Bietigheim-Bissingen: Zur Geburt eine Mütterpflegerin – wie eine Bietigheimerin Frauen hilft

Melissa Jacobs ist Mütterpflegerin und unterstützt Frauen im Wochenbett.
/Martin KalbNur wenn es der Mama gut geht, kann sie sich auch richtig um ihr Kind kümmern“, sagt Melissa Jacobs. Gerade in der Wochenbettzeit passiert so viel mit den Müttern, körperlich und auch seelisch, dass die Unterstützung in dieser Zeit besonders wichtig ist. Doch was tun, wenn der Partner zurück in die Arbeit muss und es keine Familie in der Umgebung gibt, die unterstützen kann?
Für diese Situationen gibt es sogenannte Mütterpflegerinnen, die sich im Wochenbett um die Frauen kümmern und sie in ihrem neuen Alltag unterstützen. Melissa Jacobs aus Bietigheim ist eine solche Mütterpflegerin.
Gelernt hat die 32-Jährige jedoch etwas ganz anderes: „Eigentlich bin ich gelernte Versicherungskauffrau“, erzählt die zweifache Mutter. Doch in ihrem Bürojob habe sie gemerkt, dass „immer was gefehlt hat“. So schnupperte sie nach ihrer Elternzeit über einen Minijob in den Haushaltshilfebereich hinein. „Ich war da auch in Kontakt mit Mamas im Wochenbett. Diese Arbeit war so erfüllend für mich, dass ich wusste, das will ich weitermachen“, erinnert sich Jacobs.
Ohne Familie fehlt Unterstützung
Sie selbst hat gemerkt wie wichtig Unterstützung im Wochenbett ist und wie anstrengend es werden kann, wenn man auf sich alleingestellt ist. Ursprünglich ist Jacobs nämlich aus Nordrhein-Westfalen und hat daher auch keine Familie, die um die Ecke wohnt und helfen kann. Das habe sie gerade beim zweiten Kind im Wochenbett schmerzlich vermisst.
Mit diesem Wissen und einer speziellen Ausbildung hilft sie nun den Müttern. Zwischen vier und acht Wochen ist sie meist bei einer Familie im Einsatz. „Diese Unterstützung wird auch bei bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen. Ich helfe auch gleich am Anfang die Anträge zustellen“, erklärt die Mütterpflegerin.
Antrag bei der Krankenkasse
So können Frauen mit einer Bescheinigung vom Arzt diese Form der Unterstützung über die Krankenkasse beantragen. Frauen, die zum Beispiel einen Kaiserschnitt hatten, Frühchen oder Mehrlinge zur Welt gebracht haben oder an Depressionen im Wochenbett erkranken, können die Mütterpflegerin bei ihrer Krankenkasse beantragen. Diese entscheidet dann von Fall zu Fall, ob sie die Kosten der Mütterpflegerin übernimmt.
Und dann? Was macht sie dann, wenn sie nun vor Ort bei den Müttern ist? „Alles das, was die Mama gerade braucht“, sagt die 32-Jährige. So kam es schon vor, dass Jacobs für eine Mutter gleich nach dem Krankenhaus als erstes eine große Sushibestellung vorbei gebracht hat oder erst einmal einkauft.
Häufig sind es aber vor allem die Gespräche, die viele Frauen direkt nach der Geburt brauchen. Als zertifizierte Stillberaterin kann sie den Frauen ergänzend zur Hebamme helfen. Mit einer Hebamme aus Bietigheim arbeitet sie eng zusammen. „Ich bin kein Ersatz für eine Hebamme, aber ich kann vertiefen, wofür bei den Hausbesuchen zum Beispiel nicht ausreichend Zeit ist und zum Beispiel nochmals die Stillpositionen durchgehen“, erklärt die zweifache Mutter.
Und meist kommt dann auch ein Thema auf, dass Jacobs selbst im Wochenbett lernen musste: „Dass man den Fokus auch auf sich selbst legen muss. Viele Frauen trauen sich nicht das anzusprechen, dabei ist es so wichtig.“ Das tradierte Bild der aufopferungsvollen Mutter sei hier das Problem. Deshalb thematisiert sie auch das bei den Frauen.
Zu dem bestärkt sie die Frauen in ihrer Rolle als Mutter: „Wir Mamas haben meistens immer das richtige Gefühl“, betont Jacobs und sagt, dass sie Frauen immer ermutigt ihrer ersten Intension zu folgen. Denn den einen richtigen Weg gebe es eben nicht.
Für Jacobs ist die Zeit mit den Babys in ihrem Arbeitsalltag ein ganz besonderes Highlight. „Manchmal nehme ich die Kleinen und die Mütter können endlich in aller Ruhe duschen oder einfach mal ein wenig schlafen, das geht am Anfang alles nicht so leicht mit Baby.“.
Die Mütterpflege ist für Jacobs eine wichtige Arbeit, die auch präventiv eingesetzt werden sollte. „Manchmal trinken und essen die Mütter das erste Mal nach einer viel zu langen Pause das erste Mal, wenn ich vorbeikomme und ihnen etwas hinstelle.“ Gerade wenn mehrere Kinder im Haushalt sind, bleibt quasi keine Zeit für die Mütter selbst. Deshalb kann es auch vorkommen, dass Jacobs sich dann mal hinsetzt und mit dem Geschwisterkind spielt, um der Mutter Bonding-Zeit zu ermöglichen. Das sei es eben was diese Arbeit so besonders mache und ihr auch so viel gebe.
Vertrauen ist wichtig
Was die Familie braucht und die Mütter sich wünschen bespricht Jacobs auch schon im Kennenlerngespräch. Vorab miteinander zu reden und zu schauen, ob das passe sei essenziell für die Mütterpflege, denn für diese Arbeit braucht es ein gutes Vertrauensverhältnis.
Und was empfiehlt sie den Leuten, die eine junge Mutter im Familien- oder Bekanntenkreis haben? „Kommt nicht nur zum Baby anschauen vorbei. Bringt Essen mit, fragt ob ihr was im Haushalt abnehmen könnt oder schenkt der Mama statt dem x-ten Strampler doch einfach mal eine Mütterpflegerin.“