Bietigheim-Bissingen: Steht das Kontaktstüble vor dem Aus?

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen war das Kontaktstüble ein Treffpunkt, an dem sie schnell und unkompliziert Hilfe erhalten konnten.
dpa/Fabian SommerKonsolidierung ist das Wort der Stunde – nicht nur bei zahlreichen Kommunen, die ein Defizit in ihrem Haushalt ausgleichen müssen, sondern auch beim Kreis Ludwigsburg. Freiwillige Aufgaben sollen auf den Prüfstand. Dabei wird auch manch liebgewonnenes Angebot hinterfragt. So auch die Kontaktstüble in Bietigheim-Bissingen, Marbach, Vaihingen und Ditzingen.
Diese dienen als Treffpunkt für Menschen mit seelischen Problemen oder psychischen Erkrankungen, als eine Gelegenheit für Austausch und Gemeinschaft oder einfach als Umgebung für ein paar unbeschwerte Stunden.
Das Bietigheimer Kontaktstüble war ein Angebot der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes, der evangelischen Gesamtkirchengemeinde und dem sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) des Landkreises. Bereits seit Anfang April findet es nicht mehr statt.
Personal nicht ersetzt
Bislang waren dabei immer zwei Fachkräfte des SpDi vor Ort. Da jedoch Personal weggefallen ist und nicht ersetzt wird, sei dies nicht mehr zu leisten gewesen, erklärt Pfarrerin Christa Epple-Franke von der Bietigheimer Paulus-Kirchengemeinde. Eine rein ehrenamtliche Betreuung sei ohne pädagogische Ausbildung aber nicht zu leisten, deshalb blieb keine andere Möglichkeit, als die wöchentlichen Termine abzusagen.
Der Landkreis kümmere sich zwar um die Pflichtaufgabe der Betreuung psychisch kranker Menschen, das Kontaktstüble falle mit seiner Form der Betreuung jedoch nicht unter diese Definition, erklärt der Pressesprecher des Landratsamtes Andreas Fritz. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung werde der Haushalt nun von Grund auf neu mit Aufgaben gefüllt. Die jeweiligen Fachbereiche müssen dabei Prioritäten setzen, um ihr individuelles Budget nicht zu überschreiten. Parallel dazu beschäftige sich die eigens gebildete Haushaltskommission mit den Vorschlägen zur Konsolidierung und gebe Empfehlungen an den Kreistag, so Fritz weiter. Ende Juli entscheide dieser in einer Sondersitzung über das Aufgaben- und Sparpaket. So lange keine endgültige Entscheidung getroffen ist, werden demnach auch frei werdende Stellen nicht nachbesetzt.
Wenig Verständnis für Landkreis
Rund 62.000 Euro an Kosten entstehen dem Landkreis jedes Jahr durch die vier Kontaktstüble im Landreis. „Die Einzelberatungen der Klienten wie auch der Angehörigen finden weiterhin in gewohntem Umfang statt, was der Pflichtaufgabe des Sozialpsychiatrischen Dienstes entspricht.“
Die Paulus-Kirchengemeinde stellt die Räume für das Kontaktstüble zur Verfügung und finanziert Verbrauchsmittel. Christa Epple-Franke hat wenig Verständnis für die Begründung des Landkreises: „Ich finde das extrem schade, weil es ein niedrigschwelliges und kostengünstiges Angebot ist für die Menschen vor Ort.“ Man könne eine Tagesstruktur bieten, eine engmaschige Begleitung durch Fachkräfte und schnell bei Problemen helfen. So könne man präventiv tätig werden, bevor die Probleme größer werden und so auch der Kostenaufwand für den Kreis steigt.
Rund 20 bis 25 Menschen seien regelmäßig zu den wöchentlichen Treffen gekommen, sagt Epple-Franke. Schon jetzt erhalte sie regelmäßig Rückmeldungen von jenen, die das Angebot vermissen.
