Brauchtum: Nordmanntanne bleibt einsame Spitze

Thomas Höneise und Alexander Wachtstetter stehen noch bis zum 23. Dezember auf ihrem Verkaufsstand an der Ludwigsburger Straße am Abzweig zur Mühlsteige und verkaufen ihre Nordmanntannen, die bei den Kunden am gefragtesten sind.
/Oliver BürkleAlexander Wachtstetter schüttelt lächelnd den Kopf: „Nein, andere Weihnachtsbäume als die Nordmanntanne haben wir schon lange nicht mehr im Angebot. Die Leute wollen einfach nur diese dicht gewachsene Art“, dieser Trend sei schon seit vielen Jahren zu beobachten. Seit Ende November hat der Gartenbaumeister aus dem Gewerbegebiet „Holderbüschle“ seinen Verkaufsstand an der Ludwigsburger Straße aufgebaut, dort, wo die Mühlsteige steil bergab in Richtung Metterzimmern abzweigt.
Eines ist den Bäumen, die meist im Alter von vier bis sechs Jahren geschlagen werden, gemein: „Sie stammen alle aus unserer eigenen Zucht und somit von den Feldern unserer Region“, sagt Wachtstetter, der Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit die Nordmanntannen an die Kunden bringt. Wie viele er davon in den knapp vier Wochen verkauft, das kann er nur grob schätzen, „es dürften aber schon mehrere hundert Bäume sein.“
Leute wollen robusten Baum
Die Leute wollten einfach einen robusten Baum, der ein dichtes Nadelkleid aufweise, „nicht mehr die normalen Tannen wie früher, die eher wenige und dünne Nadeln hatten.“ Das derzeitige Regenwetter sei optimal für die Bäume, denn auf diese Weise bekämen sie genügend Wasser und blieben länger frisch. Tagsüber sei unter der Woche meist nicht allzu viel los, „das Geschäft zieht immer gegen Abend an, wenn die Leute vom Geschäft nach Hause fahren“, weiß Wachtstetter aus langjähriger Erfahrung.
Früher hatte er seinen Stand bis Heiligabend geöffnet, „aber man muss ja auch an die Familie denken und selbst etwas zur Ruhe kommen“. Vor allem an den Wochenenden gehe es begreiflicherweise hoch her, da geht es morgens um 9 Uhr, kaum, dass der Stand geöffnet hat, los und reißt dann bis 17 Uhr nicht mehr so richtig ab. „Die Leute“, sagt er, „haben heutzutage meist weniger Geld in der Tasche, aber am Weihnachtsbaum wird nach wie vor nicht gespart“, sagt Wachtstetter. Manches Mal kommen er und sein Team kaum nach mit dem Schlagen von Bäumen, es herrscht ganztägig ein Kommen und Gehen auf der Verkaufsfläche. Täglich und, wie erwähnt, bis einschließlich 23. Dezember, wird er die Tannen an die Kunden bringen, dann können auch er und seine Mitarbeiter etwas durchatmen und die letzten Stunden vor der Bescherung dann im Kreise ihrer Familien genießen.
Baumernte vor Vollmond
Nur an vier Tagen, an den Wochenenden am 13. und 14. sowie am 20. und 21. Dezember – jeweils von 11 bis 17 Uhr – findet der Christbaumverkauf im „Hofladen Fräulein Schmid“ im Norden von Kleinsachsenheim statt. „Wir haben natürlich die Nordmanntanne im Angebot, die geht am besten bei unseren Kunden“, sagt Jule Mayr, aber zu den dichteren Tannen gesellen sich auch Blaufichte und Kiefern, „für all jene, die es lieben, dass ein Baum etwas natürlicher gewachsen ist.“ Die Bäume kommen seit vielen Jahren von der Familie Höfle aus Güglingen, die ihre „Kraichgau-Tannen“ immer kurz vor Vollmond schlagen. „Wir haben also immer feldfrische Ware im Angebot“, sagt Mayr. Wobei der Christbaumverkauf nur einen kleinen Teil des reichhaltigen Angebots im Hofladen abdeckt, denn bei Familie Schmid gibt es allerlei Feines aus der Region, „und neu ist auch unsere Spielscheune für unsere jüngsten Gäste.“ Mayr selbst wird ihren Weihnachtsbaum dieses Jahr, verrät sie, mit roten Kugeln und einer Lichterkette schmücken. Ob er auch noch eine krönende Spitze bekommt, weiß sie noch nicht, denn wie schon ihre Oma immer sagt: „An schönr Baum braucht koi künschdliche Schbidz.“
Auch Exoten im Angebot
Hoch her geht es nun vor Weihnachten auch bei Slawomir Raducki vom Weihnachtsbaumparadies im Löchgauer Weißenhof, der ebenfalls – seit mehr als 30 Jahren – auf Bäume aus eigener Aufzucht setzt. „Die meistverkaufte Baumart ist bei uns, und das schon seit bestimmt zehn Jahren, die Nordmanntanne“, sagt er, obwohl sein Sortiment auch Fichten, Schwarzkiefern, Blaufichten und Exoten wie Kork- und Coloradotannen umfasst. Die Blaufichte sei vor allem des schönen Farbtons des Nadelkleides wegen beliebt, „außerdem riecht sie halt wunderbar nach Nadelbaum und intensiviert auf diese Weise noch die Vorfreude auf das Weihnachtsfest.“ Und damit diese nicht durch frühzeitig nadelnde Bäume getrübt wird, hat Raducki einen simplen Rat: „Bei frisch geschlagenen Bäumen ist es wichtig, diese zunächst bei niedrigen Temperaturen zu lagern, beispielsweise auf der Terrasse oder auf dem Balkon.“
Erst dann sollte er langsam an Zimmertemperatur gewöhnt werden. Seine Bäume – die die Kunden auch gerne selbst schlagen dürfen – sind auf dem Weißenhof an der L 1107 zwischen Bietigheim und Löchgau täglich zwischen 9 und 18 Uhr erhältlich – und dies noch bis zum 24. Dezember, „unser Verkaufsstand in Ingersheim hat am Sonntag, 21. Dezember, letztmalig geöffnet“.