Bietigheim-Bissingen: Sanierung bringt vorher nicht bekannte Schäden zutage

Der Untere Torturm in Bietigheim: Bis Ende März soll die Sanierung abgeschlossen sein.
/Oliver BürkleIm Juli 2023 beschloss der Gemeinderat die Vergabe der Planungsleistungen zur Sanierung des Unteren Torturms in der Bietigheimer Altstadt an das Ingenieurbüro Grau aus Bietigheim-Bissingen. Eile tat Not, denn das Fachwerkgefüge des historischen Bauwerks war stark beschädigt, teilweise drohten Balken einzustürzen, sodass vor der eigentlichen Sanierung eine Abstützung mit Stützbalken notwendig war. „Der Austausch der schadhaften Holzbalken und die Ausbesserung der Gefache samt Ausmalungen an der der Innenstadt zugewandten Seite des Turms wird sich bis zum Frühjahr hinziehen“, teilte die Stadtverwaltung dazu im November 2023 mit. Inzwischen rückt das Frühjahr 2025 näher, und der Torturm ist immer noch eingerüstet.
Treppe wurde versetzt
Zur Frage, warum es so lange dauert, erklärt Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung, gegenüber der BZ, da die westliche Turmwand über zwei Geschosse keine konstruktive Anbindung an das innere Turmtragwerk mehr aufgewiesen habe und dort die Schäden bereits zum Ausweichen und zu horizontalen Verschiebungen der Fachwerkkonstruktion um mehrere Zentimeter geführt hätten, habe die – nicht historische – interne Treppe versetzt werden müssen. „Dies war aufwendiger, als zunächst angenommen“, so Hochmuth.
Damit nicht genug, seien zudem vorher nicht bekannte Schäden in der Dachkonstruktion festgestellt worden. Diese mussten ebenfalls behoben werden. „Dies führt auch zu einer Terminverschiebung“, so die Sprecherin. Ziel sei nun der Abbau des Gerüsts wie bereits angekündigt bis Ende März dieses Jahres.
Ende des 14. Jahrhunderts gebaut
Der Untere Torturm ist ein Wahrzeichen der historischen Bietigheimer Altstadt. Er wurde als Teil der Stadtbefestigung Ende des 14. Jahrhunderts erbaut, man vermutet, dass seine massiven Buckelquader von der alten Bietigheimer Burg stammen, die als Steinbruch benutzt wurde. Das könnte bald nach der Stadterhebung Bietigheims 1364 gewesen sein. Ende des 15. Jahrhunderts kamen der rot-gefasste Fachwerkaufbau, Glockentürmchen und Uhr hinzu, später folgte die Bemalung an der Ostseite, die württembergische Landsknechte zeigt. Im Jahr 1935 wurde rechts und links des Torbogens der Einbau von Fußgängerpforten anstelle von Schießscharten vorgenommen.
Auch in früheren Jahren wurde immer wieder saniert und renoviert: In den Jahren 1960/61 gab es eine Fachwerkfreilegung und Außenerneuerung. Weitere Sanierungen am Unteren Tor standen in den Jahren 1976/78, 1988 und zuletzt 2005 an.
Nachdem die anderen Tortürme in Bietigheim (Schieringer Tor 1825, Oberes Tor 1824) abgebrochen wurden, hat der Untere Torturm laut dem Denkmalpflegerischen Werteplan „hohen dokumentarischen Wert für die Entwicklung der Stadtbefestigung seit der Stadterhebung 1364“. Er sei ein „entscheidender Teil der Stadtsilhouette“ sowie ein „markanter Auftakt der Hauptachse“ der Alstadt als „Gesamtanlage“. Als Kulturdenkmal steht er gemäß Paragraf 12 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG) unter Denkmalschutz.
Weitgehend im Kostenplan
Gemäß der Ratsvorlage von 2023 belaufen sich die Kosten für die Sanierung der Fachwerkkonstruktion inklusive der Sicherungsmaßnahmen und Gerüstarbeiten sowie aller Baunebenkosten wie Bauaufnahme, Restaurator oder Objekt- und Tragwerksplanung auf rund 500.000 Euro. Laut Sprecherin Anette Hochmuth konnten die Kosten für die Maßnahmen weitestgehend gehalten werden.