Bönnigheim: Neue Liste gegen vier Etablierte

Kandidaten der neuen Liste Aktive Bönnigheimer wollen in den Gemeinderat einziehen.
/Oliver BürkleUm die Wählergunst für den Bönnigheimer Gemeinderat bewerben sich am Sonntag 65 Kandidatinnen und Kandidaten. Neben den etablierten Fraktionen Freie Wählervereinigung Bönnigheim/Christlich Demokratische Union (FWV/CDU), Unabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim (UWG), Bündnis90/Die Grünen und SPD will auch die neu gegründete Liste Aktive Bönnigheimer (ABö) Plätze am Ratstisch.
„Für eine neu aufgestellte Liste ist es allgemein schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden, da sie erst einmal bekannt werden muss und noch nicht über eine etablierte Basis verfügt“, sagt Listenführer Tilo Staudenrausch vom Wahlvorschlag Aktive Bönnigheimer. Doch mit genügend Engagement, Organisation und Kommunikation habe man dies erfolgreich gemeistert und man sei mit der aktuellen Aufstellung sehr zufrieden. Fünf Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 36 bis 60 Jahre bewerben sich auf der Liste ABö. Es sind Angestellte, Selbstständige, Unternehmer und Akademiker mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Qualifikationen, wie Fotograf und Medizinproduktberater, Mitglied in unterschiedlichen nationalen Verbänden, Diplom-Designerin, Mitglied der Geschäftsleitung oder selbstständiger Energiewirt.
Staudenrausch charakterisiert die neue Liste, als „aktiv, engagiert, kulturell geprägt, realistisch, erfahren in Innovationsprojekten, kompetent in der Umsetzung und visionär“. Er sieht Unterschiede zu den etablierten Fraktionen, denn die ABö wollen eine „gemeinschaftlich tragfähige Vision erarbeiten mit innovativen Konzepten zur Verbesserung der Geschäftswelt“. Auf der Listen-Agenda steht die Verbindung von Tradition und Moderne, das heiße, Erhaltenswertes erhalten, Kultur fördern und Raum schaffen, um Dinge gelingen zu lassen und sie will Menschen die Gelegenheit bieten, sich einzubringen. „Kultur ist eben auch die Art und Weise, wie man sich seinen Mitmenschen gegenüber verhält“, so Staudenrausch.
Die sechs Kandidatinnen und zwölf Kandidaten der FWV/CDU zeichnen sich durch einen guten Querschnitt der Bönnigheimer Bevölkerung aus, sagt Ralf Grannemann als Sprecher der CDU. Aus verschiedenen Branchen bewerben sich selbstständige Unternehmer, Landwirte und Winzer, Handwerksmeister und Angestellte, die in unterschiedlichen Vereinen zum Teil in Führungsgremien mitarbeiten. Das Durchschnittsalter beträgt 46,56 Jahre, alle bisherigen drei Gemeinderäte und drei Gemeinderätinnen stellen sich zur Wiederwahl.
„Wir brennen für gute Ideen und sind offen für neue Wagnisse – sofern sie allen Bürgerinnen und Bürgern Bönnigheims, Hohenstein und Hofen zugutekommen und vor allem auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln mit Sinn, Verstand und Weitsicht umsetzbar sind“, heißt es in einer Stellungnahme der FWV/CDU-Liste, die sich für eine vorausschauende Finanz- und Haushaltspolitik in Bönnigheim einsetzen will. Wichtig sei den Kandidaten, im engen Bürgerdialog weiterhin eine attraktive und lebenswerte Stadt Bönnigheim für alle Generationen sicherzustellen.
