Bietigheim-Bissingen: Ziel: Klimaneutralität bis 2045

Der Firmensitz der Wohnbau, das „Green Building“ an der Stuttgarter Straße.
/Martin KalbEigentlich ist sie nicht dazu verpflichtet: Laut Beschluss auf EU-Ebene entfällt für die Bietigheimer Wohnbau die Verpflichtung, einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen. Das städtische Tochterunternehmen tut es aber trotzdem und hat den Bericht für das Jahr 2025 erstmals in den allgemeinen Jahresbericht integriert – ausnahmsweise in gedruckter Form.
Dass Letzteres nicht ganz zum Thema Nachhaltigkeit passt, ist der Wohnbau bewusst, aber: „Ein gedruckter Bericht hebt die Bedeutung der Botschaft hervor“, sagt Wohnbau-Geschäftsführer Carsten Schüler. Nachhaltigkeit habe schon immer die Geschäftsentscheidungen des Unternehmens bestimmt, dass dies auch kommuniziert werde, sei der nächste Schritt und eine konsequente Weiterentwicklung. Das Ziel, das man sich gesetzt hat, ist ein klimaneutraler Wohnungsbestand bis zum Jahr 2045.
Recyclingbeton und begrünte Außenwände
Entsprechend wurde auch das neue Bürogebäude der Wohnbau in der Stuttgarter Straße geplant, das im August letzten Jahres bezogen werden konnte. Das rund 31 Millionen teure „Green Building“ soll Vorzeigecharakter haben, indem es unter anderem zu 90 Prozent auf Recyclingbeton aus der Region errichtet wurde und als ökologisch-multifunktionales „Kraftwerk“ Strom und Sauerstoff produziert, Wasser klärt und wiederverwendet sowie mit seinen begrünten Außenwänden Kohlendioxid bindet und zur Luftreinhaltung in der Stadt beiträgt (die BZ berichtete). Aber auch das neue Wohnungsprojekt auf dem ehemaligen Elbe-Areal, für das vor Kurzem Baustart war, soll im Zeichen einer nachhaltigen Bauweise stehen und erhielt den programmatischen Namen „Aurain Green Living“.
Gleichwohl zeigt der Nachhaltigkeitsbericht auch, dass es bis 2045 noch einiges zu tun gibt, wenn man das hochgesteckte Ziel erreichen will. Eine Auflistung der Wohngebäude im Bestand der Wohnbau nach Effizienzklassen macht deutlich, dass der größte Anteil auf Immobilien der Klassen D (39,7 Prozent) und E (27,6 Prozent) entfällt. Die hocheffizienten Klassen A-Plus und B machen dagegen nur 7,9 Prozent der Wohnfläche aus. Immerhin: Die energetisch schwächsten Klassen F bis H umfassen zusammen weniger als fünf Prozent der Wohnfläche.
Fluktuationsquote liegt unter dem Durchschnitt
Auch an Treibhausgasen fällt im Immobilienbestand der Wohnbau noch einiges an. Rund 873 Tonnen Treibhausgase – vor allem Kohlendioxid – werden laut dem Nachhaltigkeitsbericht in die Luft abgegeben, um Energie für Wärme- und Wasseraufbereitung sowie Allgemeinstrom zu erzeugen, zum Beispiel durch das Verbrennen von Erdgas. Vergleichsweise wenig, 1,7 Tonnen, stammen vom Fuhrpark, rund 598 Tonnen entstehen bei der Erzeugung von Fernwärme für den Wohnungsbestand. Zusammen ergibt das 1543 Tonnen Treibhausgase.
Das Thema Nachhaltigkeit umfasst indes nicht nur den Bereich der Ökologie. Auch Arbeit und Soziales fallen darunter, und hierzu hat man etwa die Fluktuationsquote bei den Arbeitskräften (2025: 134) errechnet. Mit 17,9 Prozent liege diese leicht unter dem branchenüblichen Richtwert von 20 Prozent, heißt es in dem Bericht.
Ebenso werden Konflikte mit dem Gesetz thematisiert. Hier kann die Wohnbau indes erfreut feststellen: „Im Berichtszeitraum kam es zu keinen Verurteilungen aufgrund von Verstößen gegen Korruptions- und Bestechungsvorschriften.“