Bietigheim Steelers
: Dean Fedorchuk schwärmt von Europa

Der Kanadier hat fast seine ganze Profikarriere auf dem alten Kontinent verbracht. Als Coach haben ihn die Besten seiner Zunft inspiriert.
Von
nac
Bietigheim
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Auch beim Pferdemarktumzug hat Dean Fedorchuk seine Liebe zum American-Football-Team Seattle Seahawks aus der nordamerikanischen Profiliga NFL zum Ausdruck gebracht.

/Martin Kalb

Freizeit hat Dean Fedorchuk bisher noch nicht wirklich gehabt, seit der neue Coach der Bietigheim Steelers im Ellental eingetroffen ist. „Die Vorbereitung ist die arbeitsreichste Zeit der Saison für einen Coach. Alles, was man umsetzen will, der Spielstil, das System, fällt in diese Phase. Außerdem muss man viel mehr Trainingseinheiten vorbereiten als während der Runde. Darüber hinaus verbringt man viel Zeit, um Beziehungen zu seinen Spielern aufzubauen oder Video von seinem letzten Spiel zu schauen“, berichtet der 53-Jährige. „Während der Saison wird es entspannter. Man bekommt eine gewisse Routine mit den Spielen, einem Tag trainingsfrei am Montag und der Vorbereitung auf die nächsten Gegner.“

Traum: mal hier, mal dort leben

Dabei erkundet der Kanadier zusammen mit seiner Frau Dana, aber auch mit den drei Kindern Yogi (23), Daphne (21) und Naija (18) gerne die Welt. Sein großer Traum: Wenn er mal in Rente ist, quer durch Europa touren – mal hier sechs Monate wohnen, mal dort. Vor allem Portugal hat es ihm angetan. „Aber auch Kroatien war ein fantastischer Ort, um dort zu leben“, erklärt Dean Fedorchuk. „Allerdings habe ich noch nicht alle Länder gesehen. Ich muss erst noch ein paar erkunden, um mir eine endgültige Meinung zu bilden.“

 Er kann sich aber auch vorstellen, in Deutschland oder Großbritannien zu leben – wegen der Europa-Spiele der nordamerikanischen American-Football-Profiliga NFL, die in diesen beiden Ländern stattfinden. „Ich liebe American Football. Selbst auf den Heimfahrten von Auswärtsspielen am Sonntag kann ich mir vorstellen, dass ich auf dem Computer Sendungen dazu anschaue“, erzählt Dean Fedorchuk. Er ist ein großer Fan der Seattle Seahawks und der New England Patriots. „Da ich in Alaska zur Schule und auf die Universität gegangen bin und Alaska-Einwohner die Seattle Seahawks ins Herz geschlossen haben, sind die Hawks auch eins meiner Lieblingsteams geworden“, berichtet der Kanadier. „Ich war aber auch schon immer ein Tom-Brady-Fan und liebte die Art und Weise, wie Bill Belichick das Team gecoacht hat. Ich habe auch alle Bücher darüber gelesen.“

Vorbild Bill Belichick

Von Belichick hat sich auch Dean Fedorchuk einiges abgeschaut. „Die Idee der Patriots, jeder hat seinen Job zu erledigen, und keiner ist größer als die Mannschaft, obwohl sie mit Brady den größten Footballspieler aller Zeiten in ihren Reihen hatten. Außerdem verkörperte er, was es bedeutet, ein Teamplayer zu sein“, berichtet der 53-Jährige.

Spieler unter den besten Coaches

Der Kanadier hatte das Glück, unter vielen herausragenden Coaches zu spielen, von denen er viel für seine eigene Arbeit lernen konnte. „Ich spielte in Junior-Hockey für Doug Stokes, der in dieser Altersklasse die meisten Siege holte. Sein Glaube in Spieler war unerschütterlich. Als noch nicht mal ich an mich glaubte wegen meiner geringen Größe, glaubte er an mich und änderte so mein Leben. Ich hatte auch wirklich Glück, an der Uni unter Don Lucia und bei meiner ersten Profistation unter Ken Hitchcock zu spielen, die mit die meisten Siege in der College-Hockey-Geschichte und in der NHL-Geschichte geholt haben. Mein erster Coach in Europa war dann Lubomir Pokovic, der viele Jahre slowakischer Nationaltrainer war“, berichtet Dean Fedorchuk. „Praktisch habe ich bei jeder großen neuen Station unter einem der Besten seiner Zunft gespielt.“

