Bietigheim-Bissingen: Sportvereine befürchten weitere Sparrunden

Die Hockey-Herren des Bietigheimer HTC in Aktion. Die Sportvereine warnen vor weiteren Einschnitten.
/Avanti/Ralf PollerBei allem Verständnis für die anhaltende finanzielle Schieflage der Kommune und erneut überlegten Solidaritätsbeiträgen der Vereine warnt der 18.000 Mitglieder große Stadtverband für Sport (SVS) vor Forderungen nach größeren zusätzlichen Aderlässen der über 40 Sportklubs an Enz und Metter. Dies war der Tenor einer Hauptausschuss-Sitzung am Montag im TSV-Sportquadrat.
Gebühren für Hallennutzung?
Auslöser war die von SVS-Chef Günter Krähling zur Sprache gebrachte und von Sport- und Kulturamtsleiterin Michaela Ruof in der Quintessenz bestätigte Mitteilung, dass angesichts des nach wie vor vorhandenen Millionen-Defizits im Stadtsäckel der Ruf in den Etat-Beratungen nach weiteren Opfern auch vom Sport diskutiert werde. Das heißt im Klartext: Zu den beschlossenen Acht-Euro-Solidaritätsbeiträgen pro erwachsenem Mitglied und Jahr, die bisher rund 80.000 Euro einbrachten und dazu noch rund 120.000 Euro Einsparungen für die Stadt an Fahrgeldzuschüssen, wären nun weitere Forderungen denkbar.
Gemeint ist zum einen, dass die von den Vereinen 2025 ausdrücklich nur für ein Jahr (2026) zugesagten 80.000 Euro auch für 2027 beziehungsweise 2028 gelten sollen. Zum anderen macht wohl auch das seit Jahren beunruhigende Damoklesschwert Hallen-Benutzungsgebühren wieder mal die Runde. Das Ganze basiert auf der Zielvorgabe der Stadt, die Sportförderung im Jahr 2025 von 658.000 Euro auf 500.000 im Jahr 2026 und auf knapp über 400.000 Euro im Jahr 2027 herunterzufahren. Michaela Ruof: „Die Etat-Lage ist weiterhin kritisch und nicht schön.“
„Abwärtsspirale“ spürbar
Die Vertreter der Sportvereine forderten am Montag nicht nur eine faire Gleichbehandlung bei den „Instandsetzungsbeiträgen“ aller Verbände, die städtische Einrichtungen nutzten – konkret gemeint war der Bereich Kultur –, sondern wiesen auch auf eine jetzt schon deutlich spürbar werdende „Abwärtsspirale“ bei den schon durch gestiegene Sachausgaben, gekürzte Zuschüsse und Sponsoren-Rückgänge gebeutelten Vereinen hin. Diese werde sich noch verschärfen, würde man ihnen jährlich zusätzliche 75.000 Euro abverlangen und sie so noch mehr in Gefahr bringen, hieß es in der Sitzung des Stadtverbands für Sport.
Einmal mehr mahnte man an, das Thema Hallenbenutzungsgebühren erst gar nicht in Erwägung zu ziehen, weil die Verwaltungsgebühren die Einnahmen egalisierten. „Die Frage ist, wollen wir die so gerne vielzitierte Sportstadt bleiben oder nicht“, meinte dazu SVS-Schatzmeister Dr. Stefan Epple. Jens Rith bedauerte: „Das wird zur Erhöhung der Mitgliedsbeiträge führen; da kommen wir nicht drum herum.“
Steelers-Schatzmeister Markus Früh berichtete in der Sitzung von aktuell insgesamt rund 10.000 Euro, die der Eishockey-Verein wegen der Solidaritätsabgabe und weniger Fahrgeldzuschüssen zu verkraften habe.
Mehr Klarheit im Dezember
Unterm Strich kam das Gremium zu der Meinung, dass man sich im Notfall und zur Planungssicherheit lieber einer zweijährigen Acht-Euro-Lösung beugen wolle als Änderungen in der Sportförderung insgesamt, die womöglich gar den Jugendbereich treffen würden. Jetzt heiße es aber zunächst einmal abzuwarten, so die Sport- und Kulturamtsleiterin, weil erst die Etat-Beratungen im Dezember mehr Klarheit brächten.
Angekündigt wurde in der Ausschusssitzung, dass sich Mitglieder des Sport-Dachverbands als Vermittler in einer Kontroverse zwischen Bogenschützen und Stadtverwaltung in Sachen Hallennutzung einbringen wollen.
Bedauern über Weggang von Michaela Ruof
Mit Bedauern nahm der zum Teil überraschte Hauptausschuss des Stadtverbands für Sport zur Kenntnis, dass Michaela Ruof – auch Beratendes SVS-Ausschuss-Mitglied – die Stadt Bietigheim-Bissingen nach vier Amtsjahren im Januar 2027 verlassen werde. Sie wurde, wie sie am Montag dem SVS-Team mitteilte, zur neuen Kulturamtsleiterin der Stadt Esslingen gewählt.
Ruof war im November 2022 vom Gemeinderat zur Nachfolgerin von Stefan Benning als Leiterin des Kultur- und Sportamt der Stadt Bietigheim-Bissingen gewählt worden. Von 2010 bis 2016 und von 2020 bis 2022 hatte sie die Kulturabteilung in Heilbronn geleitet. In den Jahren dazwischen war sie Veranstaltungsleiterin der Bundesgartenschau in Heilbronn.
Die Stadt Esslingen biete ebenso wie die Stadt Bietigheim-Bissingen ein breites Kulturangebot mit ihren städtischen Kulturinstitutionen, teilte Michaela Ruof auf BZ-Anfrage zu den Gründen ihrer Bewerbung dort mit. Die Stadt habe eine große freie Kulturszene, und darüber hinaus seien auch das Kulturzentrum „Dieselstraße“ oder die WLB (Württembergische Landesbühne) in Esslingen ansässig. Aufgrund der Größe – Esslingen hat rund 96.000 Einwohner – seien die Aufgabenbereiche im Kulturamt nochmals umfassender und breiter, so Ruof. „Dies und die Kultur in Esslingen weiterzuführen und zu entwickeln sehe ich als spannende Aufgabe an.“