Bietigheim-Bissingen
: Viele Hindernisse für Radfahrer in der Stadt

Die Kommune macht es Radfahrern oft nicht leicht. Wege enden plötzlich, Schilder verwirren. Wie soll man sich da verhalten? Die Stadt gibt Antworten.
Von
Bigna Fink
Bietigheim-Bissingen
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Das Auto ist bevorzugtes Verkehrsmittel in Bietigheim-Bissingen, auch für kurze Strecken: Der Radverkehrsanteil liegt mit sieben Prozent unter dem Durchschnitt einer vergleichbaren deutschen Mittelstadt. Hinsichtlich des sicheren Radverkehrs gibt es jede Menge Optimierungsbedarf.

dpa/Stefan Sauer

Was hat sich die Stadt dabei gedacht?“, fragen sich Roland Weber und seine Frau immer wieder, wenn sie mit dem Rad in Bietigheim-Buch unterwegs sind, und zum Beispiel die Sudetenstraße entlang fahren: Dort gibt es streckenweise einen Fahrradweg, der aber, sobald er in eine Einbahnstraße mündet, bei parkenden Autos aufhört. Wer oft mit dem Rad unterwegs ist oder sich auch als Rad fahrender Tourist in der Stadt bewegt, kann sich schon wundern: Viele Stellen sind nicht eindeutig geregelt oder gar gefährlich für Radler.

Insgesamt fühle er sich sicher in Bietigheim-Bissingen als Radfahrer, sagt Albrecht Kurz, Vorsitzender des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) Bietigheim-Bissingen. „Aber ich bin auch sehr oft mit dem Rad unterwegs.“ Er kenne die Verhaltensregeln, auch in schwierigeren Straßensituationen. Befragungen hätten jedoch ergeben, dass sich viele Menschen in der Stadt auf dem Rad nicht sicher fühlten.

Jedes Jahr im September macht der ADFC Bietigheim-Bissingen mit Vertretern der Stadtverwaltung eine Radtour und zeigt Punkte auf, wo es für Radler noch hakt. „Besonders die von Autos zugeparkten Straßen sind ein Problem“, sagt Kurz.

Eine vom Auto geprägte Region

Stefan Ranzinger von der Initiative Bietigheim-Bissingen klimaneutral findet, es werde in Bietigheim-Bissingen viel zu wenig Rad gefahren. Das bestätigt auch die Stadt: „Grundsätzlich ist zu bemerken“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt, „dass wir in einer vom Automobil geprägten Region leben und der Anteil des Radverkehrs unterdurchschnittlich ausgeprägt ist.“ Der Radverkehrsanteil liege mit sieben Prozent unter dem Durchschnitt einer vergleichbaren deutschen Mittelstadt (zehn Prozent).

„Das liegt vor allem an der Mentalität der Menschen hier in der Automobilregion Stuttgart“, so Hochmuth. Die Mitglieder des Gemeinderates sollten einmal ein, zwei Wochen täglich in Bietigheim-Bissingen mit dem Rad unterwegs sein, findet Ranzinger. „Wenn man selbst mit dem Rad unterwegs ist, sieht man, wo es noch hakt.“

Hochmuth: „Die Stadt ist sich bewusst, dass vieles noch nicht optimal ist, aber es wird daran gearbeitet.“ Gemäß dem Mobilitätsplan und den darin enthaltenen Maßnahmen soll „die Radverkehrsinfrastruktur verbessert werden, aber auch Service-Angebote wie Leihsysteme, Netzwerke und Bewusstseinsbildung sollen erweitert werden“.

Wie BZ-Leser Roland Weber haben auch Albrecht Kurz und Stefan Ranzinger der BZ Stellen im Stadtgebiet mit Optimierungsbedarf für Radfahrer genannt. Das Presseamt hat in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsteam der Stadtverwaltung auf Anfrage Stellung genommen.

Vor der Bahnunterführung der B27 Richtung Bahnhof steht seit Juli am Geh- und Radweg ein Zeichen mit einem großen Fußgänger- und einem kleinen „Fahrrad frei“-Schild. Wie ist die Schilderkombination zu verstehen?

Hochmuth: Durch die Sperrung der Fuß-/Rad-Unterführung der B27 und das höhere Fuß- und Radverkehrsaufkommen auf dem Geh- und Radweg der Bahnüberführung wurde die Beschilderung geändert wegen zunehmender Konflikte zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern. Die Stadt will die schwächeren Verkehrsteilnehmer schützen und ihnen einen Vorrang einräumen. Die Schilderkombination bedeutet: Fußgänger haben Vorrang. Radfahrer müssen Rücksicht nehmen und gegebenenfalls Schrittgeschwindigkeit fahren.

Vor und nach der Bahnunterführung in der Geisinger Straße gibt es einen Radweg, aber nicht unter der Brücke. Wie sollen sich Radfahrer verhalten? Der Gehweg ist eng und die Straße stark befahren – es gibt keine Schilder und keinen Schutzstreifen. Radfahrer fühlen sich unsicher.

Auf Seite 47 im Mobilitätsplan steht: In der gesamten Geisinger Straße ist der Geh- und Radweg zu schmal. Daher sind Rad-Schutzstreifen auf der Fahrbahn geplant. Dies würde auch die Radverkehrsführung im Abschnitt der Bahnüberführung verbessern.