Grannemann: „Wir erhoffen uns wieder eine rege Wahlbeteiligung mit einem Ergebnis, das im Bereich der letzten Wahl liegt, wo unsere Liste die meisten Stimmen erreicht hat, und mit dem stellvertretenden Bürgermeister insgesamt sechs Sitze im Gemeinderat stellen konnte.“
„Die Gespräche zur Vorbereitung sind gut gelaufen. Das kann man daran sehen, dass wir 18 Kandidaten auf unserer Liste haben, die sich alle die Gemeinderatsarbeit zutrauen. Alle werden sich mit viel Motivation, Einsatzbereitschaft und Herzblut für unsere Stadt einsetzen“, erklärt Michael Gerdes für die Unabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim. Wie es im Wahlprospekt der UWG heißt, bekennen sich die Kandidaten zu freiheitlichen demokratischen Grundwerten und treten für eine vielfältige Gesellschaft ein – seit 65 Jahren.
Klar sind die Ziele der UWG formuliert, so sollen das Ehrenamt gestärkt und die Vereine unterstützt werden, man verspricht eine solide Haushaltspolitik und will den Umweltschutz und Naturschutz ernstnehmen sowie Kultur, Musik und Sport weiter fördern. Die Liste will Angebote für alle Generationen, die Schulstandorte zukunftsfähig modernisieren und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Städtepartnerschaften sollen ausgebaut und belebt werden. Weitere Themen der UWG sind attraktive Rahmenbedingungen für Einzelhandel und und Gewerbe, der Erhalt des historischen Stadtkern, der rücksichtsvoll saniert werden soll.
Die Liste Bündnis 90/Die Grünen hat sechs Kandidatinnen und fünf Kandidaten auf ihrem Kommunalwahl-Vorschlag. Die Plätze sind durchgehend wechselweise mit Frauen und Männer besetzt. Die Liste sei aus beruflicher Perspektive gut gemischt. „Von Schule, Gesundheitswesen, Bau, Energie, IT sowie Jugendhilfe und ehrenamtliches Engagement für die Flüchtlingshilfe sowie jahrzehntelange Arbeit im Naturschutz/Altenpflege sind wir gut aufgestellt“, sagt Jürgen Carstens. Alle drei Gemeinderäte kandidieren wieder, es sei nicht einfach, die Bürger für kommunalpolitisches Engagement zu begeistern. Deshalb konnte die Liste nicht voll besetzen werden, merkte Carsten an: „Wir haben alle Bönnigheimer Erstwähler angeschrieben und dadurch neue Mitglieder gewonnen.“
Der grüne Kommunalpolitiker: „Unsere Ziele sind, energetisch und klimaneutral voranzukommen. Bezahlbarer Wohnraum und Nachverdichtung, gesetzlicher Anspruch auf Ganztagsbetreuung, Wiedereröffnung unseres Jugendhauses, Verkehrsberuhigung in der Innenstadt an Wochenenden und Markttagen, Begrünung der Innenstadt, verlässliche Stara und Freibad ohne Gasheizung.“ Zum Wahlziel sagt Carstens, aufgrund dessen, dass es bei dieser Gemeinderatswahl erstmals fünf Listen in Bönnigheim gibt, wäre die Beibehaltung drei grüner Gemeinderäte ein gutes Ergebnis.
Sechs Frauen und zwei Männer bewerben sich auf der Liste der SPD für den Bönnigheimer Gemeinderat. Mit Renate Opiolla, Dorothea Bechtle-Rüster und Markus Bachmann kandidieren die aktuellen Gemeinderäte erneut. „Wichtig sind mir, dass es für unsere Kinder und Jugendlichen ein gutes Betreuungs- und Bildungsangebot in Bönnigheim gibt – mit verlässlichen Betreuungszeiten.“ Für eine bedarfsorientierte und finanzierbare Familienpolitik stark machen und er stehe für eine nachhaltige, effektive und effiziente Finanz- und Energiepolitik, sagt Listen-Kollege Marcel Schwarz: „Außerdem möchte ich mich für eine zukunftsfähige Infrastruktur einsetzen und die Bönnigheimer Aufenthalts- und Lebensqualität noch weiter stärken. Bei allen Themen gilt es, die Generationengerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.“