Bönnigheimer Innenstadt: Aus Leerständen Wohnraum entwickeln

Die Stadt überlegt, wie das 545 Quadratmetern große Grundstück am Köllesturm für bezahlbaren Wohnraum genützt werden kann.
/Oliver BürkleBezahlbarer Wohnraum ist knapp, nicht nur in Bönnigheim. Nach ersten Überprüfungen im Stadtgebiet von rund 140 Adressen durch das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) aus Nürtingen, wurden 74 als „leer stehend“, 15 als „aktiviert/in Aktivierung“ und 23 mit einer Nutzungsänderungen klassifiziert. Bei den 74 Leerständen sind 30 „noch zu klärende Fälle“, wie es in der Untersuchung heißt.
Unterstützung für Kommunen
Mit einem sogenannten Leerstands-Management sollen in Bönnigheim aus nicht genutztem Wohnraum bezahlbare Wohnungen werden. „Der Landkreis Ludwigsburg möchte im Rahmen des Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum interessierte Städte und Gemeinden des Landkreises dabei unterstützen, in der Innenentwicklung bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und neuen zu schaffen“, erklärt Bönnigheims Bürgermeister Albrecht Dautel auf BZ-Nachfrage. Dabei sollen, so Dautel, vor allem Kommunen mit einer begrenzten Verwaltungskapazität praktisch unterstützt werden.
Die Unterstützungsangebote umfassen insbesondere die Erhebung von Innenentwicklungspotenzialen, die Erhebung von Leerständen, Gremienarbeit, begleitende Öffentlichkeitsarbeit, Ansprache von Immobilieneigentümern und Investoren. Mit Beratungen zu städtebaulichen, architektonischen, baurechtlichen und finanziellen Aspekten sowie mit Testentwürfen, Workshops und persuasiven Aktivierungsinstrumenten, mit den Eigentümer überzeugt werden können, sollen zusammen mit den Gemeinden Projekte der Innenentwicklung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum initiiert werden. Das Projekt wird gefördert durch das Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ des Landes Baden-Württemberg.
Baugrundstück am Köllesturm
Die Stadt Bönnigheim hat sich an der Umfrage beteiligt und ihren Bedarf für Beratung beziehungsweise Planung zur Flächengewinnung durch Innenentwicklung angemeldet. Das Landratsamt hat die Förderzusage im Dezember 2021 erhalten. Das Projektvolumen beträgt 80 000 Euro, welches je zu 50 Prozent vom Landkreis und vom Land Baden-Württemberg getragen wird. Das Büro IfSR aus Nürtingen wurde entsprechend vom Landkreis beauftragt.
In Abstimmung mit der Stadt Bönnigheim wurden die Beratungsleistungen abgestimmt. Diese beziehen sich wie oben genannt auf die Aktivierung von Leerständen von Wohnraum, aber auch auf das Flurstück 202, ein Baugrundstück westlich vom Köllesturm gelegen, mit einer Größe von etwa 545 Quadratmetern. Das Gelände in prominenter Lage liegt im Sanierungsgebiet „Innenstadt V“.
Von der Möglichkeit einer „qualitätsvolle Bebauung“ spricht das Büro IfSR in einer ersten Beurteilung, mit einer Nutzung von Wohnen für Ältere, für Jüngere oder Mischformen und Dienstleistungen, Praxis, Kanzlei oder Laden im Erdgeschoss. Im Erdgeschoss, im ersten und zweiten Stockwerk gehen die Planer von einer Bruttogeschossfläche von jeweils 280 Quadratmetern aus, zusätzlich wäre eine Maisonette im Dachgeschoss denkbar. Das Parken könnte in einer Tiefgarage möglich oder an einem separaten Standort möglich sein.
Das weitere Vorgehen sieht nun vor, nachdem der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Verwaltung mit der Weiterentwicklung beauftragt hat, dass es informelle Gespräche etwa mit Ärzten und „erfahrenen regionalen Investoren“ geben wird. Danach muss darüber vom Gemeinderat entschieden werden, ob die Bebauung am Köllesturm ein städtisches Eigenprojekt oder an einen Investor übertragen wird.