Bönnigheim: Besser bestellen mit Handy und KI

Beim Vermessen mithilfe des Handys sollte man körpernahe Kleidung tragen.
/Hohenstein InstituteDas T-Shirt war im Onlineshop schnell bestellt, fiel dann aber doch eine Nummer zu groß aus und musste zurückgeschickt werden. Für den Kunden verursacht ein solcher Umtausch oft keine Kosten, für das Unternehmen aber schon, weil das Shirt aufgebügelt und neu verpackt werden muss. Durch den zusätzlichen CO2-Ausstoß wird zudem die Umwelt belastet. Mithilfe einer App wollen die Hohenstein Institute aus Bönnigheim zusammen mit dem Münchner Start-up „Sizekick“ dafür sorgen, dass es künftig weniger Umtausche gibt und dadurch weniger Ressourcen verbraucht werden. Wie das funktioniert, erklärt Dr. Jan Beringer, Senior Scientific Expert der Hohenstein Institute.
Seit vier Wochen online
Mindestens 50 Prozent der Online-Käufe von Kleidungsstücke werden umgetauscht. Beringer schätzt, dass der Anteil sogar noch höher ist.
Mit der App, die seit vier Wochen in einigen Onlineshops wie Black Diamant, Marc Cain und Avocadostore eingebunden ist, wird die Handykamera genutzt, um die richtige Größe von Kleidungsstücken zu ermitteln. Dazu stellt man das Handy mit aktivierter Kamera auf den Boden und dreht sich einmal um die eigene Achse. Dabei ist es wichtig, dass man eng anliegende Kleidung trägt wie etwa eine Yogahose, betont Beringer. Per Handy und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden zum Beispiel Bauch-, Hüft- und Brustumfang vermessen. Anschließend werden die Messwerte mit der Datenbank zum Beispiel des T-Shirt-Herstellers verknüpft. „Für dieses Produkt empfehlen wir Dir Größe M“, könnte zum Beispiel ein Ergebnis sein.
„Die Reaktionen auf die App sind gut“, sagt Jan Beringer. Obwohl sie erst seit einigen Wochen im Einsatz ist, seien die Retouren schon um bis zu zehn Prozent zurückgegangen. „Das rechnet sich für die Unternehmen sofort“, ist er überzeugt. Darüber hinaus habe der Kunde eine positives Kauferlebnis, wenn das online bestellte Kleidungsstück auf Anhieb passt. Schon jetzt sind die Entwickler mit dem Ergebnis zufrieden, „und die KI lernt ständig dazu“, sagt Beringer.
1,3 Millionen Euro investiert
Die Hohenstein Institute haben vor etwa eine Jahr den Anschub der App mit 1,3 Millionen Euro als Investor gefördert. Noch wichtiger ist Beringer aber, dass die Institute ihre Kernkompetenz einbringen könne: Größensysteme, Passform, Schnittgestaltung. Außerdem verfügen sie aufgrund der großen Körperdatenbank, die mithilfe von 3D-Körperscans aufgebaut wurde, über große Erfahrungswerte – vom Säugling bis zum Rentner.“
Von der Zusammenarbeit mit dem Start-up ist Beringer begeistert: Das Team verstehe viel von Künstlicher Intelligenz, ihnen sei aber klar gewesen, dass sie jemanden bräuchten, der etwas vom Produkt versteht. So seien sie als Experten ins Spiel gekommen. Behringer lobt die Offenheit des Start-ups: „Das Team ist richtig gut und die Chemie hat gestimmt.“ Ein bis eineinhalb Jahre dauerte die Entwicklung der App, auch nach ihrem Start gehe sie weiter. Beringer: „Das Tool ist jetzt schon super und wird immer noch besser werden.“