Auf der Stuttgarter Straße vom Bahnhof bis zur Kreissparkasse gibt es keinen Radweg. Radfahrer sollen im Aurain-Wohngebiet fahren, werden aber kaum geführt durch Schilder oder Markierungen. Der Radweg, der von der Stuttgarter Straße rechts abführt auf den Weg Richtung Imbiss Hirsch und Albert-Eber-Straße, hört plötzlich auf.

Seite 51 im Mobilitätsplan: In der Hans-Stangenberger-Straße im Wohngebiet Aurain ist eine Fahrradstraße geplant. Des Weiteren sollen gemäß dem Mobilitätsplan auf den wichtigen Radrouten in Tempo-30-Zonen Rad-Piktogramme, Linienmarkierungen und Wegweisung zur Kennzeichnung verwendet werden. Dies betrifft auch die Radroute in der Fortsetzung der Fahrradstraße zwischen der Wilhelmstraße und der Dammstraße.

Die Bietigheim-Bissinger Radfahrer Stefan Ranzinger und Albrecht Kurz bemängeln die Situation am Parkplatz Bad und Sporthalle am Viadukt Richtung Dreschschuppen: Fahrradfahrer werden nicht gelenkt, es gibt viel Gewusel an Fußgängern, Radfahrern, parkenden Autos, Menschen mit Booten.

Priorität hat zunächst der Platz, wo die Holzgartenstraße, die Ein-/Ausfahrt des Parkplatzes und der Enzsteg aufeinandertreffen. Im Rahmen der geplanten Fahrradstraße (S. 50 im Mobilitätsplan) ist auch eine Neuordnung des Platzes angedacht.

Albrecht Kurz, Vorsitzender des ADFC Bietigheim-Bissingen, erwähnt den Bissinger Ortskern als schwierig, wo es keine Wegeführung für Radfahrer gibt.

Hier ist laut Maßnahmen-Fahrplan auch eine Verbesserung der Radverkehrsführung angedacht.

Kurz: An Kreuzungen sind die Verkehrsinseln/Aufstellflächen für Radfahrer mit Lastenrad oder Anhänger oft zu schmal.

Gemäß Mobilitätsplan sollen Mittelinseln, wo möglich, verlängert werden, damit Lastenräder und Fahrradanhänger nicht auf die Fahrbahn ragen.

BZ-Leser Roland Weber erwähnt die kritische Situation für Radfahrende (darunter täglich viele Schüler, die von Buch nach Bissingen in die Schulen fahren) auf der Berliner Straße über die Kreuzung B27.

Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt B27, Abschnitt Südumfahrung – Poststräßle, des Regierungspräsidiums ist auch eine Verbesserung der Radquerung der Berliner Straße (einschließlich Signalisierung) vorgesehen.

Ebenfalls in Bietigheim-Buch zählen Weber und seine Frau die unvorteilhafte Situation für Radfahrende in der Sudetenstraße hinter dem Gröninger Weg Richtung Freiberger Straße auf. Plötzlich hört in der Einbahnstraße der Sudetenstraße der Radweg auf. Radfahrer stoßen auf parkende Autos und werden gar von entgegenkommenden Autofahrern beschimpft.

Die Markierung im Bereich der Sudetenstraße sei tatsächlich nicht optimal, so die Stadt. Die Stelle werde in der nächsten Radverkehrsschau diskutiert werden.

In der Schwarzwaldstraße zwischen Ellental Bahnhof und Auwiesen/Farbstraße gibt es keinen Radweg oder Schutzstreifen. Ist hierzu etwas geplant? Wie sollen sich Radfahrer hier verhalten? Sollen sie auf der stark befahrenen Straße ohne Markierung fahren?

Nach der aktuellen Straßenverkehrsordnung ist die Fahrbahn grundsätzlich für alle Fahrzeuge gedacht, das schließt Fahrräder mit ein. Im aktuell rechtskräftigen Bebauungsplan sind bereits beidseitig Radfahrstreifen enthalten. Diese können wegen dem engen Straßenquerschnitt aber erst langfristig realisiert werden.

Der Mobilitätsplan 2035 ist für alle auf der Webseite der Stadt Bietigheim-Bissingen zugänglich: www.bietigheim-bissingen.de/wirtschaft-einkaufen-und-wohnen/mobilitaet/mobilitaetsplan-2035

Mobilitätsplan 2035 ohne Zeitplan

Seit 2022
gibt es den städtischen Mobilitätsplan, der im Auftrag des Gemeinderats Bietigheim-Bissingen von der Stadtverwaltung mit dem Ziel erarbeitet wurde, den Rad-, Fuß- und Busverkehr zu stärken. Kurz zusammengefasst bedeutet das Bestreben des 68-seitigen Papieres laut Pressesprecherin Anette Hochmuth: „Der Kfz-Verkehr steht nicht mehr allein im Fokus.“ Die Maßnahmen für einen höheren Radverkehrsanteil fänden sich im Kapitel D 3 sowie im Maßnahmen-Fahrplan. Die Umsetzung der zahlreichen Maßnahmen benötige jedoch Zeit, so Hochmuth: „Es sind hohe Aufwendungen damit verbunden, insbesondere dort, wo ein Straßenumbau nötig wird.“ So gibt es zu den meisten Maßnahmen noch keinerlei zeitliche Festlegungen, wann sie umgesetzt werden. „Sie werden Schritt für Schritt durch Umsetzungsbeschlüsse im Gemeinderat angegangen, so Hochmuth.