Das Wichtigste, was er dabei gelernt hat, ist, dass gute Beziehungen innerhalb eines gesamten Vereins von großer Bedeutung sind. „Die Taktik ist wichtig. Aber die Spieler müssen erkennen, dass die Coaches an sie glauben. Denn nur dann glauben sie auch an sich selbst, respektieren sich gegenseitig und glauben wieder an sich als Team“, erklärt der kanadische Coach. „Und von Ken Hitchcock habe ich gelernt, dass man immer vorbereitet sein sollte. Ich hasse Coaches, wenn sie in einer Auszeit ganz hektisch auf ihrer Taktiktafel rumkritzeln. Ich will vielmehr ein Trainer sein, der sagen kann: ,Hey Jungs, entspannt, wir wissen, was wir jetzt zu tun haben. Wir sind es schon durchgegangen.‘“

In das Trainerdasein ist Dean Fedorchuk aber mehr oder weniger reingestolpert. „Ich wollte immer Eishockey spielen, bis mein Körper nicht mehr mitspielt – und wenn es mit 45 Jahren in Spanien ist“, erinnert er sich. Doch dann zwang ihn eine schwere Gesichtsverletzung zum Umdenken, als ihm in Odense der Trainerposten angeboten wurde. „Ich war zwar noch nicht bereit, meine Spielerkarriere aufzugeben. Denn nach der Verletzung kam ich wieder stark zurück, hatte zwölf Tore in den letzten 18 Spielen“, berichtet der Kanadier. „Doch alle Freunde, mit denen ich sprach, rieten mir, die Gelegenheit zu ergreifen. Denn normalerweise fängt man erst mal irgendwo als Assistenzcoach an.“

Junggesellendasein in Bietigheim

Und es hat sich ausgezahlt. Viele Jahre mit seiner Familie an seiner Seite. In Bietigheim-Bissingen lebt er aber alleine. „Die ersten rund 15 Jahre hat mich meine Familie begleitet und mit mir in Europa gelebt. Doch als die Kinder das Highschool-Alter erreicht haben, mussten wir dafür sorgen, dass sie für ihre Zukunft bestens aufgestellt sind. Deshalb ist meine Frau mit ihnen zurück nach Calgary gezogen, damit die Kinder ihren Highschool-Abschluss machen konnten und bestens fürs Studium in Kanada vorbereitet sind.“

Einsam fühlt sich der 53-Jährige aber nicht. „Wir sind fast stündlich zumindest über Whats-App in Kontakt. Und meine Frau besucht mich Ende September. Darüber hinaus kommen zwei meiner Kinder im Oktober nach Bietigheim. Und normalerweise fliege ich während der Länderspielpause nach Hause“, berichtet Dean Fedorchuk. Und in der Zwischenzeit seien die Kinder schon so erwachsen, dass sie ihr eigenes Leben leben.

Bietigheim Steelers testen zum Vorbereitungsabschluss in Winterthur

Im letzten Spiel der Vorbereitung sind die Bietigheim Steelers an diesem Samstag (17.30 Uhr) beim EHC Winterthur aus der zweitklassigen Swiss League zu Gast. Sechs Tage vor dem Saisonauftakt in der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) mit dem Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine will Steelers-Trainer Dean Fedorchuk vor allem, dass seine Spieler an die Leistung der ersten beiden Spiele beim Turnier in Freiburg anknüpft. „Wir haben ein wirklich gutes Spiel am Freitag gegen den EHC Basel und ein exzellentes Spiel am Samstag gegen die Starbulls Rosenheim gespielt. Wir haben in fast jedem Aspekt des Spiels dominiert“, berichtet der Bietigheimer Coach. „Ich hoffe, wir bringen die gleiche Einstellung auch in Winterthur aufs Eis und machen wieder genau das, was wir gegen Rosenheim gemacht haben. Das macht uns wieder ein Stückchen besser.“

In Winterthur
müssen die Steelers aber auf Max Prommersberger verzichten.

Für die Steelers-Verantwortlichen bedeutet das, dass sie sich noch einmal auf dem Transfermarkt umschauen müssen. „Max muss zu lange pausieren. Wir brauchen auf jeden Fall Hilfe“, sagt Daniel Naud. Der Sportliche Leiter des Bietigheimer DEL2-Klubs will auf jeden Fall einen deutschen Akteur holen. „Aktuell sind einige Spieler bei Vereinen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im Tryout. Da müssen bald Entscheidungen getroffen werden – und damit wird bestimmt der eine oder andere interessante Spieler demnächst verfügbar sein“, erklärt Naud.   nac