Bönnigheim: Lobpreis zum Mitklatschen

Der Chor „Da Capo“ bei seinem Auftritt in der Bönnigheimer Cyriakuskirche.
/Martin KalbWie beliebt der Chor „Da Capo“ in Bönnigheim ist, zeigte sich am Samstagabend: Die Schlange der Besucher reichte bis weit in die Kirchstraße hinein. In der Cyriakuskirche präsentierten die Sänger ihr aktuelles Gospelprogramm, und am Ende gab es großen Applaus.
Gospel ist die Spezialität des Chors, der 2007 als „junger Chor“ der Concordia Bönnigheim gegründet wurde. Zuletzt trat er im Mai dieses Jahres mit rund 150 Sängern als Projektchor beim Gospel-Kirchentag in Stuttgart auf. „Das sind die magischen Momente, für die wir Gospel lieben“, erinnerte Moderatorin Sandra Rughöft an den Auftritt im Frühjahr. Solche Momente wollte der Chor am Samstag auch in der voll besetzten Kirche schaffen, und er setzte dabei auf eine einfache Dramaturgie.
Leise und laute Töne
Im ersten Teil des zweistündigen Konzerts überwogen die leisen, emotionalen Töne. Nach einem Zwischenteil, in dem sich die jungen Chöre „Crescendo Bönnigheim“ und „Starlights“ aus Ludwigsburg vorstellten, wurde es frisch, laut und überschwänglich.
Allen Stücken gemeinsam war das Thema: Lobpreis und Dank, Glaube und Hoffnung, vorgetragen mit Freude und Gefühl. Dabei setzte der Chor vor allem auf leicht zugängliche Pop-Arrangements der christlichen Lieder, durchsetzt mit Elementen aus Blues, Jazz und Dixieland. Alle drei Chöre leitet Jörg Thumm. Der Chordirektor begleitete die Sänger am Piano und dirigierte mit sparsamen Gesten.
Der Chor und die dreiköpfige Rhythmusgruppe (Melanie Albrecht, Schlagzeug, Klaus Schneider, Saxofon, und Matthias Keefer, Gitarre) zeigten sich als eingespieltes Team. Es passte alles zusammen: die Dynamik des Gesangs, die Einsätze bei Rhythmuswechseln, die Generalpausen, die dezente, nie aufdringliche Begleitung und die Sanftheit, mit der Klaus Schneider mehrere Stücke einleitete. Wie präzise der Chor singt, zeigte sich besonders in der A-cappella-Version von „No Rock to Take My Place“. Eine professionelle Lichttechnik tauchte die Mauern der Kirche in bunte Farben und Muster und setzte die Solisten gut in Szene. Mancher Besucher hinter den breiten steinernen Pfeilern reckte den Kopf, um besser zu sehen.
Die Sänger, in Schwarz und Weiß gekleidet, standen ohne Noten auf der Bühne. Das spricht für intensive Probenarbeit und schuf Raum für tänzerische Einlagen, soweit die beengte Bühne es zuließ. So erinnerte der Auftritt entfernt an die Gospelgottesdienste der Afroamerikaner in den USA, wo Tanz und freudige Ekstase dazugehören.
Funke springt über
Schnell sprang der Funke auf die Zuhörer über, die einzelne Lieder rhythmisch mitklatschten. Wie die Freude am Singen die Stimmung im Saal hebt, zeigte ein Medley, das mit dem Klassiker „Down by the Riverside“ begann. Bei „Hey Man“, einem der bekanntesten Gospel-Songs, war das Publikum vollends dabei.
Besonders gefeiert wurden die Solisten des Chors: Anna Altmann, Anja Oehler, Maren Sigl, Janina Lohrer, Heiner Ziegler und Tim Hainsworth-Appel. Lohrer und Hainsworth-Appel durften gleich mehrfach glänzen. In den hinteren Reihen wirkte die Lautsprecheranlage allerdings zu schwach, sodass man sich vor allem die Solostimmen der Frauen etwas deutlicher gewünscht hätte.
Doch das war nur der Wermutstropfen in einem rundweg gelungenen Abend. Einen tieferen Eindruck hinterlassen die Präzision und Spielfreude des Chors. Mancher Schlussakkord ging im Beifall unter.