Bilanz der Weinlese von WG Stromberg-Zabergäu und Felsengartenkellerei: Entspannt gute Qualitäten geerntet

Die Handlese in den Weinbergen der genossenschaftlich organisierten Wengerter geht immer mehr zurück. In der WG Stromberg-Zabergäu liegt der Einsatz von Vollerntern bei rund 70 Prozent. Mittels dieser Maschinen können durch einen schnellen Einsatz zum richtigen Zeitpunkt die Qualitäten gesichert werden, sagt Thomas Eberbach, Leiter Oenologie und Technik.
/Werner Kuhnle2022 kann man von der Qualität als guten Jahrgang einschätzen“, urteilt Thomas Eberbach, Leiter Oenologie und Technik bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Der Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei Besigheim, Joachim Kölz, ist noch optimistischer: „Wir erwarten einen Spitzenjahrgang 2022 mit hervorragenden Qualitäten bei Rot- und Weißweinen sowie beim Sekt.“
Die Mostgewichte sind bei der WG Stromberg-Zabergäu nicht zu hoch, wie Eberbach betont: „Mit dadurch moderatem Alkoholgehalt später in der Flasche liegen die Weine des Jahrgangs 2022 im Trend der Kunden.“ Weintrinker könnten dann auch einfach einmal ein Gläschen mehr trinken. Die Säuregehalte der letztjährigen Weine seien sehr hoch gewesen, dagegen seien diese im Jahrgang 2022 in „einem normalen Bereich“. Eberbach erwartet schöne frische Weine, in denen die Säure genau passt und die dadurch recht bekömmlich werden. Die Rotweine haben eine ausbalancierte Tanninstruktur und würden sicherlich sehr voll. „Die Weine sind natürlich noch sehr jung, es ist eine sehr frühe Einschätzung“, sagt der Leiter Oenologie und Technik.
Ausreißer nach oben und unten?
Bei der „Signum“-Ernte habe es beim Lemberger Mostgewichte mit 100 Grad Öchsle gegeben. Es seien hochreife Lemberger gewesen, die in diesem Jahr recht früh geerntet wurden. Von sehr gesunden Trauben mit einer Beerenschale, die mit Blick auf die Gerbstoffe schon schön reif und weich waren, berichtet Eberbach: „Das lässt große Rotweine mit schönen weichen, trinkfreudigen Gerbstoffen erwarten.“ Ausreißer nach unten? Es habe auch Trollinger- oder Rieslinganlagen gegeben, die im Sommer sehr trocken waren, und deshalb geringe Mostgewichte hatten, die aber gesondert ausgebaut werden.
„Aufgrund der konsequenten, gezielten Erzeugung in unserer Genossenschaft haben wir keine ,Ausreißer’, sondern erwarten Qualitäten, wie wir sie geplant haben“, betont der Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei. Einzig beim Riesling hätten die Mitglieder dieses Jahr besonders auf gesundes Lesegut und eine rechtzeitige Lese achten müssen. Joachim Kölz: „Ansonsten waren Mitglieder und Kellerteam dieses Jahr mit der Entwicklung bei allen Rebsorten, egal ob in den Steillagen oder in flacheren Weinbergen, außerordentlich zufrieden.“
Auswirkung des heißen Sommers?
„Vegetationsbedingt, vom Austrieb bis zur Ernte, konnten wir eine hohe Qualität und, trotz der Trockenheit im Sommer, rund 25 Prozent mehr Menge als in den beiden Vorjahren erzielen“, sagt Kölz. Die Mitglieder seien sehr aktiv im Sommer bei der Bewässerung der Weinberge gewesen, erklärt Eberbach, entweder direkt, hauptsächlich aber aus Wasserfässern. „Man merkt, dass dies gut war“, so der Leiter Oenologie und Technik. Viel Regen, Anfang des Herbstes, habe bei den spätreifenden Sorten wie Lemberger, Trollinger oder Riesling noch einiges gebracht. „Insgesamt ist die Traubengesundheit sehr gut gewesen, und so war es recht entspannt, einen Leseplan zu machen“, so Eberbach, mit der Einschränkung, dass das Wetter zu Herbstbeginn deutlich ein kurzfristiges Reagieren nötig machte.
Mengenmäßig sei es für die WG Stromberg-Zabergäu wieder ein normaler Herbst gewesen, nachdem die letzten Jahre eher „kleine Herbste“ waren. „Wir bewegen uns, bis der Herbst beendet ist, zwischen neun und zehn Millionen Kilogramm“, konkretisiert Eberbach. Zu den Erntemengen bei der Felsengartenkellerei könne man, so Kölz, erst nach Ende der Lese am Samstag etwas sagen: „Am Mittwochabend hatten wir aber schon über 8,5 Millionen Kilogramm Trauben von unseren Mitgliedern geliefert bekommen.“
Handlese oder Vollernter
„Wir liegen bei der Vollernter-Lese bei rund 70 Prozent“, sagt Eberbach. Man nütze den Vollernter dazu, auch besondere Qualitäten einzubringen. Es handle sich zwar nicht um die „High-End-Qualitäten“, „aber wenn man schnell Riesling ernten muss, weil dieser auf den Punkt genau reif ist“, dann könne man mit dem Vollernter punktgenau sehr viel in kurzer Zeit ablesen. „Bei der Handlese ist es leider inzwischen so, dass man die Manpower kurzfristig nicht mehr hinbekommt“, bedauert Eberbach. Man nutze den Vollernter dazu, Qualität zu sichern.
Bei der Felsengartenkellerei wird, so Kölz, rund ein Drittel der 730 Hektar Rebfläche, die die Genossenschaft aktuell im Anbau hat, mit dem Vollernter gelesen. Die Vollernterlese habe sich gegenüber den letzten Jahren auch 2022 weiter erhöht, ein Umstand, der der immer besseren Technik bei den Vollerntern, aber auch den immer weiter steigenden Personalkosten in der Landwirtschaft geschuldet sei.
Die Felsengartenkellerei habe deshalb die internen Anforderungen an die Qualität der Vollernterlese für 2022 nochmals erhöht, betont der Vorstandsvorsitzende: „Grundsätzlich muss jeder einzelne Weinberg vom Weingärtner bei uns angemeldet und dann durch die Felsengartenkellerei freigegeben werden, bevor dort mit dem Vollernter gelesen werden darf.“