Bietigheim-Bissingen/Ukraine
: Mehr Schulunterricht dank Solarenergie

Liuba Smolska und Mathias Schmid aus Bietigheim-Bissingen haben den Verein „Sustain Ukraine“ gegründet. Um den Menschen in der Ukraine mehr Unabhängigkeit vom staatlichen Stromnetz zu bieten und so den Schulen Energie für regelmäßigen Unterricht zu garantieren, sammeln sie Spenden für Solarmodule und Stromspeicher für Bildungseinrichtungen in der Ukraine.
Von
Petra Neset-Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Liuba Smolska und Mathias Schmid haben gemeinsam mit fünf Freunden den Verein „Sustain Ukraine“ gegründet. Um den Menschen in der Ukraine mehr Unabhängigkeit vom staatlichen Stromnetz zu bieten und so den Schulen Energie für regelmäßigen Unterricht zu garantieren, sammeln sie Spenden für Solarmodule und Stromspeicher für Bildungseinrichtungen in der Ukraine.

/Martin Kalb

Ich wollte einfach was unternehmen, rumsitzen und abwarten konnte ich nicht“, sagt die Bietigheimerin Liuba Smolska. Nachdem sie unmittelbar nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine Spenden und Hilfstransporte organisiert hatte (die BZ berichtete), zog sich Liuba Smolska langsam aus der Koordination und Organisation der Ukraine-Hilfe in der Region Stuttgart zurück. Doch losgelassen hat sie das Thema nicht: „Nachdem meine Eltern wieder zurück in die Ukraine gegangen sind und ich von ihnen erfahren habe wie schwierig es ist, wenn Russland die Infrastruktur angreift, wollte ich helfen“, erzählt Smolska.

Vereinsgründung im Juni

Nach mehreren Gesprächen mit Freunden entstand die Idee, den Menschen in der Ukraine mehr Unabhängigkeit von Stromabschaltungen zu bieten. „Das Thema Nachhaltigkeit begleitet uns als Familie schon lange und so kam die Idee auf, Fotovoltaik anlagen in die Ukraine zu bringen“, erinnert sich die 38-Jährige. Gemeinsam mit ihrem Mann und fünf Freunden gründen sie im Juni den Verein „Sustain Ukraine“.

Mit der ukrainischen NGO „Energy Act for Ukraine Foundation“ arbeitet der Bietigheimer Verein nun zusammen. „Sie sind vor Ort und gut vernetzt, brauchen aber Hilfe beim Spenden sammeln. Da unterstützt unser Verein“, erklärt Mathias Schmid, der Ehemann von Liuba Smolska. Die erste Spendenaktion haben sie nun gestartet. Es geht um eine Schule in Bucha. „Das war eine der ersten Städte, die befreit wurde. Dort wurden damals die Kriegsverbrechen entdeckt. Die Schule liegt direkt an der Vokzalna-Straße, die schwer umkämpft war“, erklärt Schmid.

10 000 Euro für Bucha

Nun sammeln sie 10 000 Euro für Solarmodule und einen Batteriespeicher. Auch der Aufbau und die Wartung können davon bezahlt werden. Zudem wird es im Lyzeum No. 3 ein Seminar zum Thema Nachhaltigkeit in der Schule geben. Das sei auch einer der Gründe, weshalb sich der Bietigheimer Verein zuerst einmal auf Schulen in der Ukraine konzentrieren möchte.

„Über die Gespräche mit Familie und Bekannten bekomme ich mit, wie stark der Krieg alle Lebensbereiche der Menschen in der Ukraine beeinflusst“, erklärt Smolska. Gerade auch die Bildung der jungen Generation leide sehr unter der Kriegssituation, denn wenn zum Beispiel in der dunklen Jahreszeit wieder zeitweise der Strom abgestellt wird, kann in den Schulen auch kein Unterricht stattfinden. „Mit diesem Solarmodul und dem Speicher kann in der Schule täglich drei Stunden lang der Unterricht abgehalten werden“, sagt die gebürtige Ukrainerin. Doch nicht nur als Bildungsort seien die Schulen in der Ukraine wichtig. Häufig werden die Bildungseinrichtungen auch als Schutzpunkte genutzt, um Hilfsgüter zu verteilen oder auch Obdach zu bieten.

„Das sind geplante Abschaltungen in der Ukraine, um Strom zu sparen, wenn dann Solarstrom gespeichert ist, den man stattdessen nutzen kann, hilft das den Menschen vor Ort immens“, erklärt Schmid.

Bildung der Kinder ist wichtig

Seit Kriegsbeginn seien erneuerbare Energien bereits Thema in der Ukraine, erzählt Smolska. „100 Prozent erneuerbare Energien werden auch hier angestrebt, um unabhängiger zu sein.“ Der Bietigheimerin ist es ein Anliegen, dass die Nachhaltigkeit schon früh bei den Kindern in der Ukraine ankommt, denn sie seien diejenigen, die die Zukunft des Landes formen.

Am Lyzeum No. 3 in Bucha werden 1500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, für sie soll mit den Solarpaneelen mehr Alltag in die Schulzeit einziehen.

Helfer sind willkommen

Einige Stunden täglich investiert Liuba Smolska in die Planung und Organisation rund um den Verein „Sustain Ukraine“. „Wir sind ein internationales Team mit Vereinsmitgliedern in Paris, Österreich und den USA. Ich lerne unheimlich viel auch für meine Arbeit, er macht Spaß all das auf die Beine zu stellen“, sagt Smolska über ihr ehrenamtliches Engagement und erklärt dazu, dass weitere Helfer jeder Zeit herzlich willkommen sind im Verein. „Je mehr Leute mitmachen, desto mehr Aufmerksamkeit entsteht für dieses Thema. Mitmachen kann jeder, unsere Vereinstreffen finden ganz unkompliziert digital statt“, ergänzt Mathias Schmid.

Der Verein „Sustain Ukraine“