Bietigheim-Bissingen
: Hohe Auszeichnung im neuen Haus der Kultur

Galerist Rudolf Bayer erhielt am Dienstag die Staufermedaille. Er habe über seinen Beruf hinaus Verantwortung übernommen, sagte OB Jürgen Kessing.
Von
Uwe Mollenkopf
Bietigheim-Bissingen
Jetzt in der App anhören

Rudolf Bayer (rechts) erhielt aus den Händen von Oberbürgermeister Jürgen Kessing die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg.

/Martin Kalb

Als junger Lehrer besuchte Rudolf Bayer 1977 mit seinen Besigheimer Schulklassen die große Stauferausstellung im Alten Schloss in Stuttgart und war fasziniert von der Wiederentdeckung dieses Teils der deutschen Geschichte. Im selben Jahr stiftete das Land Baden-Württemberg für verdiente Bürger die Staufer-Medaille – und Bayer (78) hätte es sich nicht träumen lassen, dass diese ihm 49 Jahre später verliehen würde. Am Dienstagabend wurde dem Bietigheimer Galeristen die hohe Auszeichnung durch Oberbürgermeister Jürgen Kessing überreicht.

Kultur als tragende Säule

Die Ehrung vor rund 90 Gästen war zugleich eine Eröffnung. Sie fand im neuen Haus der Kultur in der Besigheimer Straße statt, das für die jüngst von Bayer gegründete Stiftung Kultur hergerichtet wurde. „Ich bin baff“, lobte Kessing die gelungene Gestaltung. Das Haus der Kultur stehe sinnbildlich für Bayers Überzeugung, „dass Kultur eine tragende Säule unserer Gesellschaft ist – und dass sie Räume braucht, in denen sie sich entfalten kann“, erklärte der Oberbürgermeister in seiner Laudatio.

Die Staufermedaille sei eine seltene und persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, sagte Kessing. Sie werde für herausragende, langjährige Verdienste verliehen und stehe für „Dank, Anerkennung und Respekt gegenüber Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen und das Gemeinwohl über eigene Interessen stellen.“

Wie er Revue passieren ließ, habe sich Rudolf Bayers Gestaltungswille schon früh gezeigt: als engagierter Schüler, als Schulsprecher und als Gründer und Leiter eines Stammes der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Bietigheim-Bissingen. Sein Studium der Germanistik und Geschichte führte ihn nach Tübingen, anschließend arbeitete er als Lehrer für Deutsch und Geschichte am Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim.

Doch bald habe er einen ungewöhnlichen Schritt gewagt: Er nahm sich Zeit für seine Familie, wurde Hausmann und ermöglichte seiner Gattin die berufliche Ausbildung. Zugleich habe er in dieser Zeit den Grundstein für sein eigenes unternehmerisches Wirken gelegt, schilderte Kessing.

1981 gründete Bayer das Kunstforum Heilbronn, wenig später seinen Musikverlag für klassische Musik, die Bayer Records GmbH. 1988 eröffnete er die Galerie Bayer in der Villa Faber – „ein Haus, das bis heute ein fester Ort für moderne Kunst und lebendigen Austausch ist“, so der Oberbürgermeister. Bayer verließ endgültig den Schuldienst und widmete sich ganz seiner Tätigkeit als Verleger und Kunsthändler.

Benefizaktionen ermöglicht

Doch Bayers Wirken habe sich nie im Beruflichen erschöpft, hob Kessing hervor. Er habe Verantwortung übernommen – in der Kirchengemeinde Sankt Laurentius, im Kulturbeirat der Stadt, in der Evangelischen Diakoniestation, im Hospiz und in mehreren Stiftungen. Kessing: „Er war Ideengeber, Mitstreiter, Organisator und Förderer zugleich. Er hat Strukturen aufgebaut, Menschen zusammengeführt und Projekte ins Leben gerufen, die weit über den Tag hinaus wirken“.

Besonders eindrucksvoll sei Bayers Einsatz für das Gemeinwohl. „Er hat nicht nur beraten und organisiert, sondern auch gegeben – aus eigenem Bestand, mit großem Vertrauen“, hob der Laudator hervor. Er habe zahlreiche Benefizaktionen, Kunstversteigerungen und Zustiftungen ermöglicht. Hospiz, Diakonie, Schulen, Kliniken und internationale Hilfsprojekte hätten dank seiner Initiative und seiner Kunstwerke erhebliche Mittel für ihre Arbeit gewinnen können. „Ein mittlerer sechsstelliger Betrag ist so im Laufe der Jahre dem Gemeinwohl zugeflossen“, lobte Kessing.

Familiäre Prägung

Der Geehrte selbst erklärte, er freue sich über die Auszeichnung unter der Prämisse, dass es ein Hinweisen auf „notwendiges gemeinschaftsdienliches Handeln sei“. Er wolle sie auch stellvertretend für die annehmen, die ihn unterstützten. Bayer: „Ich habe die Ideen und Visionen, andere machen die Kärrnerarbeit.“

Er führte sein Handeln auch auf die familiäre Prägung zurück. Seine Eltern hätten aus ihrem Schicksal der Vertreibung keine Verbitterung, sondern Optimismus und Gemeinsinn vermittelt.

Wichtig für das Gelingen des Gemeinwesens sind aus Bayers Sicht nicht die „wie Unkraut in die Gesellschaft hineingewucherten NGOs“, sondern bürgerschaftliche Gruppierungen wie die christlichen Kirchen, die beispielsweise eine ökumenische Diakoniestation ohne Gewinnabsicht führten oder ein Hospiz einrichteten, die Vereine, Chöre und Orchester, Kindergärten, Schulen oder Stiftungen. Auch das neue Gebäude solle als Bewahrungsort und Keimzelle für Kultur ein Anker werden, „in dem die global immer mehr zerstreute Gesellschaft etwas vom Begriff Heimat erfahren soll“, wünschte sich Bayer.