Bönnigheim
: Mit Ausdauer das musikalische Bönnigheim verändert

Rainer Falk ist Musikschulleiter, Stadtmusikdirektor und musikalischer Kopf der Stadtkapelle. Am 30. November geht er in den Ruhestand. Mit der BZ blickt auf 37 Jahre zurück.
Von
Jürgen Kunz
Bönnigheim
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Rainer Falk gibt Einblicke in die vergangenen 37 Jahre als Musikschulleiter und Stadtmusikdirektor in Bönnigheim.

/Martin Kalb

Seiner Affinität zur Musik und der Entwicklung Bönnigheim zu einer musikalischen Stadt hat Rainer Falk, Stadtmusikdirektor, Leiter der städtischen Musikschule und musikalischer Kopf des Musikvereins Stadtkapelle Bönnigheim, hat er 37 Jahre alles untergeordnet. Am 1. Januar 1990 hat er seine Tätigkeit als Musikschulleiter in der Ganerbenstadt übernommen, am 30. November geht er offiziell in den Ruhestand. Seine Lebensleistung für die Musik und die Musiker in Bönnigheim könnte man ganz einfach anhand einiger Zahlen erklären: 1990 hat die städtische Musikschule 150 Schüler und acht Lehrer in Teilzeit. Die Stadtkapelle zählte 25 aktive Musiker, es gab eine kleine Bläsergruppe.

Abwärtstrend aufhalten und umkehren

An ein Jugend- beziehungsweise Schülerorchester dachte damals noch niemand. „Als ich nach Bönnigheim kam, ging der Trend nach unter und es galt, diesen aufzuhalten und umzukehren“, erinnert sich Falk im Gespräch mit der BZ und er merkt im Rückblick mit der ihm eigenen Zurückhaltung: „Es hat sich viel entwickelt.“ 2026 hat die Bönnigheimer Musikschule deutlich über 600 Schüler, in der Stadtkapelle musizieren 78 Musiker, es gibt ein Schülerorchester mit 68 Kinder und Jugendliche, und das Jugendorchester baut auf aktuell 52 Nachwuchsmusiker.

Die Idee von Rainer Falk war, nach dem er in einer Fachzeitschrift über das Projekt von Bläserklasse an Gymnasien gelesen hatte, diese frühe Ausbildung an Blasinstrumenten auf die Grundschule zu projizieren. „Unser DNA ist ja schon die Bläserklasse, das muss man einfach sagen“, betont er. Die Kunst sei dabei gewesen, Menschen zusammenzubringen und einen Kompromiss zu erarbeiten. Falk nennt den damaliger Schulleiter der Ganerbenschule, Werner Bitzenberger, und den Kämmerer der Stadt, Werner Schlenker, die die Idee der Bläserklasse an einer Grundschule maßgeblich unterstützt haben. „Die Stadt Bönnigheim war sehr offen für die Finanzierung“, sagt Falk.

Weit mehr als 1000 Grundschüler in den Bläserklassen

Denn schließlich gehe es dabei immer auch um die Finanzierung. Falk: „Wenn man überlegt, was einmal in die Hardware investiert wurde, in Form von Instrumenten. Und dass da jetzt weit über 1000 Kinder durch dieses Projekt mit Musik in Verbindung gekommen sind.“ In Bönnigheim gibt es inzwischen die 29. Bläserklasse an der Ganerbenschule, seit Jahren werden Bläserklassen in Erligheim und Kirchheim unterrichtet. „Wir machen nichts Besonderes, aber wir halten durch“, sagt der begeisterte Musiker, Pädagoge und vor allem Initiator und Organisator vieler Musikevents. Die „Langsamkeit und die Wiederholungen“, das sind für Rainer Falk die Erfolgsfaktoren der Bläserklassen. „Das macht das Projekt so wertvoll“, merkt er an.

