Bürgermeistergespräch Freudental
: Nach dem Sturm einen Gang zurückschalten

Bürgermeister Alexander Fleig spricht von einem „absolut außergewöhnlichen, herausfordernden Jahr 2023“ mit hohen Investitionen für Rathaussanierung oder Solarthermiefeld.
Von
Gabriele Szczegulski
Bönnigheim
Jetzt in der App anhören

Für 2,75 Millionen Euro wurde das Rathaus saniert. Eine Mammutinvestition, wie Bürgermeister Alexander Fleig sagt.

/Martin Kalb

Alexander Fleig macht einen tiefen Seufzer. „Das Jahr war anstrengend, absolut außergewöhnlich, herausfordernd“, sagt er im Gespräch mit der BZ. Für die kleine Gemeinde waren die großen Investitionen in 2023 ein hoher Berg, der Schulden von insgesamt 2,6 Millionen Euro Schulden zurücklässt. Alleine zwei Millionen Euro sind dabei in Gebäude investiert worden. Die Rathaussanierung hat 2,75 Millionen Euro verschlungen, wovon die Gemeinde eine Million selbst übernehmen muss, 1,7 Millionen kommen aus der Förderung der Ortskernsanierung. Auch die Eigenbetriebe sind im Minus: Die Nahwärme hat zwei Millionen Euro Schulden, die Wasserversorgung ist mit 450 000 Euro im Minus. Und all diese große Projekte musste das Rathaus-Team organisieren und schultern.

Nun komme, so Fleig, ein Jahr, das vor allem Ruhe in die Gemeinde und die Verwaltung bringen soll. Er sei aber auch stolz, was man geschafft habe: „Das Rathaus ist ein richtiger Hingucker geworden und wird in der Bevölkerung gut angenommen“, sagt Fleig. Am Tag der offenen Tür im Rathaus kamen Hunderte, um das Vorzeigeprojekt zu sehen.

Projekt Solarthermiefeld

Ein weiteres Vorzeigeprojekt und Fleigs ganzer Stolz ist das in Betrieb genommene Solarthermiefeld. „Das ist schon mein Lieblingskind, in das ich viel Leidenschaft investiert habe“, so der Bürgermeister. Und erntet dafür überregional viel Anerkennung. Viele Bürgermeister und Gemeinderäte aus anderen Kommunen kommen und schauen sich das Solarfeld hinter der Sporthalle an.

Bundesweite Anerkennung

Erst vor Kurzem referierte Fleig in einer Online-Veranstaltung des Deutschen Instituts für Urbanistik vor 250 Kommunalverwaltungsvertretern, Professoren und Wissenschaftlern über das Projekt. Unter zwei kommunalen Vorzeigeprojekten in Sachen Nahwärmeversorgung in ganz Deutschland sei eines das Solarthermiefeld in Freudental. Durch die Wärme, die vom Solarthermiefeld in das Nahwärmenetz eingespeist werde, werden jährlich 5000 Liter Heizöl eingespart, sagt Fleig. Bis zu 25 Prozent des Jahreswärmebedarfs der Kommune kommen mittlerweile von der Sonneneinstrahlung. 1,4 Millionen Euro hat das Feld gekostet, 1,2 Millionen muss die Gemeinde selbst bezahlen, bekommt aber einen Tilgungszuschuss über 500 000 Euro.

Auch was die Kinderbetreuung in Freudental betrifft, kann die Gemeinde zumindest im kommenden Jahr aufatmen: „Wir müssen 2024 keine neuen Plätze einrichten, erst eventuell 2025, im Moment haben wir genug“, sagt Fleig. Durch den neuen Naturkindergarten, der jederzeit auch um eine zweite Gruppe erweitert werden kann, und einen zweigruppigen Neubau in der Taubenstraße gehört Freudental nun zu den Gemeinden, die ihre Zukunftsplanung der Betreuungsplätze gut im Griff haben. „Wir können jetzt einen Gang zurückschalten und Investitionen auf das Notwendigste reduzieren“. so Fleig.

Flüchtlingsunterkünfte

Das Thema Asyl aber werde auch 2024 die Gemeinde begleiten. „Genügend Plätze für Flüchtlinge zu haben, ist ein großer Bestandteil des Haushalts für 2024“, so Fleig. Es gehe darum, Objekte zu kaufen, um keine Container aufstellen zu müssen. Die bisherige Obdachlosenunterkunft werde abgerissen und neu gebaut, um Plätze zu schaffen. 100 Migranten leben derzeit in Freudental in kommunalen Unterkünften, mit bis zu zwölf weiteren rechnet Fleig pro Jahr. „Für eine kleine Gemeinde wie Freudental eine große Aufgabe, auch die Integration der Migranten soll ja funktionieren“, sagt er, da die meisten Flüchtlinge, die nach Freudental seit 2015 kamen, auch nicht wegzögen.

Für 2024 stehen „die Pflichtaufgaben“ im Vordergrund, so Fleig: Die Nahwärme soll weiter ausgebaut werden, die Wasserversorgung optimiert. Leitungen für diese beiden Bereiche würden bei der Sanierung der Pforzheimer Straße, der Ortsdurchfahrt, neu gelegt. Auch bürgerschaftlich tue sich einiges in Freudental: „Die Bevölkerung ist sehr engagiert bei den Festen und in den Vereinen“, so Fleig. Demnächst wird ein neuer Förderverein für Kinder gegründet, um Gelder für die Jüngsten der Gemeinde zu sammeln und Projekte für diese zu organisieren.

„Ich wünsche mir für 2024, dass Ruhe auch in die Verwaltung einkehrt, denn die Mitarbeiter waren 2023 schon sehr belastet“, sagt Fleig. Deshalb wird auch am 1. März ein neuer, zusätzlicher Kollege im Ordnungsamt begrüßt, der sich vor allem um Gebäude und die Flüchtlinge kümmern soll und vorrangig Michaele Mallok entlasten soll, die bisher alle Aufgaben alleine bewältigte. Auch die Hausmeisterstelle wird aufgestockt, da nun mehr Häuser, Kitas und Flüchtlingsunterkünfte betreut werden müssen. Viele kleine Aufgaben seien 2023 aufgrund der „großen Baustellen“ liegen geblieben, „denen gilt 2024 unser Hauptaugenmerk“, so der Freudentaler Bürgermeister.