Bietigheim-Bissingen: Kessing kapituliert vor Narrenschar

Mit vereinten Kräften wurde der Narrenbaum vor dem Rathaus aufgestellt. Am Rathausfenster OB Kessing mit Helm.
/Oliver BürkleIm Bauhelm verteidigte Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Donnerstag zusammen mit einem Häuflein Mitstreiter aus Gemeinderat und Verwaltung sowie der vor dem Eingang postierten Leichten Württembergischen Garde das Bietigheimer Rathaus vor den zum traditionellen Rathaussturm angetretenen Narren. Doch die Übermacht war zu groß. „Wir sind mehr“, schallte es dem OB entgegen.
Kendra Kroll-Kunz von den Wobachspatzen und Sonja Winter von den Buchfinken, welche das närrische Ereignis moderierten, hatten zur musikalischen Unterstützung fünf Guggenmusik-Gruppen mit klangvollen Namen im Aufgebot, die den Verteidigern im Rathaus und den vielen Zuschauern (Kessing: „Das sind mehr Besucher als die FDP Wähler hat“) kräftig einheizten: Immortalis, Wefzga, Gees-Musiker, Monsterheuler und Sotanos. Neben den Wobachspatzen und Buchfinken waren die Neckartalhexen, die Tammer Teufelsbrut, die Würmlesbader und Saubachhexen mit von der Partie.
Nur ein „Zahnstocher“
Vom OB mussten sie sich dabei den Spott anhören, der Narrenbaum, der mit Muskelkraft vor dem Rathaus aufgestellt wurde, gleiche einem „Zahnstocher“. Hauptthema des Wortgefechts zwischen Kessing und den Sprecherinnen der Narren war aber das Bauen. Er habe überlegt, die geplante B 27-Sanierung schon mal in der Fußgängerzone zu testen, um den Narren den Anmarschweg zu blockieren, scherzte Kessing. Das Regierungspräsidium habe aber nicht mitgespielt. Kendra Kroll-Kunz und Sonja Winter konterten, man brauche keine weitere Baustelle, die Verwaltung produziere bereits eine Dauerbaustelle, indem zum Beispiel Kindergärten nicht fertig würden. Die Infrastruktur sei in die Jahre gekommen.
Kessing entdeckte seinerseits auch Gutes an Baustellen: Dadurch komme man nicht in Fast-Food-Restaurants, was die Leute gesünder mache.
Sauna fürs Bissinger Rathaus
Die Narren übten ihrerseits nicht nur Kritik, sondern präsentierten ausgearbeitete Vorschläge – und zwar bezüglich des Bissinger Rathauses, das für zwölf Millionen Euro saniert werden soll. Für das Geld könne man das Gebäude mit Sauna, Wellnessangeboten und einem Raum zum Proben für die Guggenmusiker ausstatten, so die Moderatoren. Strom und Gas solle man aber nicht von den Stadtwerken nehmen, denn: „Die sind zu teuer.“
Kessing verwies auf den Denkmalschutz für das Gebäude und versprach den Buchfinken und Wobachspatzen im Gegenzug, sie mit Vogelhäuschen auszustatten: „Das muss reichen.“
Das Aufstellen des Narrenbaumes dauere bereits viel zu lange, flachste der Rathauschef weiter. Er müsse noch nach Berlin zu den dortigen Koalitionsverhandlungen und der Union erklären, dass sie ohne die CSU gar nicht so stark sei.
Nachdem den Narren ein guter Schluck gereicht worden war, stand schließlich der Baum und der Oberbürgermeister, von dem Kendra Kroll-Kunz und Sonja Winter zunächst vermutet hatten, er sei durch einen Geheimgang in die Kelter geflohen, verließ mit seinen Unterstützen und der weißen Fahne das Rathaus. Kessing überreichte den Narren den geforderten symbolischen Rathausschlüssel mit den Worten: „Jetzt könnt ihr alles besser machen.“
Guggenmusik-Open-Air
Der Kapitulation der Rathaus-Verteidiger schloss sich ein Guggenmusik-Open-Air auf dem Marktplatz an, bevor es in den Lokalen der Altstadt weiterging.