Bietigheim-Bissingen
: Im Watschelgang aufs Eis

Mit „Kleine Helden auf dem Eis“ bringen die Steelers pro Saison 600 Vorschulkinder in die Eishalle Bietigheim-Bissingen.
Von
Petra Neset-Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Trainer Rudy Tomas erklärt den Kindern, wie sie sich mit der Laufhilfe über das Eis bewegen können. Bei der Schnupperstunde konnten viele Kinder am Ende ohne die Hilfe für das Eis gleiten.

/Martin Kalb

In Zweierreihen laufen sie gemeinsam zur Eishalle. Hand in Hand und mit Helmen, Knie- und Ellenbogenschützern ausgestattet. Denn gleich geht es aufs Eis und da schaden die Knie- und Ellenbogenschützer definitiv nicht. Die Kinder des Kinderhauses Mikado sind heute zu Gast in der Bietigheimer Eishalle und dürfen ausprobieren wie das ist, wenn man sich mit Schlittschuhen auf die kühle, glatte Eisoberfläche wagt.

„Es ist eine Bewegung, die nicht so alltäglich ist. Dabei werden sehr viele Muskeln im Körper und vor allem auch das Gehirn trainiert“, sagt Rudy Tomas, einer von fünf hauptamtlichen Trainern des SC Bietigheim-Bissingen Steelers. Tomas ist für die U7- und U9-Mannschaften sowie die Laufschule, in der die Kinder an das Eislaufen herangeführt werden, zuständig. Seit vielen Jahren bietet der Verein Vorschulkindern im Kindergarten die Möglichkeit, für eine Schnupperstunde aufs Eis zu kommen. Mit der Bietigheimer Kita Farbstraße besteht seit vielen Jahren eine Kooperation, so dass die Vorschulkinder sogar über einen längeren Zeitraum das Schlittschuhlaufen lernen können.

„Mit dem Programm können wir als Verein auch etwas zurückgeben für die Stadt“, erklärt Tomas. Zudem lernen die Kinder den Verein kennen und können den besonderen Bewegungsablauf zumindest einmal ausprobieren. Denn das mit den Schlittschuhen ist gar nicht so einfach, merken die Kinder schnell. Nach einer kleinen wuseligen Umziehzeit, bei der neben den Erzieherinnen auch Vereinsmitglieder ehrenamtlich den Kindern beim Anziehen der Ausrüstung helfen, geht es von der Umkleide in die Halle.

Laufen wie die Pinguine

„Ganz schön wackelig“, befindet ein Kind und nutzt die helfende Hand einer Ehrenamtlichen. Als das geschafft ist, erklärt Trainer Tomas worauf es ankommt: „Mit den Schlittschuhen können wir auf dem Eis nicht wie mit normalen Schuhen laufen. Wir machen es wie die Pinguine, die Füße zeigen nach außen.“ Und schon watscheln 17 Vorschulkinder auf den Matten vor dem Eingang zur Eisfläche herum. Das sieht gut aus. Danach wird geübt, wie man auf der Eisfläche aufstehen kann, denn rutschig wird es alle mal. Also erst einmal auf die Knie und dann Bein für Bein hoch. Kein Problem, die Kinder lernen schnell.

Ohne Pause geht es im Watschelgang dann direkt auf das Eis. Erst einmal mit einer dreibeinigen Laufhilfe, doch viele Kinder geben sie schon nach kurzer Zeit ab. Sie wollen es selbst ausprobieren. Unbeirrt wagen sie sich Schritt für Schritt über die große Eisfläche. „Da fährt die Angst nicht mit. Die Kinder haben keine Berührungsängste, selbst wenn sie am Anfang hinfallen, stehen sie immer wieder auf und machen weiter“, sagt Carolin Müller. Sie ist eine von bis zu acht ehrenamtlichen Helfern, die bei dem Programm „Kleine Helden auf dem Eis“ sowohl bei der Planung als auch in der Umkleide und auf dem Eis mithelfen.

Das Programm wird über den Landessportverband Baden-Württemberg mit dem Projekt „Gemeinsam mehr bewegen“ unterstützt. Seit fünf Jahren ist Müller mit dabei. „Es macht Spaß, die Kinder auf dem Eis zu sehen“, sagt sie. Ihre Kinder trainieren auch bei den Steelers. Zum Verein kam sie, weil sie im Winter für ihren Sohn nach einer Alternative zum Inlinerfahren gesucht hatte. So kam ihr Sohn zu einem weiteren Angebot des Vereins, der Laufschule.

Die Laufschule der Steelers ist ein Angebot ab fünf Jahren, bei dem die Kinder spielerisch an das Eis gewöhnt werden. Häufig kommen auch Kinder aus dem Schnupperangebot in die Laufschule. „Wir haben drei Gruppen: Von mit der Laufhilfe auf dem Eis unterwegs sein, über erste Spiele und Parcours bis hin zum Schlittschuhlaufen mit Schlägern können wir die Kinder dort je nach dem, was sie bereits können, verteilen“, erklärt Tomas.

„Koordinativ stark gefordert“

Zurück bei den Schnupper-Eisläufern merkt man nach einiger Zeit: Das Eislaufen scheint deutlich anstrengender zu sein als so manch anderer Sport. Nach 40 Minuten zeigen die meisten schon deutliche Ermüdungserscheinungen. „Dadurch, dass die Kinder auch koordinativ so stark gefordert werden, reichen 45 Minuten für das Ausprobieren aus“, sagt Tomas. Nach einem Gruppenfoto auf dem Eis gehen die Kinder mit roten Wangen und einem deutlich sichererem Gang zurück in die Umkleide. Auf Rudy Tomas’ Frage, ob es ihnen gefallen habe, antworten die Kinder mit einem ohrenbetäubenden „Jaaaa“.

„Das war wirklich eine tolle Gruppe. Sie sind so schnell schon ziemlich sicher auf dem Eis gewesen“, lobt Tomas. Außerdem haben sie die Laufzeit durchgehalten. Das schaffen nicht alle. Bei den Kindern aus dem Kinderhaus Mikado waren elf Kinder schon mal Eislaufen, das sei eine besonders hohe Quote. Viele Kinder machen bei „Kleine Helden auf dem Eis“ ihre ersten Schlittschuhschritte auf dem Eis.

So kommen über die Saison verteilt rund 600 Vorschulkinder zu einem Probelauf in die Eishalle. Wer Gefallen gefunden hat, kann sich dann auch für die Laufschule der Steelers anmelden. 60 Kinder lernen dort momentan das Eislaufen. „Über fehlenden Nachwuchs können wir uns nicht beschweren“, sagt Tomas. Er selbst habe in der Slowakei „sehr spät, in der vierten Klasse“ das Schlittschulaufen gelernt. „Früher ist besser“, findet er und freut sich auf viele weitere Vorschulkinder aus Bietigheim-Bissingen und der Umgebung, die zu ihm in die Eishalle kommen.