Bietigheim-Bissingen: Nachhaltigkeit früher und heute

Museumsleiterin Dr. Catharina Raible (rechts) und Volontärin Jorinde Matern präsentieren die neue Ausstellung.
/Andreas EssigDer Begriff der Nachhaltigkeit ist keineswegs neu. Schon im 18. Jahrhundert wussten Wissenschaftler, die sich mit der Forstwirtschaft beschäftigten, dass man nur so viele Bäume abholzen sollte, wie auch wieder nachwachsen können. Soweit die Theorie. In der Praxis wurde sich daran natürlich nicht gehalten. Später wurden als Ausgleich zahlreiche Fichten gepflanzt, die heute wiederum durch Stürme, Hitze, Trockenheit oder den Borkenkäfer vor Herausforderungen gestellt werden.
Auftakt zum Klimajahr
In der neuen Ausstellung „Ideenreich: Nachhaltigkeit früher und heute“ im Stadtmuseum Hornmoldhaus können Besucher ab Sonntag, 11. Oktober, nachvollziehen, woher der Nachhaltigkeitsbegriff eigentlich stammt, welche nachhaltigen Ideen die Menschen früher gehabt haben und was davon sich auch auf die heutige Zeit übertragen lassen könnte. Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit dem „Klimajahr 2027“ in Bietigheim-Bissingen. Zu sehen gibt es zahlreiche Exponate, Fotografien und Dokumente aus früherer Zeit, häufig in direkter Gegenüberstellung zu modernen Pendants. Während ein Kleid aus zusammengeflickten Geschirrtüchern einer Olymp-Jacke aus recyceltem Polyester gegenübersteht, können Besucher zum Beispiel auch die Unterschiede eines alten Fahrrads zu einem neuen E-Bike entdecken.
Früher habe es weniger Müll gegeben, die Menschen hätten alles genutzt und nur so viel gehabt, wie sie zum Leben brauchten, sagt Museumsleiterin Dr. Catharina Raible. Speisereste wurden entweder an Tiere verfüttert oder auf den Kompost gegeben. „Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir kein Müllproblem.“ Was repariert oder wiederverwendet werden konnte, wurde dies auch. Erst mit der Entwicklung neuer Materialien wurde dieser natürliche Kreislauf aus dem Gleichgewicht gebracht. Daher beschäftigt sich die Ausstellung auch viel mit Aspekten des Re- und Upcycling. Unter anderem kann die japanische Kunstform Kintsugi, bei der kaputte Keramik kunstvoll repariert wird, bestaunt werden.
Besucherinnen und Besucher haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich an diversen digitalen und analogen Mitmachstationen mit Themen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Kooperiert hat das Stadtmuseum dafür mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Doktorand Max Mannsperger. Dessen Studenten haben in den vergangenen beiden Semestern verschiedene Anwendungen entwickelt, etwa eine Reihe digitaler Lernspiele, die mithilfe künstlicher Intelligenz programmiert wurden.
Kinder und Erwachsene können hier etwa lernen, wie sich Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und Tausendfüßer an der Anzahl ihrer Beine unterscheiden lassen oder welchen Nutzen vermeintlich unliebsame Arten wie Wespen für das Ökosystem haben. Weil es speziell um Arten gehe, die auch im und um das Museumsgebäude immer wieder eine Rolle spielten, könne die Anwendung im Anschluss problemlos in die Dauerausstellung integriert werden, sagt Raible. Auch der ehemalige Pfarrer von Metterzimmern, Johann Friedrich Flattich, wird in der Ausstellung beleuchtet. Er entwickelte im 18. Jahrhundert nämlich allgemeine Grundsätze des „Hausens“, also des sparsamen und bescheidenen Wirtschaftens.
Man wolle nicht mit erhobenem Zeigefinger agieren, sondern vielmehr als Ideengeber dazu anregen, darüber nachzudenken, was früher gemacht wurde und was davon vielleicht auch heute noch umsetzbar wäre, sagt Museumsleiterin Raible.
Zahlreiche Exponate
Viele Exponate stammen aus dem eigenen Depot, erklärt sie, einige habe man sich aber auch von Museen in Eppingen, Münchingen oder Gerlingen ausgeliehen. Auch Dioramen von der Bissinger Waldschule und vom Stuttgarter Naturkundemuseum befinden sich in der Ausstellung. Und auch regionale Unternehmen wie Olymp, Schäffer oder die Gärtnerei Kiemle haben Objekte beigesteuert.
Die Ausstellung öffnet am 11. Oktober, um 11.15 Uhr im Ratssaal des Rathauses und im Zuge des Apfelfestes erstmals ihre Tore und wird bis 11. April 2027 zu sehen sein.
