Bietigheim-Bissingen
: Proben für den Ernstfall: Wasserrettung aus der Enz

Beim einer gemeinsamen Übung trainierten Feuerwehr und DLRG die Zusammenarbeit bei einer Tragödie in der Enz in Bietigheim-Bissingen.
Von
Jonathan Lung
Bietigheim-Bissingen
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Bei einer gemeinsamen Übung proben die Freiwillige Feuerwehr Bietigheim und die DLRG den Ernstfall unterm Viadukt.

/Oliver Bürkle

Gegen 19 Uhr ging es los: Ein Zug der Feuerwehr und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) trafen am Viadukt, an der Fußgängerbrücke beim Hallenbadparkplatz, ein. Der Grund: insgesamt fünf Personen waren in der Enz in Not geraten, Wasserrettung war nötig. Eine Person trieb unterm Viadukt, das Schnelleinsatzboot musste zu Wasser gelassen werden.

Feste Alarmierungskette

Nach der Alarmierungskette wird bei solchen Ereignissen zuerst die Feuerwehr benachrichtigt, dann die DLRG, erklärte Frank Wallesch, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Bietigheim-Bissingen. Beide führten die Übung am vergangenen Montagabend gemeinsam durch. Die Feuerwehr war mit einem Zug angerückt, nun musste der Zugführer entscheiden, wo das Boot zu Wasser gelassen werden sollte.

„Die gefährlichste Zeit ist der Pferdemarkt“, weiß Kommandant Wallesch, da landeten viele im Wasser der Enz.

„Wassereinsätze sind meistens Leichenbergungen“, so der Kommandant – die Anfahrt und das zu Wasser lassen der Boote, brauchen Zeit. Die Einsatzzeit, bis die Feuerwehr am Einsatzort sein muss, beträgt maximal 18 Minuten. Oft habe aber schon ein Umstehender oder ein Polizist gehandelt. Wenn ein Auto ins Wasser gerate, habe der Fahrer noch Luft im Innenraum, von den Anglern, die vor einiger Zeit in die Enz fielen, konnte der eine auch noch reanimiert werden, berichtet der Einsatzleiter Achim Maier. Häufig sind solche Unfälle in der Enz bei Bietigheim aber ohnehin nicht. Inzwischen ist die erste Person gefunden und wird neben dem kleinen Feuerwehrboot an Land geschleppt, wo die Erstversorgung beginnt.

Währenddessen machen sich zwei Strömungsretter der DLRG bereit, die Suche nach der anderen Person im Ufergebiet fortzusetzen. „Person gefunden“, schallt es bald erneut aus dem Funkgerät des Zugführers. Insgesamt sind von den fünf „Opfern“ vier echte Personen und eines ein Dummy. Bald sind auch die restlichen geborgen – bis auf eine, die weiterhin vermisst bleibt. Also Tauchereinsatz: zwei Taucher der DLRG machen sich bereit und werden mit dem Feuerwehrboot in das Suchgebiet gebracht.

Anders als die FFW Bietigheim ist die DLRG für den ganzen Landkreis zuständig, weswegen unterschiedliche Einsätze auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Feuerwehren nötig macht. Am Einsatzort angekommen, erfolgt die Absprache mit dem Zugführer, wie gemeinsam vorzugehen sei. Dabei sind alle Feuerwehrleute auch im Umgang mit dem Rettungsboot geschult, die Strömungsretter und die Taucher hat dagegen nur die DLRG.

29 DLRGler sind bei der Übung dabei, zu dem Zug der Feuerwehr gehören 21 Personen. Feuerwehr und DLRG zusammen üben nur in größeren Abständen, alle fünf bis zehn Jahre. Alleine übt die DLRG alle zwei Wochen, die Rettungsschwimmer müssen eine Mindestanzahl von Stunden pro Monat im Wasser sein. 12 bis 15 Einsätze habe man dann pro Jahr, so Maier, dieses Jahr sind es bis jetzt vergleichsweise wenige.

Training mit neuem Sonar

Trainiert wurde auch das neue Sonar des DLRG: Seit April habe man es intensiv in der Schulung, so Maier, der auf seinem Handy Fotos der Sonaraufnahmen zeigt: ein Taucher ist darauf zu erkennen – beziehungsweise nur sein Schatten, der eigentliche Taucher ist entsprechend an einer anderen Stelle, weswegen man die Aufnahmen interpretieren können muss. Prompt stößt das Sonar auch bei der Feuerwehr auf Interesse.

Kommandant und Zugleiter steigen in das Boot, das das Suchgebiet auf und ab fährt. Seit man damit übe, habe man mit dem Sonar schon vier Autos und ein Sonar in der Enz gefunden, schmunzelt Maier.