Bietigheimerin in Namibia: In Afrika gelehrt und gelernt

Katja Noller in Botswana „hautnah“ bei den Elefanten.
privatNamibia – welch ein Begriff. Jahr für Jahr entzücken die atemberaubende Landschaft und Tierwelt neben der gastfreundlichen Bevölkerung hunderttausende von Touristen aus aller Welt. Es gibt aber auch Menschen, die kommen, um abseits der Touristenpfade Erfahrungen zu sammeln. Beispielsweise Katja Noller aus Bietigheim, die rund ein Jahr lang in Namibia freiwilligen Dienst für Kinder leistete.
Sieht man einmal vom fortwährenden Heimweh ab, das die jetzige duale BWL-Food Management-Studentin im zehn Flugstunden entfernten, 2,6 Millionen Einwohner kleinen südwestafrikanischen Land der Extreme durchaus plagte, waren Namibia und Umgebung für die nun 20-Jährige offensichtlich eine unvergessliche Episode. Gespickt mit Erfahrungen und Abenteuern, die sie auch entsprechend dokumentierte.
Exotischer Alltag
Begonnen hat alles damit, dass sie nach dem Abitur nicht so recht wusste, was tun. Ihre Cousine, „eine Weltenbummlerin“, machte ihr das Ausland schmackhaft. Und so kam es, dass Katja über die Volunta gGmbH des Deutschen Roten Kreuzes Hessen nach Namibia auszog.
In der ehemaligen deutschen Kolonie, die fast zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, aber 32 Mal weniger Einwohner zählt, erlebte die junge Schwäbin eine intensive Symbiose aus Arbeit, Erfahrungen sammeln und faszinierenden Impressionen. Hitze und nächtliche Kälte, die Andersartigkeit der Mentalitäten und Zeitgefühle, die augenscheinliche Diskrepanz zwischen Arm und Reich inklusive.
Die Teilnahme an einer Beerdigung ist damit ebenso gemeint wie beispielsweise das Miterleben einer Hochzeit oder des durchaus exotischen Alltags in einem Land mit elf Amtssprachen von Afrikaans bis Khoekhoegowab. Einem Land, „in dem Pünktlichkeit oft einen nicht so hohen Stellenwert wie hierzulande einnimmt“, und mit einem Speiseplan, der, statt mit Spätzle, auch mit gegrillten Mopane-Würmern oder Ziegenköpfen garniert ist.
Exkursionen in Nachbarländer
Sie genoss Exkursionen in Städte wie Windhoek, Lüderitz oder Swakopmund, in das schillernde Licht- und Landschaftspanorama der ältesten Wüste der Welt im weltberühmten Soussusvlei, ins unwirtliche Gebirge, zum Fish River Canyon, zum atemberaubenden Tafelberg ins nachbarliche Südafrika, nach Botswana und zu den Viktoria-Fällen in Zimbabwe.
Tief beeindruckend war demnach auch eine Tour mit drei Kolleginnen mit einem Campingbus mitten ins wilde Landesinnere, und zwar samt Reifenpannen. Alles bereicherte ihren Erfahrungsschatz genauso wie Surfen auf dem Atlantischen Ozean, die Teilnahme an Leichtathletik-Sportfesten mit ungewöhnlichen Modalitäten (den Startblock muss man schon selbst mitbringen und wird nicht vom Veranstalter gestellt) und keinesfalls zuletzt die nahezu „hautnah“ erlebte artenreiche Tierwelt mit Elefanten, Löwen, Affen, Giraffen, Oryxen und, und, und.
Gastfreundschaft beeindruckt
Positiv beeindruckt ist die gebürtige Bietigheimerin bis heute von der Gastfreundschaft der Menschen in Namibia. „Ja, alle sind sehr freundlich. Ich kann es jedem nur ans Herz legen, ebenfalls mal nach Namibia zu reisen“, schwärmt die Bietigheimerin von dem Land. Das Thema Kolonialzeit gab es nirgends als Schuldzuweisung.
Konkret arbeitete die Tochter des FDP-Stadtrats Götz Noller und Enkelin des Bietigheim-Bissinger Stadtverband-für-Sport-Gründers Hans Noller zunächst im Sunshine-Kindergarten in Karibib. Diese Stadt liegt ungefähr in der Mitte zwischen Swakopmund und Windhoek.
Dort zählten die Hausaufgaben-Betreuung, Singkreise mit Gebeten – 82 Prozent der Bevölkerung sind sehr gläubige Christen, mehrfach am Tag wird gebetet – gemeinsames Backen, Obst- und Gemüse-Kunde, die Organisation von Schulfesten, das Einüben von Weihnachtsliedern oder auch der Umgang mit Geld und vieles andere mehr zu den täglichen Aufgaben von Katja.
Sie schnupperte als Volunta-Freiwillige auch in eine Primary School in Swakopmund rein, um dann in diese, weit weniger heiße Stadt beziehungsweise in diese dortige Schule komplett zu wechseln und eine Lehrkraft in sechs Unterrichtsfächern zu unterstützen. Insgesamt betreute sie in diesem Dienstjahr gut hundert Kinder.
Hälfte kann nicht lesen
Den Unterricht empfand sie in ihrem Lehrjahr mitunter „etwas frustrierend“, zumal die Hälfte der 40 Schulkinder bedauerlicherweise nicht lesen und somit die Aufgaben nicht bewältigen konnten. In Swakopmund hatte sich die Studentin aus Bietigheim einem Leichtathletik-Verein angeschlossen. Einige der Sportfreunde sporteln auf Grund mangelnder finanzieller Mittel barfuß. Barfuß gehen vor allem die Kinder freilich auch im Alltag durch die Lande.
Nach einer Tuberkulose-Attacke und einem Praktikum in einer Lodge ging es für Katja Noller nach Einsätzen als Kindergärtnerin, Lehrerin, Touristin beziehungsweise Praktikantin nach überstandenem Sandsturm, nach Flug-Odyssee und einer herzlichen Verabschiedung durch die Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte, die sich über die Unterstützung in den vollen Klassen (oft 40 Kinder) sehr gefreut hatten, nach elfeinhalb Monaten wieder nach Hause, um hier zu studieren, bei der lieben, oft sehr vermissten Familie zu sein. Namibia will sie aber auf alle Fälle nochmals besuchen.