Bietigheim-Bissingen
: Wie die Drachenboote auf die Enz kamen

Peter Dominke ist seit 30 Jahren Mitglied im Kanu-Club Bietigheim. Jeden Tag treibt er Sport, am liebsten an der frischen Luft und auf dem Wasser. Er setzte sich dafür ein, dass sein Verein Drachenboote anschaffte. Für ihn ist die Arbeit im Verein eine wichtige Aufgabe aus der auch viel Positives zieht.
Von
Petra Neset-Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Peter Dominke fühlt sich auf dem Wasser wohl. Hier ist er im Canadier auf der Enz unterwegs.

/Oliver Bürkle

Im Schatten der Bäume lässt es sich bei großer Hitze gut aushalten. Im Hintergrund hört man Plätschergeräusche von der Enz, und immer wieder kommen Leute vorbei, die Bretter für das Stand-Up-Paddling oder Canadierboote zum Paddeln an den Steg tragen. Richtig idyllisch ist das Vereinsgelände am Fischerpfad des Bietigheimer Kanu-Clubs. Auch in diesem Verein gibt es echte Urgesteine: „Wir sind einfach eine tolle Truppe und haben viel Spaß. Hier sind auch schon richtige Freundschaften entstanden“, sagt Peter Dominke.

Er ist seit 30 Jahren Mitglied im Kanu-Club Bietigheim und brachte die Drachenboote in die Stadt an der Enz. „Drachenboot fahren kann man sehr schnell lernen, und jeder kann es gleich ausprobieren, egal ob besonders sportlich oder eben nicht. Man paddelt ein paar Mal mit, und schon kann man es“, schwärmt Dominke von der Sportart. Die Leidenschaft, sich auf dem Wasser sportlich zu betätigen, zieht sich schon lange durch sein Leben. 1967 fing er mit dem Rudern an, damals noch in Bad Cannstatt.

Mit eingeschlafenen Füßen

1970 zog er von Zuffenhausen nach Bietigheim und suchte sich in Marbach einen neuen Ruderverein. „Ich hatte viel zu tun in der Arbeit und wollte als Ausgleich einen Sport haben, zu dem ich nicht so weit fahren muss“, erzählt der Elektroingenieur. Der tägliche Sport sei ihm immer schon sehr wichtig gewesen. Frei nach dem Motto „wer rastet, der rostet“, ist der 72-Jährige immer in Bewegung. Als er noch viel trainierte, hatte er spaßeshalber mal bei einem Wettrennen im Zweier-Canadier mitgemacht, „aber da schlafen dir ja die Füße ein“, lacht Dominke. Doch so kam der Kontakt zum Bietigheimer Kanu-Club zustande. Da man in Kanus auch ganz entspannt sitzen kann, wenn es nicht um Wettkämpfe geht, fand er den Weg zum Kanu-Club zurück.

2008 brachte er dann die Drachenboote beim Verein ins Gespräch. Drachenboote sind lange Paddelboote, in denen 18 Sportler Platz finden. „Es war gar nicht so leicht, den Verein zu überzeugen. Aber dank Unterstützung Einzelner und der Zusage, dass wir unseren ‚Stall’ für das Drachenboot selbst bauen, ließ sich der Vorstand dann doch überzeugen“, erinnert sich Dominke.

Ein wichtiger Unterstützer war damals auch Wolfgang Jogwer, der 80-Jährige ist seit 1957 Mitglied im Kanu-Club, und heute sitzt er als Steuermann im Drachenboot: „Ich fand die Idee toll, und dann haben wir den Unterstand für das Boot auch einfach gebaut. Damals haben wir das Vereinsheim ja auch in Eigenleistung aufgebaut. Ich habe dank dem Verein viel an meinen handwerklichen Fähigkeiten arbeiten können“, lacht Jogwer.

Ein Geben und Nehmen

Genau das sei auch einer der Gründe, weshalb Dominke und auch Jogwer immer noch im Verein aktiv seien: „Es ist ein Geben und Nehmen. Man kann Sport treiben und auf dem Wasser sein und bekommt dabei eine tolle Gemeinschaft zurück“, so Dominke. Gerade durch die Vereine habe Dominke schnell Anschluss gefunden nach seinem Umzug. Es gehe eben nicht nur darum Sport zu machen. Immer noch organisiert der 72-Jährige die Ausfahrten der Drachenboot-Gruppe. In diesem Jahr ging es zusammen in den Spreewald. „Auf diesen Ausfahrten erlebt man immer so einiges und stellt sich neuen Herausforderungen. Das ist das Wichtige“, findet Dominke.

Nachdem er die Drachenboot-Gruppe ins Leben gerufen hat, kamen interessierte Sportler aus dem ganzen Kreis dazu. „Von 20 bis 80 Jahren ist bei uns jedes Alter vertreten. Ein Sport, den jeder machen kann“, schwärmt Dominke. Warum er auch mit 72 Jahren noch die Organisation des Trainings und der Ausfahrten übernimmt? „Ich möchte, dass es weitergeht und die Truppe zusammen halten“, so der Elektroingenieur.

Das Alter spiele für ihn dabei keine Rolle, er sei fit und wolle das auch noch lange bleiben, deshalb geht es regelmäßig auf die Enz zum Paddeln. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als draußen an der frischen Luft Sport zu treiben. „Und beim Drachenboot-Fahren wird man auch schon mal richtig nass, wenn man sich zum Beispiel mal mit den Paddeln verhakt. Für die warme Jahreszeit eine optimale Abkühlung“, sagt Peter Dominke.

Nach dem Training auf der Enz kommt dann der gesellige Teil des Vereinslebens: gemütlich beisammensitzen und ein Würstchen auf den Grill werfen, sich auf den neuesten Stand bringen und ausspannen. All das gehört für Dominke und Jogwer zum Drachenboot-Training dazu. Sie hoffen, dass sich auch weiterhin neue Sportler für das Drachenboot-Fahren finden, denn „richtig Spaß macht es, wenn das Boot auch voll besetzt ist, dann kann man richtig Fahrt aufnehmen“, weiß Dominke.