Bietigheim Steelers: „In die Playoffs – egal, wie“

Jack Doremus (rechts) war in der Vorbereitung einer der auffälligsten Akteure bei den Steelers. Beim Turnier in Freiburg wurde er als MVP der Bietigheimer ausgezeichnet.
Avanti/Ralf PollerDie Bietigheim Steelers haben in den letzten Jahren immer wieder die Zweite Liga geprägt, haben eine aus meiner Sicht sehr erfolgreiche erste Saison in der DEL gehabt und hatten auch ein bisschen Pech mit den Corona-Jahren. Jetzt werden sie einen Neustart in der DEL2 angehen“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2), René Rudorisch. Und der Neuanfang ist ein gewaltiger. Es wurde fast kein Stein auf dem anderen gelassen.
Management
Schon Ende der Vorsaison tauschte der Klub aus dem Ellental sein Management aus. Volker Schoch schied als Geschäftsführer aus, seine Position übernahm der bisherige Chef des Stammvereins, Gregor Rustige. Außerdem wurde die Last auf mehrere Schultern verteilt. Es wurde die Stelle des Sportlichen Leiters neu geschaffen und mit Daniel Naud besetzt, der im November 2022 als Trainer entlassen worden war. Er kümmert sich mit Rupert Meister als Leiter Sportliche Entwicklung und Strategie für Profibereich und Nachwuchs um die Belange der Bietigheimer.
Team
Der Umbruch setzte sich im Sommer fort. Aus dem DEL-Kader der vergangenen Saison blieben mit Leon Doubrawa, Max Prommersberger, Alexander Preibisch, Fabjon Kuqi und Guillaume Naud nur fünf Profis. 19 Spieler haben den Verein verlassen. Der neue Coach Dean Fedorchuk musste in der Vorbereitung 17 externe Zugänge integrieren. „Dany Naud hat einen Kader mit Spielern zusammengestellt, die einfach zu coachen sind. Wir tun Dinge dadurch wahrscheinlich etwas schneller, als es die Spieler in der Vergangenheit gewohnt waren“, sagt Fedorchuk. Dazu kamen noch drei Spieler aus der eigenen Jugend, die den Sprung zu den Profis schafften.
Goalies
Leon Doubrawa war schon der große Rückhalt der Steelers und führte sie zum Aufstieg, als Cody Brenner und Jimmy Hertel in den Playoffs 2020/21 verletzt waren. Er kämpft vor allem gegen Olafr Schmidt, der von den Bayreuth Tigers kam und mit diesen überragende Playdowns in der vergangenen Saison gespielt hat, um Einsatzzeiten zwischen den Pfosten. „Wir haben zwei fast gleichwertige Goalies, was ihr Skill-Level angeht. Das ist ein gesunder Wettkampf“, berichtet Steelers-Trainer Fedorchuk. „Sie sind sich auch sehr ähnlich von ihrer Statur und in ihrer Art, wie sie spielen.“ Komplettiert wird das Trio von Förderlizenzspieler Florian Mnich.
Verteidiger
In der Verteidigung haben die Steelers-Verantwortlichen eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Wilden sowie unterschiedlichen Spielertypen zusammengestellt. „Wir haben mit Dennis Dietmann und Pascal Zerressen einige wirklich große Verteidiger, die die meisten Gegner körperlich überragen. Das wollen wir nutzen“, erklärt Fedorchuk. „Wichtig wird sein, dass wir die Zone vor dem Tor kontrollieren, solide verteidigen und uns im Defensivdrittel gegenseitig unterstützen. Und dann wollen wir einen guten ersten Pass spielen.“
Stürmer
Mit Lewis Zerter-Gossage, Ryon Moser und Jackson Cressey haben die Bietigheimer starke Akteure mit deutschem Pass ins Ellental geholt. Dazu kommt mit Dominik Lascheit einer der besten Oberliga-Scorer der vergangenen Jahre. Und auch die Kontingentspieler Jack Doremus und Ryan Gropp wissen, wo das Tor steht. Doremus wurde beispielsweise beim Turnier in Freiburg als wertvollster Spieler der Steelers ausgezeichnet. „Wir haben Jungs, die Skater und Schützen sind, und wir haben Jungs, die physisch spielen, und wir haben Jungs, die viel Erfahrung mitbringen und sicher stellen, dass das Umschalten von Defensive auf Offensive funktioniert und umgekehrt“, erklärt Fedorchuk.
