelers dieses Momentum des Treffers aber mit in den Schlussabschnitt nehmen und treffen erstmals nach 13 unerfolgreichen Powerplays am Stück wieder in Überzahl. Nach dem Stockschlag von Harper ist Fonstad nur 18 Sekunden nach der Strafe der Nutznießer und netzt zur ersten Bietigheimer Führung (45.). Die Teams scheinen in der Kabine nun endlich auch das Gaspedal gefunden zu haben. Beide Seiten schalten einen Gang hoch, sind aggressiver und zeigen nun deutlich bessere Offensivbemühungen. Denn auch die Hessen können sich nicht mehr nur auf das Verteidigen konzentrieren.
Uplegger muss vom Eis
Ein Schuss der Bad Nauheimer rund zehn Minuten vor Schluss sorgt dann aber für einen kurzen Schreckmoment, denn das Hartgummi trifft Arne Uplegger im Gesicht, der dadurch ein paar Zähne verliert. „Das ist eine heftige Verletzung, er ist schon mit unserem Zahnarzt, um es auszuchecken“, sagt Kehler im Nachgang. Nach der Verletzung des Verteidigers ist es eine offene Begegnung. Bad Nauheim drückt nun auf den Ausgleich, bleibt aber spätestens an Noack hängen. Auf der Gegenseite kommt der SCB immer wieder zu guten Konterchancen, lässt sie aber gegen Kuhn liegen.
Der Goalie der Gäste kommt dann zweieinhalb Minuten vor Schluss vom Eis als letzte Maßnahme um den Ausgleich zu erzwingen. Mike Fischer verpasst 100 Sekunden vor dem Schluss noch das leere Tor, 30 Sekunden später macht es Dugan dann besser und erzielt nach einem Scheibengewinn im gegnerischen Abschnitt das 4:2. Deckel drauf.
