Bönnigheimer Wald
: Einer der problematischsten Standorte

Nach den Dürrejahren 2005 bis 2008 startet Revierleiter Burkhard Böer bereits 2010 ein Experiment im ehemaligen Eichen-Schälwald. Der Südhang am Rotenberg ist besonders trocken.
Von
Jürgen Kunz
Bönnigheim
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„Es ist der Anfang von schauerlich“, sagt der Bönnigheimer Revierleiter Burkhard Böer mit Blick auf die absterbenden Eichen am extrem trockenen Südhang des Bönnigheimer Rotenbergs.

/Oliver Bürkle

Der Südhang des Rotenbergs im Bönnigheimer Wald ist ein außergewöhnliches – und besonders geschundenes Stückchen Erde. Dort wurde von 1844 bis 1897 im sogenannten Eichen-Schälwald der Rohstoff für die Ledergerbung gewonnen. Ein Grund, warum auf der 41 Hektar große Fläche so schlecht entwickelte Eichen stehen. Jüngst kamen dann die Trockenjahre 2005 bis 2008 hinzu, die die eher wenig vitalen Eichen zusätzlich bedrohten. „Es stellte sich die zentrale Frage, was können wir tun?“, sagt Revierleiter Burkhard Böer. 2010 startete er mit seinen Mitarbeiter auf einer etwa 1,2 Hektar großen Fläche am Rotenberg ein Experiment, und etwas mehr als ein Jahrzehnt später wagt er für die BZ eine erste Zwischenbilanz.

Ausgeprägte Trockenheit

Aufgrund der ausgeprägten Trockenheit im Wald, mit den sehr heißen und trockenen Jahren 2018 bis 2020 sowie auch der heißen Sommerwitterung 2022, mit regional langanhaltenden Dürreperioden, kam es laut Waldzustandsbericht 2022 der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) wiederum zu einer Verstärkung der Waldschäden. Baden-Württemberg war zwar im April nach Schätzungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit rund 80 Liter Flächenniederschlag pro Quadratmeter eine der nassesten Regionen in Deutschland, gegen die Trockenheit im Wald hatte dies aber nur eine kurzfristige Auswirkung.

Für eine kurze Exkursion in den Bönnigheimer Wald hat Revierleiter Böer bewusst den Südhang am Rotenberg ausgewählt. „Es ist der Anfang von schauerlich“, sagt er mit Blick auf die Eichen, deren dürre Äste herausragen. Es sei ein „Eichen-Sterbe-Hospiz“. Vor zwei Jahrzehnten habe es zwar auch zwei bis drei Jahre Trockenheit gegeben, auf die folgte aber in der Regel ein regenreiches Jahr, das für einen Ausgleich sorgte. Im ehemaligen Schäl-Wald am Rotenberg startete Böer auf einer Kleinfläche ein Experiment mit trockenheitsliebenden Baumarten wie Spitzahorn, Wildkirsche sowie Speierling und Elsbeere als Solitär in den Eichenflächen.

„Es geht immer um die Eiche und deren Genpool“, erklärt der Revierleiter seinen „berechtigten Versuch und Irrtum“, den er 2010 startete, nachdem zwei Jahre zuvor der beginnende Absterbeprozess deutlich wurde.

Die Weißdorn-Entfernung auf den rund 1,2 Hektar sei ein immens großer Aufwand gewesen und nicht für große Flächen geeignet, erinnert sich Böer und spricht „über Grüße von Dornröschen“. Die sogenannte Eichennaturführung sei – Stand heute – zwar gelungen, sie habe aber an diesem besonderen Standort am Südhang mit seinem Tonboden nicht ausgereicht, und eine Nachpflanzung sei dort schwierig. Spitzahorn und Wildkirsche hätten funktioniert, so seine Zwischenbilanz nach etwas mehr als einem Jahrzehnt.

100 000 Pflänzchen pro Hektar

Die Hoffnung für die Eiche ist am Rotenberg, dass sich aus dem Genpool der Pflanzen diejenigen, die mit dem Standort am besten auskommen, durchsetzen. Ob dies allerdings funktioniert, dies wisse niemand. Die Chance dafür resultiert aus der schieren Menge an Pflanzen: Es handelt sich um rund 100 000 kleine Pflänzchen pro Hektar.

Auch der Eichelhäher könnte durch seine Vorratswirtschaft dazu beitragen, dass neue vitale Bäume wachsen. Denn neben Bucheckern und Haselnüssen gräbt er auch Eicheln ein. Die Eichen auf dem Plateau des Rotenbergs seien durch ihren Standort trockenheitsresistenter, merkt Böer an, und möglicherweise entstehen aus deren Genpool neue Eichen im Südhang.

„Es gibt Flächen, auf denen man mit einem Bruchteil an Aufwand eine Verjüngung erreicht“, sagt der Revierleiter. Im Bönnigheimer Wald gibt es dafür mindestens 20 Hektar, eine Fläche, die rund 25 Sportplätzen entspricht. „Wenn man wieder eine positive Motivation braucht, dann besucht man diese Fläche“, sagt Böer mit einem Augenzwinkern, und zum Erfahrungsammeln kämen auch Kollegen aus ganz Deutschland und der Schweiz dorthin. Doch dies sei eine Geschichte für die nächste Tour der BZ durch den Bönnigheimer Wald..