Bönnigheim
: Eloquent und bodenständig

Mit Manfred Häußer ist am Freitag eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt verstorben. Der 77-Jährige hat vielfältige Spuren hinterlassen.
Von
Jürgen Kunz
Bönnigheim
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Die Firma Amann war für Manfred Häußer (Foto von 2011) viel mehr als ein Arbeitgeber. Es gab zwischen ihm und dem früheren Firmenchef Hanns A. Pielenz ein enges Vertrauensverhältnis.

Helmut Pangerl

Sein berufliches Leben war eng mit der Firma Amann in Bönnigheim verbunden, seine Leidenschaft und ehrenamtliches Engagement gehörte der ehemaligen genossenschaftlichen Strombergkellerei, darüber hinaus prägte Manfred Häußer über Jahrzehnte hinweg den Bönnigheimer Obst- und Gartenbauverein, und zwölf Jahre waren seine kommunalpolitischen Einschätzungen gefragt im Bönnigheimer Gemeinderat.

Vertrauter des Chefs

Ein halbes Jahrhundert gehörte Manfred Häußer der Firma Amann an. Mit vierzehneinhalb Jahren begann er im Unternehmen eine Schlosserlehre, am Ende war er Vertrauensperson von Inhaber Hanns A. Pielenz, bis zu dessen Tod im Jahr 2013. In Abendkursen und samstags hatte er in den Jahren 1972/73 den Meisterkurs als Mechanikermeister belegt. Eine schwierige Zeit für den damals 25-Jährigen, denn nicht nur die Arbeit bei Amann forderte ihn. 1972 war sein Vater Paul, 59-jährig, gestorben und so musste sich Häußer zusätzlich um den elterlichen landwirtschaftlich geprägten Betrieb zusammen mit seinem damals erst 17 Jahre alten Bruder Rolf kümmern. Als einer von drei Meistern im technischen Bereich war Häußer später verantwortlich für sämtliche überwachungspflichtige Anlagen. Zusammen mit 15 Mitarbeitern – Schreiner und Maurer – kümmerte er sich auch um kleinere Umbauten, holte Angebote ein und vergab Aufträge an externe Handwerksbetriebe.

Vorstandsvorsitzender der WG

Häußer betonte immer, dass die Amann-Firmenleitung ihn immer in seiner ehrenamtlichen Funktion als Vorstandsvorsitzender der genossenschaftlichen Strombergkellerei unterstützt habe. Allerdings habe auch das Unternehmen davon profitiert, wenn er beispielsweise Firmenbesucher bei einem Rundgang durch die Weinbergsteillagen am Neckar beeindrucken konnte. 28 Jahre war Häußer in verantwortlicher Position der WG, von 1987 bis 2010 deren Vorstandsvorsitzender. Dabei blickte der 77-Jährige über den Bönnigheimer Tellerrand in die Weinwirtschaft hinaus: Er war 1988 bis 2008 im Aufsichtsrat der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft, davon neun Jahre als deren Aufsichtsratsvorsitzender. Für seine „hervorragende ehrenamtliche Verdienste“ für die genossenschaftliche Strombergkellerei, wie es der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus formulierte, wurde Häußer im Dezember 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Herzensangelegenheit: OGV

Der Bönnigheimer Obst- und Gartenbauverein (OGV) war für Häußer immer eine Herzensangelegenheit. Mehr als 35 Jahre war er im Vereinsausschuss, er übernahm die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden und war bis März 2014 insgesamt 20 Jahre Vorsitzender des OGV. Inzwischen Ehrenvorsitzender würdigte der Landesverband die Verdienste Häußers 2015 mit der höchsten Auszeichnung, dem „Goldenen Apfel mit Goldkranz“.

Nicht nur als Vereinsfunktionär schätzte man in Bönnigheim den jetzt Verstorbenen, viele Jahrzehnte lang beurteilte er als Mitglied der Blumenschmuck-Jury die Blüten- und Blumenpracht in Bönnigheim, Hofen und Hofenstein.

Erfahrener Kommunalpolitiker

„Als Spätberufener“, so charakterisierte ihn der frühere Bürgermeister Kornelius Bamberger, als der damals 57-jährige Häußer 2004 in den Bönnigheimer Gemeinderat gewählt wurde. Den Gemeinderat Häußer zeichnete aus, dass ihm immer klar war, die Kommunalpolitik ist am Ratstisch die Basispolitik. Dabei hat er das Kommunale als spannend empfunden, Spannungen aber hat Häußer für entbehrlich gehalten. Im Juni 2016 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Gemeinderat aus.