Förderlizenzspieler
Mit Mnich, Paul Mayer und Noel Saffran wurden drei Spieler der Adler Mannheim mit einer Förderlizenz ausgestattet. „Sie sind Teil unseres Teams und haben die Teambuildingmaßnahmen mitgemacht. Sie sind zwar jung und müssen sich erst an das Niveau der DEL2 gewöhnen. Das ist für jeden ein großer Schritt. Aber sie lernen schnell und machen einen guten Job“, erklärt Fedorchuk.
Youngster
Mit Anton Sproll und Alex Samusev sowie Joshua Rust (Try-out-Vertrag) haben es drei Spieler aus der eigenen Jugend in diesem Sommer zu den Profis geschafft. Vor allem Sproll hat in der Vorbereitung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Fedorchuk: „Er ist ein smarter junger Mann. Wenn wir unsere Konzepte durchgehen, hat er sie schnell verinnerlicht.“
Coach
„Er kennt das deutsche Eishockey sehr gut und hat den Ruf, besonders gut mit jungen Spielern arbeiten zu können. Er hat in zwei der stärksten Ligen Europas als Trainer gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, die uns guttun werden“, schwärmte Daniel Naud bei der Vertragsunterschrift von dem neuen Mann an der Bande. Fedorchuk ist kein Unbekannter in Bietigheim-Bissingen. In der Saison 2000/01 stürmte er für die Steelers. Seit 2008 ist er als Trainer oder Talentspäher unterwegs – in Dänemark, für die Winnipeg Jets in der nordamerikanischen Profiliga NHL, in Deutschland bei den Straubing Tigers, in der Kontinentalen Hockey Liga (KHL) oder in der Schweiz.
Vorbereitung
Die Vorbereitung lief durchwachsen. Die Steelers gewannen nur drei ihrer acht Testspiele. Dabei mussten die Bietigheimer oft einem Rückstand hinterherrennen. Das macht Fedorchuk aber keine Sorgen: „Man wirft alle Spieler rein, schickt auch die jungen Akteure aufs Eis. Außerdem hat man keine Beständigkeit, weil man jede Woche etwas Neues ausprobiert.“
Saisonziel
„In die Playoffs – egal, wie“, bringt es Daniel Naud auf den Punkt. Und dann wisse niemand zu sagen, wohin die Reise geht. „Als wir aufgestiegen sind, waren wir nicht der Favorit. Aber wir haben damals unser bestes Eishockey in den Playoffs gespielt“, erklärt der Sportliche Leiter. Deshalb lautet der Plan: Von Woche zu Woche besser werden, sodass die Steelers mit Beginn der Playoffs am Leistungslimit spielen.
Liga
So ausgeglichen wie in dieser Saison war die DEL2 wahrscheinlich schon lange nicht mehr. „Klar ist, dass auch in dieser Saison die Hauptrunde wieder unberechenbar sein kann“, erklärt Geschäftsführer Rudorisch. Und Daniel Naud ergänzt: „Hinter Kassel ist alles offen, wenn man gesund bleibt.“ Für den Sportlichen Leiter der Steelers sind die Huskies der Topfavorit auf den Titel. „Sie hatten schon im letzten Jahr gute Spieler und haben nun noch mal Qualität geholt“, erklärt er.
Auftakt gegen Krefeld
Den Starspieler der neuen Saison haben die Steelers gleich zum Saisonauftakt an diesem Freitag (19.30 Uhr) zu Gast. Dann gibt Christian Ehrhoff, der es zwischen 2003 und 2016 auf 789 Spiele in der NHL für die San Jose Sharks, Vancouver Canucks, Buffalo Sabres, Pittsburgh Penguins, Los Angeles Kings und die Chicago Blackhawks gebracht hat, zum ersten Mal in der Ege-Trans-Arena seine Visitenkarte ab. „Wenn er fit ist, kann er trotz seiner 41 Jahre jedes Team besser machen“, zollt Daniel Naud dem Verteidiger Respekt. Die Krefelder sind aber nicht nur Ehrhoff. „Sie sind gut“, weiß Daniel Naud. „In der Verteidigung haben sie einige Spieler getauscht, um beweglicher zu werden.“ Aufpassen muss man auch auf Center Jon Matsumoto, der von den Kölner Haien nach Krefeld gewechselt ist. Den DEL2-Topscorer Marcel Müller verloren die Pinguine aber im Sommer an die Straubing Tigers.