SBS: eine weitere Konstante für die Musik in Bönnigheim

Seit Oktober 2010 gibt es für den Musikschulleiter eine weitere Konstante für die Musik in Bönnigheim: Das innovative musikalische Bildungsangebot „Singen-Bewegen-Sprechen“ (SBS) für Kinder im Kindergarten. Das Programm sieht wöchentliche Impulse in den Bereichen Singen, Bewegen und Sprechen vor, die im Tandem von Beate Jung als musikpädagogischer Fachkraft zusammen mit Erzieherinnen aus dem Kindergarten gesetzt werden. „Damit wir die Entwicklung der Sprache sowie Rhythmik und Motorik gefördert“, sagt Falk, denn er sieht städtische Musikschule nicht nur als Bildungseinrichtung, sondern auch als Kultureinrichtung und Kooperationspartner in den Kindergärten.

„Das Schöne ist, wenn Kinder – in den Bläserklassen und beim SBS – Teilhabe an einem kulturellen Umfeld bekommen, dies weitergehend unabhängig Familieneinkommen“, bringt es Falk auf den Punkt. Dabei betont er auch das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement im Musikverein Stadtkapelle Bönnigheim nicht nur bei den großen Showprojekten in der Vergangenheit oder beim jährlichen Musik-Kulturwochenende, dem der Bönnigheimer Nachtmusik als einen Höhepunkt. Ihm ist wichtig den ehrenamtlichen Einsatz etwa beim Musik-Wochenende in Kaisersbach, an dem jährlich mehr als 100 Kindern teilnehmen. „Mit den Bläserklassen und in Personalunion im Musikverein, war es der Plan eine tolle Stadtkapelle aufzubauen“, verrät Falk im Rückblick.

Am Übergang zur Nachfolge mitgearbeitet

„Ich habe den Übergang schaffen und in der Entscheidung mitarbeiten dürfen“, freut sich Rainer Falk, der seine Nachfolgerin Isabel González Villar, die seit dem 1. Oktober die Geschicke der städtischen Einrichtung leitet, nennt er „ein Geschenk“. „Seiner“ Musikschule wünscht es zum Abschied, dass diese „die Akzeptanz und ihren Stellenwert in der Stadt hält“. Falk: „Ich schätze, das Bürgermeister Albrecht Dautel und seine Kollegen Rainer Schäuffele (Erligheim) sowie Uwe Seibold (Kirchheim) hinter der Musikschule stehen, und die Wertschätzung in den Gemeinderäten bestehen bleibt.“

„Richtigen Zeitraum zumAufhören gefunden“

Er freut sich, dass er „selbstbestimmt gehen kann“. Es laufe mit der Musik in Bönnigheim gut, und so habe er den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören gefunden. Doch so ganz kann Rainer Falk sein musikalischen Bönnigheim noch nicht loslassen, denn er wird zunächst zum Schuljahresende an zwei Nachmittagen in der Woche weiter seine Trompetenschüler unterrichten.

Und dann gibt es am Samstag, 14. November, einen Empfang für den bisherigen Stadtmusikdirektor zum dem sich mehr als 100 Weggefährten und Gäste angekündigt haben. Am Samstagabend um 19 Uhr mit dem großen sinfonischen Blasorchester, der die Bigband, dem Jugendorchester und kleinen Ensembles auf zwei Bühnen in der Sporthalle 1. Bei seinem Abschlusskonzert „Das Große Finale – 37 Jahre Rainer Falk“ erwartet das Publikum ein abwechslungsreiches Programm voller Klangfarben und Emotionen. Nach einem klassischen Überraschungsstück zum Auftakt entführen Atlantis von Alexander Reuber und The Ghost Ship von José Alberto Pina in faszinierende musikalische Welten. Ein besonderer Höhepunkt ist Invincible von Guido Rennert mit Sängerin Saskia Tabler. „Es wird zwei Überraschungen geben, die ich nicht kenne“, sagt Dirigent Rainer Falk – der eigentlich gerne die Fäden selbst in der Hand hält.