Bietigheimer Eishockey-Talent
: Begeistert von Erlebnissen in Italien

Madalena Seidel vom SC Bietigheim-Bissingen hat mit dem Nationalteam Erfahrungen beim European Youth Olympic Festival gesammelt, die sie direkt zu einer besseren Spielerin machen.
Von
Michael Nachreiner
Bietigheim
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Auf dem Eis fühlt sich Madalena Seidel zu Hause. „Ich mag die Schnelligkeit, dass man selbst immer schnell reagieren muss, und das Teamplaying“, berichtet die 14 Jahre alte Talheimerin.

/Martin Kalb

Madalena Seidel ist immer noch hin und weg von den Erlebnissen beim European Youth Olympic Festival (EYOF) in der italienischen Region Friuli Venezia Giulia. „Sie wird bestimmt noch eine Weile brauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten“, ist sich Tina Seidel sicher, die Mutter der 14-Jährigen. Die Eishockeyspielerin des SC Bietigheim-Bissingen hat mit der Auswahl des Deutschen Eishockey Bunds (DEB) an dem Europäischen Olympischen Jugendfestival teilgenommen, ihrem ersten internationalen Turnier. „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Und als Team sind wir richtig zusammengewachsen“, berichtet die Talheimerin.

Sieben Tage lang war alles auf Eishockey ausgelegt. „Als ein paar Mädels aus dem Team mit einigen Tschechinnen eine Schneeballschlacht gemacht haben, haben wir schon einen Anschiss bekommen“, erzählt Madalena Seidel. Dadurch, aber auch durch die Tatsache, dass das Eishockeyturnier der Mädchen im österreichischen Spittal an der Drau stattgefunden hat, kam der olympische Gedanke etwas zu kurz. „Ich hätte gerne etwas mehr gemacht“, sagt Madalena Seidel. Da die Wettkampfstätten der anderen Sportarten zu weit weg waren, „hätte mir schon gereicht, wenn wir als Team mal in die Stadt gedurft hätten“, berichtet die 14-Jährige, die in Lauffen die Realschule besucht.

Olympischer Gedanke

Um ein bisschen was vom olympischen Gedanken aufzusaugen, blieb Madalena Seidel und ihren Mannschaftskameradinnen nur die Eröffnungsfeier in Triest und die Abschlusszeremonie in Udine. Wie bei den Olympischen Spielen der Erwachsenen zogen die Nationen unter Musik und dem olympischen Feuer ins Stadion ein. Ein beeindruckendes, für die 14-Jährige kaum in Worte zu fassendes Erlebnis. „Ich habe mich einfach nur gefreut. Viel durch den Kopf gegangen ist mir gar nicht“, erzählt sie.

Zehren wird die Talheimerin vor allem sportlich von dem Jugendfestival. „Das war eine richtig tolle Erfahrung. Eindrücke zu sammeln, war super“, erzählt Madalena Seidel und ergänzt: „Ich habe jetzt einen besseren Überblick auf dem Eis. Ich kann besser erkennen, was auf dem Feld passiert. Und auch die Passwege sind besser ersichtlich.“ Die DEB-Trainer haben mit dem deutschen Team aber auch immer wieder Taktikanalysen gemacht. „Fast jeder Spielzug wurde hinterher in der Videobesprechung auseinandergenommen“, berichtet Tina Seidel.

Vor allem von den Tschechinnen war Madalena Seidel begeistert, die das EYOF durch ein 4:1 im Finale gegen die Slowakei gewonnen haben. „Das Tempo bei ihnen war sehr hoch. Und wie sie läuferisch drauf waren...“, erklärt die 14-Jährige. Ihre Mutter Tina Seidel ordnet die Überlegenheit aber gleich ein: „Die Tschechinnen, aber auch die Schwedinnen spielen wohl schon recht früh in einer eigenen Mädchenliga.“

DEB-Team wird Achter

Sportlich war das Jugendfestival für die weibliche DEB-Auswahl nicht sonderlich erfolgreich. Das Team belegte den achten Platz – bei acht Teilnehmern. In der Gruppe verloren Madalena Seidel und Co. gegen Italien mit 3:5, gegen Tschechien mit 1:9 und gegen Schweden mit 1:7. Im Spiel um Platz sieben gegen den Vierten der anderen Vorrundengruppe, die Schweiz, setzte es dann noch eine unglückliche 2:3-Niederlage. Ein Empty-Net-Tor sorgte für die Entscheidung. „Trotz der Niederlagen hatten wir Spaß“, berichtet Madalena Seidel. Und ihre Mutter Tina Seidel ergänzt: „So gut war die Stimmung im Team sogar noch nie, haben andere Eltern erzählt, die schon öfters bei solchen Turnieren dabei waren.“

Ein Tor gelang Madalena Seidel zwar nicht. Mit ihrer Eiszeit war die Talheimerin aber zufrieden, die erst vor einem Jahr mit Eishockey begonnen und davor Inline-Hockey gespielt hat. „Im ersten Spiel gegen Italien stand ich nicht sehr lange auf dem Eis. Danach bin ich aber von der vierten in die dritte Sturmreihe aufgerückt. Da ging es dann“, erzählt sie.

Jugendliche an olympische Bewegung heranführen

Das European Youth Olympic Festival (EYOF) geht auf eine Initiative des früheren IOC-Präsidenten Jacques Rogge zurück. 1991 wurden erstmals die sogenannten Europäischen Olympischen Jugendtage durchgeführt, heute besser bekannt unter dem Namen Europäisches Olympisches Jugendfestival (EYOF). Ziel dieser Veranstaltung ist es, die besten europäischen Jugendlichen an die olympische Bewegung und die Anforderungen des Spitzensports heranzuführen. Die Teilnahme am EYOF soll bei den Jugendlichen auch den Traum wecken, einmal bei Olympischen Spielen zu starten. Zugleich soll das Event die Einheit der europäischen Nationen symbolisieren – zusammen mit der reichen und differenzierten Kultur, die auf dem europäischen Kontinent anzutreffen ist.