Bietigheim Steelers
: SCB mit 1:5-Klatsche noch gut bedient

Der SCB geht beim Heimspiel gegen Regensburg mal wieder unter. Dabei verpatzt das Schlusslicht vor allem das zweite Drittel.
Von
Niklas Braiger
Bietigheim
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Statt einem guten Rutsch ins neue Jahr schlittert der SCB auf Glatteis in Richtung 2024. Das letzte Spiel des Jahres verlieren Fabjon Kuqi (in grün) und Co mit 1:5.

Ralf Poller/Avanti

Ein gellendes Pfeifkonzert hallt nach der Begegnung zwischen den Bietigheim Steelers und den Eisbären Regensburg durch die Ege-Trans-Arena. Die 3612 Zuschauer haben nach der 1:5-Klatsche am 32. Spieltag der Deutschen Eishockey Liga 2 die Nase gestrichen voll und tun ihren Unmut kund. Wobei, nicht alle stimmen in die Pfiffe und Buh-Rufe ein. Der gutbesuchte Gästeblock hat Grund zum Feiern. Denn während des Spiels wirkt der SCB zeitweise chancen-, kraft-, ideen- und hilflos.

„Ich vermisse ein bisschen das Verständnis der Fans, ganz ehrlich. Weil wir geben alles für den Verein. Es ist eine schwierige Situation, nur zusammen können wir raus. Es bringt gar nichts die Leute runterzubringen“, sagt Trainer Daniel Naud über den Fan-Support. Kapitän Pascal Zerressen kann die Reaktionen derweil schon etwas mehr nachvollziehen: „Wenn man heute dreieinhalb tausend Fans hat und am Ende 1:5 verliert darf man den Unmut der Fans natürlich auch ein bisschen Verstehen. Aber es ist kein Spieler ins Spiel gegangen und hat gesagt, er will das Spiel verlieren.“

Denn es gab für die Steelers-Fans am Samstagabend wahrlich nicht viel zu Feiern. Auch wenn die Hausherren den ersten Akzent setzen – Zerressen verzieht den ersten Abschluss – geht sonst offensiv wenig. In einem ereignisarmen ersten Abschnitt setzen die Eisbären den ersten Stich. Nach gut elf Minuten landet der Puck bei Goldhelm Andrew Yogan, der das Auge hat für den sträflich frei stehenden Jakob Weber, der unbedrängt zum 1:0 einschieben kann.

Erster Abstauber von vielen

Goalie Olafr Schmidt zeichnet sich im Anschluss mit einigen guten Paraden aus, im Angriff ist jedoch noch mächtig Sand im Getriebe. Den Schüssen der Ellentäler fehlt die nötige Präzision und Konsequenz, kaum ein Bietigheimer geht nach einem Abschluss in Richtung gegnerisches Tor, um einen Abpraller zu verwerten. Das macht der EVR besser, so etwa in der 26. Minute, als Fabjon Kuqi sich an der Regensburger blauen Linie von Nikola Gajovsky abkochen lässt und der alleine auf Schmidt zugeht. Der Stürmer scheitert zwar noch am Pfosten, Christoph Schmidt ist jedoch wacher, als die gesamte Steelers-Abwehr und schiebt locker ein.

Doch plötzlich entfacht das ein Feuer unter den Hausherren. Keine 30 Sekunden später macht Dominik Lascheit die Scheibe hinter dem EVR-Kasten fest und legt zurück auf Ryon Moser. Dessen Abschluss wird zwar noch geblockt, allerdings steht ausnahmsweise mal ein Stürmer in grün vor dem Tor, in diesem Fall Lewis Zerter-Gossage, und stochert das Hartgummi an Keeper Thomas McCollum vorbei zum 1:2-Anschlusstreffer.

Steelers im Alu-Glück

Die Freude der Heim-Fans wehrt jedoch nicht allzu lange. Binnen fünf Minuten fallen die Steelers in sich zusammen. Nach einem Lattenkracher von Abbott Girduckis spielt Zerressen an der Bande den Puck direkt ins Zentrum zurück auf den Schläger des Kanadiers, der erneut nur die Torumrandung trifft. Den Abpraller schiebt dann Corey Trivino aus spitzem Winkel ins Netz, 3:1 für die Oberpfälzer (29.). Dreieinhalb Minuten später – der EV hatte eben ein Power Play überstanden – kommt Konstantin Ontl frei aus zentraler Position zum Schuss. Auch er verursacht eine weitere Delle im Gebälk, Lukas Heger reagiert aber schneller, als jeder Steeler und verwertet.

Das 5:1 aus Sicht der Gäste folgt rund 90 Sekunden darauf, als der SCB hinten unsortiert steht, Yogan ohne Gegenwehr querlegen darf und Trivino mit viel Genauigkeit die Scheibe ins kurze Eck einschweißt. Noch vor dem letzten Drittel ist das Spiel entschieden, die Fans machen ihren Frust in der zweiten Pause auch deutlich: „Wir wollen euch kämpfen sehen“, schallt es aus der Enztal-Kurve, manche Zuschauer haben da bereits die Arena verlassen.

Im letzten Abschnitt passiert dann wenig. Dem Tabellenletzten fehlen die Ideen, oder Torhüter McCollum ist zur Stelle, so etwa gegen Fabjon Kuqi und Alexander Preibisch (46.) oder Jack Doremus (57.). Und selbst wenn der Keeper mal geschlagen ist, steht die eigene Unfähigkeit im Weg. Ein Abschluss von Zerter-Gossage findet den Weg vorbei an allen inklusive McCollum, wenige Zentimeter vor der Linie steht Jackson Cressey, der den Schläger nur hinhalten muss, um Ergebniskosmetik zu betreiben, doch er schafft es, das Spielgerät quer am Tor vorbei zu legen: symptomatisch für das Spiel des SCB.

Schmidt ist der Leidtragende

Die ärmste Sau der Partie ist Olafr Schmidt. Der Goalie ist bei allen fünf Gegentoren ohne Chance und wird von seinen Mitspielern regelrecht im Stich gelassen. Nach dem Spiel kommt deshalb auch beinahe das gesamte Team bei ihm zusammen, es wirkt wie eine entschuldigende Geste.

„Man sieht, es fehlt die Kraft“, erklärt Naud die Niederlage und ergänzt: „Es fehlt ein bisschen was, weil wir den kleinen Kader und viele Verletze haben. Wenn die Leute das nicht verstehen wollen, ist das deren Sache.“ Auch Gästecoach Maximilian Kaltenhauser steht Naud zur Seite. „Wenn man schaut, wer da fehlt, dass ist eine andere Mannschaft, wenn die alle haben. Man hat ja gesehen, wenn der Kader mal ein bisschen voller war, haben sie gewonnen.“