Bönnigheim: Inklusives Wohnprojekt vorgestellt

Wenn es nach Robert Malessa geht, sollen in der Lauffener Straße statt des alten Feuerwehrhauses bis Ende 2028/Anfang 2029 Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung, betreutes Wohnen, ein Café und weitere Wohnungen entstehen.
/Martin KalbBehinderte Menschen haben es nicht einfach einen Arbeitsplatz zu finden. Und oft gestaltet sich die Wohnungssuche noch schwieriger. Hier setzt Robert Malessa an. Er will auf der Fläche des alten Feuerwehrhauses an der Lauffener Straße Inklusionswohnen verwirklichen.
Wie kommt er auf diese Idee? Robert Malessa war früher Werkstattleiter bei den Theodor-Lorch-Werkstätten, hat selbst einen Sohn, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, und ist als Bauingenieur auch Geschäftsführer der Malessa Immobilien GmbH. Vor diesem Hintergrund möchte der langjährige Tammer Stadtrat mit seiner Firma auf eigene Kosten das alte Feuerwehrhaus in Bönnigheim abreißen und stattdessen dort Räume für Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung, betreutes Wohnen für die ältere Generation, ein Café als Begegnungsstätte und Wohnungen für das allgemeine Wohnen errichten. Dass er so etwas kann, hat er beim Inklusions-Wohnprojekt in der Schlesierstraße 8 bereits gezeigt. Dabei hat er seine Teamfähigkeit unter Beweis gestellt: Zusammen mit dem Verein Insel und dem Pflegedienst Tanja Dzoja ist eine erfolgreiche Betreuung für zwei Vierer-Wohngemeinschaften behinderter Menschen gewachsen. „Wir drei sind alle gerne bereit, ein neues soziales Projekt anzustoßen“, so Malessa bei der Vorstellung des Vorhabens im Gemeinderat. Und das gerade in Bönnigheim, weil hier auch die Theodor-Lorch-Werkstätten eine Außenstelle betreiben.
Hinter der Insel verbirgt sich seit 1983 die gemeinnützige „Initiative Selbständiges Leben Behinderter im Landkreis Ludwigsburg“. Die Pflege bietet der Tanja Dzoja-Pflegedienst an. Dzoja kann sich auch vorstellen, sich bei betreutem Wohnen und einer Verhinderungspflege zu engagieren. In einer ersten Planung stellt sich Malessa zwei Wohnungen für Zweier-WGs, ein Café mit Terrasse, einen Spielplatz und einen Beratungsraum im Erdgeschoss vor.
Fassadengrün gegen Hitze
Im ersten Stock könnten zwei weitere Zweier-WGs untergebracht, zwei Wohnungen für Betreutes Wohnen und drei Wohnungen für Personal oder allgemeines Wohnen sowie ein Personalraum Platz finden. Im zweiten Obergeschoss sind vier Wohnungen für Betreutes Wohnen und vier weitere Wohnungen vorgesehen.
Im nördlichen Gebäudeteil ist ein Staffelgeschoss vorgesehen, das mit Dachbegrünung und PV-Anlage bedeckt ist. Beides ist auch im südlichen Teil des Daches vorgesehen. Eine Fassadenbegrünung ist Malessa wichtig, um der Überhitzung entgegen zu wirken. Geparkt werden kann auf vor dem Haus und in einer Tiefgarage, die von der Lauffener Straße angefahren wird. Die Abstandsflächen würden eingehalten, versicherte der Fachmann und stellte auch gleich einen optimistischen Bauplan vor: Bis Ende 2026 soll der Bauantrag eingereicht werden. Spätestens ein halbes Jahr nach der Genehmigung soll der Baubeginn erfolgen. Als Bauzeit rechnet er mit rund 14 Monaten und hofft auf eine Fertigstellung Ende 2028 oder im ersten Quartal 2029.
„Positive Weiterentwicklung“
Das „durchaus prägnante Grundstück“ am Ortseingang Bönnigheims erfahre dadurch eine „positive Weiterentwicklung“, stellte Bürgermeister Albrecht Dautel fest. Stadträtin Christa Häußer (FWV/CDU) freute sich über die Lösung. Sie hoffe, das „Grün“ komme so raus, wie es auf den Bildern aussehe. Ihr Kollege Tilo Staudenrausch (ABö) regte an, die Begrünung explizit festzuschreiben. Sorge bereite Häußer jedoch die Querungssituation der Lauffener Straße.
Dautel hofft, dass die Malessa Immobilien GmbH zusammen mit dem Landratsamt hier eine adäquate Lösung finden werde. Ebenfalls begeistert zeigt sich Stadtrat Jochen Türk (Grüne), der in Malessa seinen ehemaligen Chef bei den Theodor-Lorch-Werkstätten wiederfand. Er lobt die angestrebten Synergien als eine Riesensache. „Bis zu den Werkstätten sind es gerade mal 700 Meter“, betonte er. „Super“ fand SPD-Rätin Dorothea Bechtle-Rüster den Plan.